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Jazz-Jam!

Woooow! Nun kenne ich meine zukünftige Dienstagabendbeschäftigung!

Eigentlich war’s ja nichts als Zufall: An der Litfasssäule sah ich ein Be-Jazz-Plakat und machte zur Erinnerung eine Foto davon. Denn es heisst eine Foto, weil’s von Fotografie kommt, und denjenigen möchte ich erstmal kennenlernen, der das Fotografie sagt. Item.

Die Foto erinnerte mich jedenfalls beim nächsten Start des Computers daran, die Be-Jazz-Website zu besuchen. Und genau da stiess ich durch reinen Zufall auf den Hinweis, dass jeden Dienstag ab 21 Uhr im 5ème étage der Tuesday-Jazz-Jam stattfinde. „Geisch mau ga luege“, sagte ich mir also heute, und ich hätte es tatsächlich nicht besser machen können!

Nicht nur, dass man da per Zufall auf einen alten Freund aus universitären Zeiten trifft, nein, beim Erwerb eines Getränks nach Wahl gibt es eine Portion Risotto dazu, die sich gewaschen hat, und da man ja geng no 2, 3 Bier gno het, kam ich also in den Genuss eines vorzüglichen Znachts.

Aber das ist es ja gar noch nicht wirklich: Da wird gejammt, was das Zeug hält! Jazz-Standards obsi u absi! Wer will, betritt die Bühne und spielt, Lukas Thöni war da und hat – wie nicht anders zu erwarten war – brilliert, es war fantasmisch! Aber auch all die anderen, deren Namen ich mir entweder nicht merken konnte – denn das ist so ein bisschen mein Handicap: Namen merken -, oder die gar nicht namentlich erwähnt wurden, weil das da nämlich in vollkommen ungezwungenem Rahmen stattfindet, die haben unglaublich gejazzt, gegrooved und gesoliert, mich hätt’s glatt aus dem Sessel gelüpft, wäre ich nicht so feiss! Wahnsinn!

Ebenfalls anwesend waren der legendäre Rico Baumann und der fabelhafte Klaus Widmer, aber gespielt haben sie leider nicht, jedenfalls so lange ich da war. Als ich mich nämlich nach den Zwülfen mal verabschiedet habe, war der Jam noch voll im Gange. Gut möglich also, dass nach meiner Zeit noch jene des Baumann oder des Widmer gekommen ist, ich weiss es nicht.

Den Rico kann ich jetzt noch ein wenig geniessen. Und zwar ab Konserve, mit 70% Wasser von King Pepe & Le Rex. Bei Le Rex ist der Rico mit dabei, nämlich. Und der King Pepe, abgesehen davon, der ist nämlich auch eine vollkommene Kanone! Was der für Texte schreibt, das glaubt einer alleine gar nicht. Den muss man wahrscheinlich live erleben, um das vollständig erfassen zu können.

So, genug geplappert.

Gute Nacht!

Fette Grooves, hohe Töne und tief geschachtelte Sätze

Jetzt weiss ich, was sein Geheimrezept ist: Zum Frühstück isst er Groove, beim Znüni gibt’s ein Stück Musikalität, am Mittag eine gehörige Portion Rhythmus und Taktgefühl, zum Zvieri ein Redli Inspiration, und am Abend gönnt er sich abwechslungsweise Genialität und Kreativität. Kein Wunder spielt er wie ein junger Gott, der Rico Baumann! Ich könnte mir gut vorstellen, dass er mit dem Hi-Hat unter dem Kopfkissen schläft. Oder sich des Nachts gemütlich in der Bass Drum einrollt. Jedenfalls ist er definitiv mit Drumsticks in den Händen zur Welt gekommen.

Was ich hingegen immer noch nicht ganz verstehe, ist, wie Dave Blaser, der Lead- und damit per Definition lauteste und höchste Trompeter der Band, das mit den hohen Tönen macht; gurgelt er vor dem Konzert prophylaktisch mit Vita-Merfen, damit seine Lippen, die bei den sieben- und achtgestrichenen Fissen und Gissen (f#“““‘ oder g#““““, immerhin!), die er mit traumwandlerischer Sicherheit und sagenhaften 500 dB in den Raum pustet, zwangsläufig in blutige Fetzen gerissen werden, wieder einigermassen zusammenheilen? Anders kann ich es mir jedenfalls nicht erklären.

Hast Du auch so Freude wie ich an dem dreifach geschachtelten Satz von vorhin? Ich sage: Gäbe es keine Jazzmusik und keine Big Band, die mich montagabends von grösserem Unsinn abhielte, ich verbrächte den grössten Teil meines Lebens mit der Konstruktion absurder Schachtelsätze! Das wäre ein Leben und Lesen!

Drum sei also dankbar, gibt’s das Swiss Jazz Orchestra. So kannst Du den Montagabend mit besserem verbringen, als der Lektüre meines Blogs. Halleluja.

Und gute Nacht.

Ach, was ich noch sagen wollte: Die neue CD, Sincerely Yours, Swiss Jazz Orchestra, die ist also echt der Hammer! Die geht zu beiden Ohren rein, und bleibt dann da, und dann bringt sie den ganzen Körper in Wallung und man kann nicht mehr still auf dem Tabourettli sitzen, sondern MUSS einfach rhythmisch zu wippen beginnen, bis dann später das Tanzbein mit einem durchgeht und man nur noch ekstatisch durchs Zimmer wirbelt! Ich nehme an, unsere Nachbarn hatten ein Mordsgaudi, als sie mir durchs Fenster beim Musikhören zusahen. Naja, hören konnten sie die Musik wahrscheinlich auch, sogar durch die doppelverglasten Fenster, bei der Lautstärke, auf die meine Stereoanlage eingestellt war …

Jedenfalls kann ich das silberne Doppelscheiblein jedem empfehlen! Und zwar zum Kauf!

Groove: Die beste Medizin

Kränkelig fühlte ich mich allenthalben, am Montagabend, und wusste nicht so recht, wie es mit mir weitergehen sollte. Ich werweisste: Bleibe ich zu Hause, kuriere mich mit Wadenwickeln und bitterer Medizin, damit ich mich morgen wieder ins Büro schleppen mag und nach einem verpatzten Wochenstart halbherzig in die Tasten greife? Oder fasse ich mir ein Herz, nehme den weiten weg ins Hübeli auf mich, gönne mir heisse Rhythmen, die mir sicherlich mehr einheizen als der heisseste Kamillentee, damit ich morgen voller Elan programmiere, was das Zeug hält, den besten Code meines Lebens® schreibe und also nicht nur glücklich bin, sondern damit auch unsere Kunden glücklich mache?

Zugegeben: Eine rhetorische Frage. Mein Herz fasste ich mir allerdings erst, als das Swiss Jazz Orchestra mutmasslich bereits zu spielen begonnen hatte, und kam darum viel zu spät. Ich sagte mir, wenn’s mich putzt, dann will ich die letzte Ölung wenigstens bei guter Musik erleben! Im ersten Set erwischte ich dann nur noch 2 ½ Stücke, merkte aber schon nach den ersten Takten, dass meine Entscheidung die goldrichtige gewesen war: Mein Herz ging auf und der Schnupfen schwand, so eine Groove Night tötet eben alle Bakterien zuverlässiger als Novartis und Ciba-Geigy zusammen! Das obligate Bärner Müntschi in der obligaten Pause – welche diesmal etwas länger dauerte, da sich der den abwesenden Till Grünewald ansagetechnisch vertretenden Adi Pflugshaupt gemäss eigener Aussage die Ansagen fürs zweite Set noch aus den Fingern zu saugen hatte – das Müntschi, sagte ich, sollte sein übriges dazu tun, was es auch tat.

Nur hatte ich die Rechnung ohne den für den Abend musikalisch verantwortlich zeichnenden Philip Henzi gemacht: Hatte der Schlingel als zweitletztes Stück des Konzerts doch tatsächlich den Oberturbinenklassiker Give It Up von Randy Brecker aus dem Fundus gekramt! Give It Up! Was kann es Besseres geben, um einen Schnupfen loszuwerden!? NICHTS! Es ist das Allheilmittel schlechthin! Ich fühle mich noch immer derart fit, ich glaube, ich geh‘ nachher schnell einen Baum ausreissen.

Mein innerliches Mitgetanze – äusserlich verhielt ich mich absolut unauffällig – mag wohl seinen Anteil an meinem Entschluss gehabt haben, indem es meine Hirnzellen so richtig durchschüttelte. Der Entschluss, den ich fasste, lässt sich in wenigen Worten zusammenfassen: Für jedes mal, da das SJO Give It Up spielt (und ich am Konzert anwesend bin) unterstütze ich das Wema-Kit-Projekt, pardon: We-Make-It-Projekt mit weiteren 50 Fränkli. Einfach so, weil Give It Up MINDESTENS sövel wärt ist. Ich schlage vor, du, Leser, Leserin, tust es mir nach.

Hossa!

Ein Benedikt im Jazzkonzert

Schon immer hatte ich die volle Hochachtung vor ihm, war er doch oberster Patron unserer Bundesbahnen, obschon ich festhalten möchte, dass mitnichten jeder, der diese Position innehat oder -hatte, meine volle Hochachtung geniesst, aber er war ja Bähnler durch und durch, mit Herzblut und sicher auch mit Bahnhofvorstandshut, und wie ich heute feststellen darf, hat er auch den Jazz im Blut, anders könnte ich mir seine Anwesenheit am SJO-Konzert nicht erklären. Und wen sehe ich noch? Den Alec von Graffenried. Verrückt! Und den Herrmann Weyeneth, diesen Grüsu! Also ist alles, was Rang und Namen hat, vertreten im Huerebibeli und das Konzert kann starten.

Als es dann am Nick Perrin seiner Guitarre eine Saite klepft, kommt der ansagende Till in einen Moment der Verlegenheit, weil er das Gefühl hat, es könnte langweilig werden, wenn er nichts zu sagen wisse. Da kennt er sich selber aber ganz schlecht: Wenn er ansagt strotzt das Bibeli vor Wortwitz und Schlagfertigkeit, und so sehe ich mich genötigt, den Höhepunkt des Abends trotz absolut überzeugender musikalischer Darbietung (ich wippte mit, wie schon lange nicht mehr!) auf die Grünewald’sche Ansage zu legen. Chapeau!

Enttäuschendes und berauschendes SJO

Eine gewisse Traurigkeit umfängt mich, da ich in die Tasten greife um diese Worte zu schreiben. Obzwar – Traurigkeit ist vielleicht nicht ganz der richtige Ausdruck für meine momentane Gefühlsverfassung, Enttäuschung trifft es wohl eher. Ich will dir sogleich den Grund hierzu nennen.

Ich war, wie es sich für einen anständigen Montagabend gehört, wieder im Huerebibeli zu Gast, heute war Gala-Night mit Marianne Racine, die rassig gesungen und mich regelrecht in Verzückung versetzt hat. Sie kann also nicht der Grund für meine Gemütsschwere gewesen sein. Vielmehr war es die Ansage vom begnadeten Till Grünewald. Wir erinnern uns an letzte Woche: Philip Henzi solierte auf dem Piano, weil das Geld für eine Steel Drum fehlte. Ich erbarmte mich und zahlte zehn Fränkli mit dem Vermerk „Steeldrum Henzi“ ein.

Nun zurück zu heute Abend: Der – wie gesagt – begnadete Till Grünewald machte sinngemäss folgende Ansage: „Am Piano dr Philip Henzi! … Es fröit is übrigens bsunders, dass letscht Wuche öpper uf üses Konto mit em Vermerk «Steeldrum Henzi» yzaut het. […]“„Öpper“! Beschämend. Da habe ich derart grossartige Werbung gemacht, es waren letzte Woche derart viele Leute anwesend, und ich soll der allereinzigste gewesen sein, der etwas eingezahlt hat? Beschämend.

Dafür aber erlebte ich eine grosse Überraschung. Und zwar spielte seit langem wieder mal eine Frau den Barifön, will sagen: Das Bariton-Saxophon. Ich hatte ja Anno XXVII einmal postuliert, Bariföne würden stets und ausnahmslos von Frauen gespielt. Zwischenzeitlich hätte ich diese Aussage revidieren müssen, kann man doch Marc Schödler beim besten Willen und allem Respekt nur mehr schlecht als recht als Frau bezeichnen. Heute aber hätte meine damalige Aussage voll ins Schwarze getroffen. Bereits im ersten Stück hatte sie ein Solo, diese Frau am Fön. Obligaterweise wurde sie danach mit Namen vorgestellt und ich staunte nicht schlecht, als ich „Corinne Windler“ gehört zu haben glaubte. Corinne Windler, dasch doch die vo X-elle!“ schoss es mir durch den Kopf, und tatsächlich: Google bestätigt es mir. Nun werde ich also am kommenden 2. November im ONO gleich nochmal in den Genuss ihres Spiels kommen. Obschon ich mich dann eher auf Valeria zu konzentrieren gedenke.