Ich war gestern wieder mal aus. Da der geplante Spielabend zu zweit nur halb so spasst, haben Corni und ich beschlossen, alte Altstadtbeizli ausfindig zu machen, die wir noch nicht gekannt haben.
Da wäre zum Beispiel die Fassbar. Unfassbar, dass man in Bern am späten Abend noch eine Stange haben kann für weniger als 4 Franken! Und dann nicht mal so ein mickriges Nullkommafünfundzwanzigdeziliterglünggli, sondern eine richtige, grosse, dicke Stange, gefüllt mit einem Drittelliter guten Bieres! Ein gemütliches, kleines Lokal mit vernünftigen Preisen anzutreffen, darauf hatte ich beileibe nicht im Traum gehofft. Item. Weiter im Text.
Wir wandelten weiter, Richtung Zytglogge, linkerhand, als uns plötzlich Klänge von Jazzmusik entgegenschwoben, Corni meinte das isch eh nid live und ich meinte aber mou, eh scho, und so machten wir uns auf, die Quelle des Rhythmus‘ zu ergründen, woraufhin wir in der Jackson Lounge landeten. Die Preise bewegen sich dort zwar ennet der Grenze des guten Geschmacks, aber die Live-Band hat meine Ohren so verwöhnt, dass ich zum Schluss gekommen bin, 8.50 seien für ein Schneider Weisse eigentlich ein ganz vernünftiger Preis. Leider aber erwischten wir nur noch den Schluss von Sweet Georgia Brown, dann packten die Mannen ihre Instrumente und zogen von dannen. Glücklicherweise hatten wir ein Schach dabei, und nach zwei Partien hatte ich mit Biegen und Brechen unter äusserster Anstrengung und grossen Opfern einen hart umkämpften, hauchdünnen Sieg erzwingen können, und wurde in der zweiten Partie bereits im zweiten Zug so vernichtend geschlagen, dass ich aufgab. Der Corni ist eben schon der unendlich viel bessere Schachspieler als ich.
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