Mach’s gut, ich werde dich vermissen!

Tschüss! Ich mochte dich sehr gerne, trotz all deiner Macken, aber nun hast du mich auf abrupte Weise verlassen, ohne dir die Zeit zu nehmen, dich lange von mir zu verabschieden. Von einem Moment auf den anderen bist du aus meinem Leben verschwunden, ich hatte nichtmal die Chance, dir wirklich zu verstehen zu geben, wieviel du mir bedeutetest (dies ist eine formidable Vergangenheitsform, wirklich!), oder dir Lebewohl zu sagen. Aber wenn du es für richtig hältst, dich auf diese Weise von mir zu trennen, so will ich nicht lamentieren, und deinen Entscheid respektieren. Lasse mich trotzdem der Welt erzählen, wie wir voneinander gegangen sind, mein liebes, gutes, treues Velo!

Ich fuhr heute Abend kurz vor sieben Richtung JOK, den grossen Stutz nach dem Eigerplatz hinauf. Ich stieg mächtig in die Pedale, denn es war wirklich nur kurz vor sieben, und so hatte ich einen, für meine Verhältnisse, rassigen Affenzahn drauf, als ich da hogerobsi dem Zingghaus entgegenbrauste. Da auf einmal riss es meine Eingeweide nach vorne und meinen Allerwertesten nach hinten, als das Hinterrad blockierte und sich innerhalb von wenigen Zentimetern die gesamte kinetische Energie in ein Kreischen von Metall verwandelte. Ich stieg, notgedrungen, ab und schaute mir an, was da passiert war. Nun: Ich hatte bereits gewusst, dass am Hinterrad eine Speiche locker war. Dezi wusste es seit heute auch. Das spielt aber gar keine Rolle, denn vorallem einmal wusste es die Speiche selber. Und sie schien sich im Laufe der Zeit in den hinteren Kettenwechsler verguckt zu haben, sosehr, dass sie ihn heute Abend kurz vor sieben küssen wollte und sich prompt nicht mehr von ihm lösen konnte. Mit dem für mich sehr unangenehmen Ergebnis, dass letzterer nun in arger Verkrümmung quer durch die Speichen fast bis auf die andere Seite des Rades zeigt, die lockere Speiche noch etwas lockerer ist, und sich das Hinterrad keine Bogensekunde mehr drehen lässt.

Zum Glück ist bald Velobörse