Ich bin stolz auf mich

Ich bin stolz auf mich.

Erst einmal habe ich endlich das Loch im Vorderpneu geflickt. Das bringt mich jetzt zwar um meine tägliche Trainingseinheit «Reifenpumpen» — wo doch der Guru heute beim Zmittag mit einem verächtlichen Grabscher nach meinem schmächtigen Bizeps gefunden hat, ich sollte mehr Sport treiben — dafür erspart es mir manches Ungemach, wenn ich im höchster Eile zum Haus hinausstürme und einen platten Reifen antreffe, denn fahre ich mit mangels Zeit ungepumpt gebliebenem Vorderreifen durch die Gegend, muss ich in jeder Kurve stark abbremsen, um nicht im Strassengraben zu landen. Doch diese Zeiten sind nun also, wie gesagt, vorüber.

Des Weiteren habe ich mich meiner schlappen Pumpe angenommen. Mit enormer Handwerkerkunst, die mich zugegebenermassen selber überrascht hat, habe ich von einem Korkzapfen ein dickes Scheiblein abgesägt, es mit einem 8er-Bohrer hohlgebohrt, und dann in zwei Halbmonde gespalten. Die beiden Hälften habe ich ums Pumpenrohr gelegt und mit Klebeband fixiert, so dass die Feder nun früher schon auf Widerstand stösst beim zusammenstauchen der Pumpe — und diese so fest und sicher in den Haken verankert bleibt. Ein fürwahr ingeniöses Konstrukt.

Ich bin stolz auf mich!

Gymnasiascht? Das stimmt äuä nümme, oder?

Das Wartezettelchen mit der Nummer 019 trug den Zeitstempel 10:12. Die Schalterhalle verlassen habe ich um 10:55. Ich habe also 43 Minuten meines Lebens heute darein investiert, eine neue Identitätskarte zu bestellen.

Begonnen hat der ganze Prozess mit dem Anfertigen standardkonformer Passbilder. Es darf heutzutage nicht mehr gelacht, gelächelt oder gegrinst werden. Der Kopf muss gerade und Aufrecht in die Kamera blicken. Schattenwurf ist verboten. Brillen muss man entfernen, um Reflexionen zu vermeiden. Eine Brille trage ich ja kaum mehr, also war mir diese Hürde bereits automatisch aus dem Weg geräumt. Den Schattenwurf hatte ich ziemlich im Griff, und als ich mir dann vorstellte, wie lange ich noch zu warten hatte, und welchen Geldbetrag mich dieses kleine Stück Plastik, das ich da zu beantragen gedachte, kosten würde, ist mir auch noch das letzte Grinsen vergangen. Eigentlich war es mir das schon, als ich mit Entsetzen feststellen musste, dass mich die 4 Passföteli (1 Schuss, 4 mal das gleiche Bild) sagenhafte 8 Franken kosteten. Die nehmen’s wirklich von den Läbigen.

Nach 35 Minuten Warten blinkte das Nümmerli auf, das sich mit dem Nümmerli auf meinem Wartezettel deckte, und der Herr Burri, der mich bediente, war freundlich und erkundigte sich, ob ich denn immer noch Gymnasiast sei, und ich konnte erwidern, dass nein, ich studierte seit 2002 an der Uni Bern Informatik. So weiss die Stadt nun also wieder Bescheid über mich.

Der Herr an der Kasse meine, «Chömet nume, i bi grad bi nech», derweil er penibel Wartezettelchen nach Nummern sortierte. Schliesslich kassierte er doch noch die 70 Franken aus meinem Portemonnaie, und ich war entlassen.

Zwar kopfschüttele ich immer noch ob der langen Wartezeit, aber Dänu hat mir versichert, schon mal geschlagene zwei Stunden gewartet zu haben. Und laut Dezi muss man für den Besuch auf dem italienischen Konsulat einen ganzen Tag einplanen. Demnach kann ich mich wohl glücklich schätzen, der Bürokratie noch vor dem Mittagessen entronnen zu sein.