Das Eselpaar aus dem Tierpark Dählhölzli

Peinlich: Pure Prostitution pekuniär prekärsituierter Personen

Heute im Bahnhof Bern: Ich so am schlendern Richtung Püez, und dann so vor meinen Augen ein Anblick, wie er sich mir noch nie geboten hat: Öpper in roter Jacke mit künstlichem Rentiergeweih auf dem Grind und einer runden roten Clownnase zmitz im Gesicht. Am irgendwelche Werbeflyer verteilen. Hallo?! Muss ja wohl eine Person in pekuniär prekärer Position sein. Eng entlöhnt. Billig bezahlt. Vermindert verdienend. Weshalb sonst würde sie sich derart peinlich prostituieren?

Und was muss das für ein herzloser Arbeitgeber sein, seine Angestellten in derartige Kostüme zu zwingen, dass fremdschämen Programm wird? 

Kommt noch dazu: Rentier? Bitte? Hat denn der Samichlous nicht ein Eseli? So eines wie der Aschi oder das Grittli aus dem Streichelzoo im Tierpark sind? Asobitte.

„Führsprecher“? Was bitteschön soll das sein?

Oh-oh! Was muss uns das sagen, wenn zwei der ins Berner Stadtparlament gewählten SVP-Kandidaten  als Berufsbezeichnung „Führsprecher“ angeben?

Alles, was recht ist, aber "Führsprecher"? Echt jetzt?
„Führsprecher“? Echt jetzt?

Einer dazu hat gar noch für den Gemeinderat kandidiert (und ich möchte hier ausdrücklich betonen: es verbindet uns weder eine verwandtschaftliche noch sonst eine Bande)!

Lässt sich von falscher Schreibweise auf die Intelligenz des Verfassers schliessen? Wer weiss. Lässt sich von der Intelligenz des Verfassers auf die Intelligenz seiner Wähler schliessen? Natürlich nicht. Trotzdem dürfen wir uns wohl glücklich schätzen, dass es lediglich 2 Führsprecher in den Stadtrat geschafft haben.Hoffen wir, dass die zumindest lesen können, wenn’s beim Schreiben schon hapert. Ansonsten sehe ich düstere Zeiten auf und zukommen, wenn wir für die kommenden vier Jahre mit zwei Analphabeten im Parlament gestraft sind.

Wir werden sehen. Und da man nie so genau weiss, wann ein Dokument aus dem WWW verschwindet, hänge ich die Detailergebnisse Stadtratswahlen Bern 2016 (PDF) gleich an den Beitrag an. Damit sich der geneigte Leser und die geneigte Leserin selber von der mangelhaften Schreibweise überzeugen können. Auf Seite 12.

Undwer mir nicht traut, soll halt auf der Website der Stadt Bern nachschauen.

Gute Nacht.

„Die Stapi“? D Stapə!

Heute war ich sehr verwirrt, aus der Distanz. Ich sah ein Plakat und dachte zuerst, ich hätte mich verschaut, stand doch da ein mir unverständliches „Die Stapi“.

Stapi ist mir durchaus ein Begriff: Jeder Berner nennt so seinen Stadtpräsidenten, zu Deutsch auch: Bürgermeister. So wälzte ich im Nähergehen denn auch verschiedene Varianten über die Bedeutung des mich verwirrenden „Die“ in meinem Kopf:

  1. Es ist eine absolut verhunzte Schreibweise des berndeutschen „Dein“, das jeder des Schreibens mächtiger Berner selbstverständlich als „Di“ oder meinetwegen „Dy“ zu Papier bringen würde.
  2. Es ist als Mehrzahl gedacht und würde auf Deutsch lauten: „Diese Stadtpräsidenten“. Aber ist die Mehrzahl von „Stapi“ wirklich „Stapi“? Oder „Stapis“, oder etwa gar „Stapine“? Nein, letzteres ganz sicher nicht. Als Berner würde ich wohl am Ehesten noch „Stäple“ sagen.
  3. Es ist Hochdeutsch und – wie banal! – schlicht und ergreifend der feminine bestimmte Artikel. Aber „Die Stadtpräsident“? Eh nid! Kann denn „Stapi“ auch für „Stadtpräsidentin“ stehen? Finde ich irgendwie komisch.

Und wofür warb dieses Plakat überhaupt?

Derart gedanklich beschäftigt war ich mittlerweile auch schon beim Corpus Delicti angelangt und konnte nun auch das Kleingedruckte lesen. „Die Stapi“ steht tatsächlich für die dritte meiner Gedankenvarianten und wirbt für Ursula Wyss, die im November für das Amt der Stadtpräsidentin kandidiert. Womit das Rätsel also gelöst wäre.

Nur bin ich nicht so recht zufrieden damit. „Stapi“ ist für mich ausschliesslich männlich. Eine Stadtpräsidentin würde ich „Stape“ nennen. Und ich weigere mich explizit, hier „Stapä“ zu schreiben. Weil’s hässlich aussieht. Auch wenn man’s eher so ausspricht. Und Stapə begreift keiner.

Fertig.

Nein, noch nicht! Erinnerst du dich noch an den letzten Beitrag? Den, in dem ich dem Wutbürgertum gefrönt habe und den Organisatoren der TdF-Bern ein Mail geschrieben und mich nach den Kosten erkundigt habe? Das war am 18. Juli. Und bereits 3 Tage  später, am 21. Juli, hatte ich eine Antwort im Posteingang. Und zwar nicht so ein „Ja, tut uns leid, wissen wir auch nicht, kümmern Sie sich um ihre eigenen Exkremente“, nein, im Gegenteil! Im Mail enthalten waren ein Link auf den Stadtratsvortrag und einer auf das Protokoll der Sitzung vom 26. Mai. Ich sage: Danke und Bravo für so viel Transparenz! Auch wenn  ich noch nicht die Zeit gefunden habe, mich durch die Unterlagen zu wühlen. Wer weiss, vielleicht folgt ja mal noch ein Beitrag zur Thematik.

Fertig.

Wirklich.

Tour de Wahnwitz

„Tour de France“ nennen sie es. Ein „Velorennen“ sei es, sagen sie, ein „Sportanlass“ gar. Dabei frage ich mich, was genau daran Velorennen sein soll, wenn 100% der sogenannten „Athleten“ bis unter die Haut mit Doping vollgepumpt sind und mehr motorisierte Begleitfahrzeuge als Fahrräder beteiligt sind.

Wie ich aus gut unterrichteter und absolut vertrauenswürdiger Quelle vernommen habe, sind in Bern für diesen Anlass sogar Verkehrsinseln weggespitzt worden. Der Spass hat 1.6 Mio CHF gekostet – die Arbeitskosten nicht eingerechnet.

Ob das wirklich stimmt, sei dahingestellt. Ich jedenfalls freue mich darauf, Antwort zu bekommen auf das Mail, das ich soeben geschickt habe:

An: info@tdf-bern.ch
Betreff: Kosten Tour de France in Bern
Datum: 18.07.2016 19:45

Sehr geehrte Damen und Herren

Wie viel kostet es die Stadt Bern, dass die Tour de France Halt in Bern macht? Können Sie mir den Link zum Protokoll der Sitzung des Stadtrates geben, in welcher die Zustimmung für den Kredit behandelt wurde?

Vielen Dank für Ihre Auskunft.

Mit freundlichen Grüssen,
Manuel Friedli

Ob sie mir wohl überhaupt antworten? Man darf gespannt sein.

Nachtrag: Sie haben geantwortet.