c/o Häfliger C195…

Dass meine Wohnadresse nicht gerade die einfachste auf Erden sein würde, dessen war ich mir wohl bewusst. Spätestens definitiv klar wurde es, als ich die erste Ausgabe des c’t ins neue Zuhause geschickt bekam. Ich hatte vorher via WWW eine Online-Adressänderung durchgeführt, und war deshalb eigentlich nicht weiter erstaunt, als mir die Ausgabe in den Briefkasten flatterte. Sowie ich aber die Adresse näher unter die Lupe nahm, wunderte es mich trotzallem ein wenig, dass sie den Weg zu mir gefunden hatte.

Herrn Manuel Friedli, hiess es da, und auf der nächsten Zeile dann:

Häfliger C1954961nepa Wegelin. Da musste ich schon ein wenig schmunzeln. Schliesslich kommt es nicht alle Tage vor, dass aus einem á eine so grosse Zahl wird. Ich glaube fast, ich sollte dem Verlag mal ein freundliches Mail zukommen lassen.

Dies aber war erst der erste Streich. Der zweite folgte heute, als ich mich um 8:45 zur alljährlichen Kontrolle meiner festsitzenden Retentionsdrähte für einen Termin bei der Prophylaxeassistentin einfand, auf gut Deutsch also beim Zahnarzt war. Ich trudelte ca. um 8 Uhr 44 ein, und auf das obligate «Grüessech Herr Friedli, dir dörft no grad es Momäntli im Wartezimmer Platz nä», hatte ich ein «Ja gärn, aber i hätt no grad e Adrässänderig z mäude» parat. Und so begann es. Ich diktierte der charmanten Dame am Empfang: «c-o-Häfligercánepawegelin, Cánepa mit Akzänt ufem erschte ‚a'», rasselte ich herunter, und ich kann’s dem Frollein nicht verdenken, dass sie noch einmal nachfragen musste, hätte ich auch gemusst, wenn ich’s zum ersten Mal gehört hätte.

So begann ich noch einmal. «c/o Häfliger» war kein Problem, aber bei Cánepa war Ende. «Gane…», begann sie, doch zum Glück hatte ich Sicht auf das Post-It, wo meine Adresse notiert wurde, und so konnte ich korrigierend eingreifen. Schlussamend stand dort Canépa, und nach einer letzten Verschiebung des Akzents auf den richtigen a («Nenei, ufem erschte, nid ufem zwöite!»), konnte ich dann noch Wegelin buchstabieren, was anscheinend nicht ein derart geläufiger Name ist, dass man ihn einfach so aufschreiben könnte, und so schien endlich alles in Ordnung zu sein.

Nach einer knappen Viertelstunde, die ich im Wartezimmer verbracht hatte, wurde ich gerufen. Aber nicht zur Zahnprofilaxe. «Dir loset», hiess es, «mues das aues bir Adrässe derbi sy? Es isch z’läng für üses System, i cha das nid so ygä!» Jänu. So lassen Sie das mühselig zusammenschusterte Cánepa Wegelin halt igottsname weg, für Sie wohne ich dann einfach c/o Häfliger. Die Post wird auch so ankommen.

Ade, Kakuro! Ade, Blick-am-Abend!

Es gibt nun also definitiv keinen Grund mehr, diese Gratiszeitung aus dem Hause Ringier zu lesen, geschweige denn, sie überhaupt aus dem Kasten zu nehmen.

Ich wollte schon seit längerem darüber berichten, nun komme ich endlich dazu. Lasse mich dir erzählen!

Es war an jenem Tage, da zum ersten Mal nicht mehr das «heute» dargeboten ward, sondern der «Blick am Abend» an seiner Statt die Menschen über die wichtigsten Geschehnisse des Tages informieren sollte. So hatte sich das der Ringier-Verlag zurechtgelegt, und also kam es. Wie dem auch sei! Ich Griff beherzt zu, um mir diese neue Gratiszeitung einmal anzuschauen. Ich erwartete, denselben Inhalt in einem neuen Layout anzutreffen, vielleicht mit ein bisschen mehr blutter Haut oder Frauenfüdli drin, denn schliesslich steht da «Blick» auf dem Umschlag. Punkto blutten Frauen wurde ich enttäuscht, das neue Layout hingegen, das hat voll zugeschlagen: Nichts ist mehr dort, wo man es erwartet. Die Comics fand ich irgendwo im ganzen Blatt verstreut, und als ich mich dann darauf freute, wenigstens noch das obligate Kakuro lösen zu können, welches mir aus den Zeiten des «heute» wirklich sehr ans Herz gewachsten war, da musste ich mit grosser Bestürzung feststellen, dass genau dieses den Umzug vom «heute» in den Abendblick nicht überlebt hatte, bloss ein Sudoku prangte einsam und etwas verloren auf der Rätselseite. Wenn man das überhaupt noch Rätselseite nennen kann. Ehm … hallo!, Blickredaktion? Jemand zu Hause? Ihr habt soeben den allerletzten Grund gestrichen, weshalb man eure Gratiszeitung überhaupt noch angefasst hat! Ohne Kakuro ist der Nutzen wirklich bei Null, und Sudokus findet man heutzutage an jeder Strassenecke, ganz abgesehen davon, dass die ihre Glanzzeit hinter sich haben!

Nun muss ich mir mühsam eine andere Gratiskakuroquelle suchen. Hat mir jemand von meiner hochwohlgelöblichen Leserschaft eventuell einen Tipp? Ich wäre dankbar!

Aus der Traum

Ja nun, jetzt ist’s also vorbei. Ab jetzt darf man getrost für die Holländer fänen. Wie’s dazu gekommen ist, möchte ich meiner hochwohlgelöblichen Leserschaft nicht vorenthalten.

Wir begaben uns zeitig in die Bundesplatzfanzone, auf dass wir für den Schweizermatch uns einen Platz ergattern könnten. Wir waren derart zeitig, dass wir noch den vollen Portugal-Tschechien-Match miterleben konnten, ohne allzusehr ins schwitzen zu kommen. Ein ganz klein wenig aufregen musste ich mich aber trotzdem: Da steht eine SWL-Launsch, zu Neudeutsch gelegentlich auch VIP-Lounge genannt, vor der BEKB, und darauf steht der Tschäppu, seines Zeichens Sohn vom Raymond, dem ehemaligen Berner Stadtpräsidenten. Der steht also da, währenddem sich die Portugiesen und die Tschechen aufs Dach geben, und er schaut nicht mal auf die Leinwand! Lange Zeit diskutierte er bloss mit seinen Stehnachbarn, ohne dem Spielgeschehen grosse Aufmerksamkeit zu schenken. Und ich muss es wissen, denn ich opferte ihm meine ganze Aufmerksamkeit, und hätte in der Tat ein Tor verpasst, wenn es denn zwischen der 35. und der 38. Minute ein solches gegeben hätte.

Ja, und dann war dieser Aufwärmmatch vorüber, und man vorbereitete sich auf die wirklich wichtigen Dinge im Leben, als da wären: der Match Schweiz gegen die Türkei (und sonst nichts). Gleich zu Beginn musste ich mit allergrösstem Missfallen zur Kenntnis nehmen, dass Schweizer Fans von sportlicher Fairness wohl nicht allzuviel halten, denn wer bei der Nationalhymne der Gegnermannschaft reinpfeift und -buht, der hat meiner Meinung nach den Sportsgeist weder mit Löffeln noch in homöopathischen Dosen gefressen. Und ein wahres Pfeifkonzert war sie, diese Türkische Nationalhymne. Ich habe mich hervorragend aufgeregt.

Zum Ausgleich habe ich bei der Schweizer Hymne abwechslungsweise Deutsch, Rätoromanisch und Französisch gesungen. Glücklicherweise stand direkt vor mir ein Schweizer Fan mit einem T-Shirt, das den gesamten Text in allen 4 Landessprachen am Rücken aufgedruckt hatte (mein Italienischakzent ist so schrecklich, dass ich diese Sprache ausgelassen habe).

Und dann spielten sie, und schossen ein Tor, man jubelte, es regnete und hörte wieder auf, die Türken glichen aus, es hörte auf zu regnen, die Nachspielzeit brach an, die Türken gingen in Führung, und schliesslich und endlich war der Traum ausgeträumt. Pech gewesen.

Glück hingegen ist, wenn man danach noch durch die Stadt streift auf der Suche nach diesen Bierbechern, etliche davon findet, und für jeweils 2 Franken an einem Getränkestand zurückgeben kann. Ich bin sicher, ich habe mir meine Biere von heute Abend beinahe finanziert durch meine Such-Und-Zurückbring-Aktion.

Und morgen gleich noch einmal! oder? Mal schauen.

Feinstgemahlener Kaffee à la wgChutz

In unserem Haushalt gibt es eine Kaffeemühle. Eine von Hand. Eine, die den Kaffee mit dem Schweisse des Angesichts mahlt. Und bis heute mahlte sie gar unregelmässig: Von kieselsteingrossen Kaffebohnenbrocken bis zum Nanokörnchen landete alles im Auffangschublädli, und da verwundert es nicht, dass die Kaffeequalität nicht ganz derjenigen von Illycaffè entsprach.

Jedoch, nimmermehr! Bewaffnet mit einem gut gespitzten Schraubenzieher, einer gehörigen Portion Unternehmergeist und dem nötigen Respekt, machten sich der Roman und ich daran, das Geheimnis der Unregelmässigkeit zu lüften. Binnen Kürze hatten wir die Schuldige, eine lockere Schraube (in der Mühle, nicht in unseren Köpfen), identifiziert und festgezogen. Im gleichen Arbeitsschritt ergründeten wir, effizient, wie wir nun mal sind, den Mechanismus der Mahlfeinheitsgradeinstellung, der sich geschickt in den Innereien der Mühle zu verstecken suchte, sich aber nicht vor unseren gewieften Blicken verbergen konnte.

Deshalb also ist nun die Kaffeemühle top in Schuss. Und weil ich das gleich mal ausprobieren wollte, braute ich mir einen derart starken Kaffee, dass ich noch immer von seiner Wirkung zehre, und wohl erst in etlichen Stunden so etwas wie einen Anflug von Schläfrigkeit verspüren werde. Ich werde mir die Zeit bis dahin mit dem Hören von Grand Mother’s Funck vertreiben. Das passt immer.

GMF live!

Wooowww!! Wenn’s wieder mal einen Bahnhofsplatzumbau gibt, werde ich dafür stimmen! Und ich werde hoffen, dass es wieder ein grosses Einweihungsfest gibt! Und ich werde hoffen, dass wiederum Grand Mother’s Funck spielen!

So wie heute Nacht.

Botzblitz! Gegruhft und gefunckt haben die bis an den Bach aben. Und als Höhepunkt betrat sogar das [Zitat:] «Maskottchen», eine 60-jährige Dame, die Bühne, und dieses Maskottchen hat dem Publikum auch vei eingeheizt, sowohl mit gesanglichen Einlagen, als auch mit gewagtem Hüftschwung. Der Wahnsinn in Stützstrümpfen!

Am Ende des Konzertes hiess es: Me cha de dert links no CDs choufe, und weil ich gerade am Strumpf war, wollte ich diese CDs kaufen. Jedoch fand ich dort links nichts, was einem CD-Verkaufsstand geähnelt hätte, und so schlich ich mich hinter die Bühne, um mich zu erkundigen, wo ich Tonträger erwerben könne. Im Tibits, lautete die Antwort, aber ins Tibits wurde ich nicht mehr eingelassen: «Nenei, isch zue hie, du nümme chasch da inecho, isch zue, nenei!» beschied mir ein gebrochendeutschsprechender Geschäftsführer. Ich also zurück hinter die Bühne, und klagte dem Gitarristen im knallorangenen Anzug mein Leid. Der hatte erbarmen, und machte sich extra für mich auf die Socken, um das Köfferli mit den CDs zu suchen. Kurze Zeit später kehrte er wieder, offenbarte mir die Pracht von sage und schreibe 8 pressfrischen CDs zum Schnäppchenpreis, fragte nach meinem Namen und stellte sich selber als Bärni vor. So bin ich nun mit einem weiteren Turbinenmusiker duzis (der es morgen bereits wieder vergessen haben wird, aber item) und um 8 CDs reicher. Eine super Sache! In den nächsten Wochen wird die wgChutz unter den Klängen von Grand Mother’s Funck erbeben! Ich freue mich!

PS: Vor lauter Lob sollte ich es nicht unterlassen, zu erwähnen, dass ich bereits heute Nachmittag am Fest war. Unter anderem habe ich da den Konzerten von Tango Media Docena und Gundi beigewohnt, die mir beide sehr gefallen haben. Nur leider war mir weder die Gelegenheit noch die finanzielle Flüssigkeit vergönnt gewesen, CDs dieser Bands zu erwerben. Nunja. Nächstes Mal dann.