Ach, Migros, wie schindluderst Du mit unserer schönen Sprache!

Bald ist Ostern und die Migros macht Reklame für irgendsoeine Aktion:

Superhäslis … aso bitte!

Echt jetzt, liebe Migros? „Superhäslis“??? Welcher grammatikalische Geier hat euch denn da wieder mal ins Hirn gekackt? Auch wenn sich ein Häsli vermehrt, so bleibt es sicher mal S-los am Ende: Ein Häsli, zwei Häsli. Da ändert auch ein Super-Präfix nichts!

Soll ich in Zukunft drei Öpfelis und fünf Birelis bei euch bestellen? Zwei Lauchs und 17 Erdbeeris? Schoggieilis? Specktranches? Pouletschenkels?

Gibt’s auf dem Bauernhof nebst den Häslis auch Kühlis und Kälblis, Schäflis und Lämmlis, Geisslis und Gitzis, Söilis und Färlis? Weizenkörnlis und Grashälmlis?

Ihr seid doch grammatikalische Tubelis. Lölis und Glünggis. Idiots und Depps.

Oder handelt es sich etwa um einen Tippfehler und die Familie Hösli ist jetzt super? Weshalb dann aber das Häsli? Fragen über Fragen.

Liebe Migros, gebt doch bitte besser darauf acht, was ihr schreibt. Auch wenn ihr sparen und Stellen streichen müsst, so reicht es doch wohl immer noch für ein professionelles Lektorat. Den Stift, der offensichtlich diese Werbekampagne ausgebrütet hat, könnt ihr ja wieder zum Telefondienst einteilen.

Diskothek im 2. Babylonisches Sprachgewirr.

Ich höre DRS 2, die Diskothek, Thema: Classical music recomposed. Der eine Studiogast, seinem Akzent nach ein Franzose (also wird’s wohl der Luxemburger Francesco Tristano gewesen sein), sagt: „Es ist interessant, Richter hat hier die Partitur genommen und die ADN der Musik verändert.“ Sein Gesprächspartner, in diesem Fall also Tomek Kolczynski, will assistieren: „‚DNA‘. Auf Deutsch ‚DNA‘.“

Ich sage hierzu: Nein, leider auch nicht. Während ADN ganz sicher Französisch ist, heisst es im Deutschen DNS und nicht – wie im Englischen – DNA. Sorry. Pardon: Entschuldigung.

Ich gestehe Herrn Kolczynski allerdings zu, dass auch mir beim Akronym ADN als „deutsche“ Alternative wohl DNA und nicht DNS in den Sinn gekommen wäre. Insbesondere, da mir mit meiner beruflichen Verbildung unter DNS etwas ganz anderes geläufig ist.

„Führsprecher“? Was bitteschön soll das sein?

Oh-oh! Was muss uns das sagen, wenn zwei der ins Berner Stadtparlament gewählten SVP-Kandidaten  als Berufsbezeichnung „Führsprecher“ angeben?

Alles, was recht ist, aber "Führsprecher"? Echt jetzt?
„Führsprecher“? Echt jetzt?

Einer dazu hat gar noch für den Gemeinderat kandidiert (und ich möchte hier ausdrücklich betonen: es verbindet uns weder eine verwandtschaftliche noch sonst eine Bande)!

Lässt sich von falscher Schreibweise auf die Intelligenz des Verfassers schliessen? Wer weiss. Lässt sich von der Intelligenz des Verfassers auf die Intelligenz seiner Wähler schliessen? Natürlich nicht. Trotzdem dürfen wir uns wohl glücklich schätzen, dass es lediglich 2 Führsprecher in den Stadtrat geschafft haben.Hoffen wir, dass die zumindest lesen können, wenn’s beim Schreiben schon hapert. Ansonsten sehe ich düstere Zeiten auf und zukommen, wenn wir für die kommenden vier Jahre mit zwei Analphabeten im Parlament gestraft sind.

Wir werden sehen. Und da man nie so genau weiss, wann ein Dokument aus dem WWW verschwindet, hänge ich die Detailergebnisse Stadtratswahlen Bern 2016 (PDF) gleich an den Beitrag an. Damit sich der geneigte Leser und die geneigte Leserin selber von der mangelhaften Schreibweise überzeugen können. Auf Seite 12.

Undwer mir nicht traut, soll halt auf der Website der Stadt Bern nachschauen.

Gute Nacht.

Aus aktuellem Anlass 

… wenngleich jetzt wirklich Matthäi am Letzten ist, schliesslich geht es mir doch um die EM im weiteren Sinne, und die findet am heutigen Tage ihr Ende. Um genau zu sein geht es mir um die Nationalhymne, die schweizerische. „Di si im Fau scho lenger dusse“, sagt jetzt der Pedant, aber ich entgegne: „Schweig stille und lies meine Worte“. Die da sind wie folgt:

Und zwar gehört es sich für einen Rekruten der Militärmusik, wie auch ich einer war vor langen Jahren, dass er die Nationalhymne in Melodie und Wort beherrscht. Melodie ist ja noch einfach, aber das Wort! Noch heute beherrsche ich den deutschen Text nicht. Dafür aber den rätoromanischen, aber eben, hier geht’s auch schon los. Damals, vor nunmehr 14 Jahren, setzte es sich der Tambour Berther, dessen Vorname mir partout  nicht mehr in den Sinn kommen will, zum obersten Ziel, der Truppe den rätoromanischen Text näherzubringen. Diesenzwecks verteilte er gar Kopien desselbigen, ich glaube, er hatte sie von einem Gesangsbüchlein gemacht. Pflichtbewusst, sprachinteressiert und minderheitenintegrativ, wie ich war – und notabene immer noch bin -, lernte ich diese Version auswändig und rühme mich heute noch, ihn zu können.

Und weshalb schreibe ich das Ganze? Simpel: Des Rätoromanischen nicht mächtig, weiss ich nicht, welchem Idiom er entspringt. Sursilvan? Vallader? Sutsilvan, Puter oder was es noch alles gibt? Oder gar dem verpönten rumantsch grischun? Keine Ahnung. Wie anders sollte ich dies jemals herausfinden, wenn nicht durch die Niederschrift auf dieser Seite!?

Ein Problem aber bleibt: Wohl vermag ich mit Inbrunst und patriotischer Hingabe unseren Psalm svizzer zu trällern, aber wie man dieses Kauderwelsch schreibt, das entzieht sich leider meiner Kenntnis. Wie dem auch sei, ich starte allen Widrigkeiten zum Trotz einen Versuch und bitte meine hochwohlgelöbliche Leserschaft, sachdienliche Hinweise bezüglich der sprachlichen Provenienz in einem Kommentar als Hinterlassenschaft zu deponieren. Nun denn, stimmen wir ein in den Gesang nationaler Selbstverliebtheit:

Cu la pezza bein marvegl
splendurescha il suleigl.
Ca tel jeu tei adagur, creatur.

Sco da lunsch ils rains ramuren
A lur diu ils svizzers uren.

Diu signur dil scaffiment
laud honur en graziament.
Diu signur dil scaffiment
laud honur en graziament.

Na? Irgendeine Idee?

Anzufügen gibt es wohl noch, dass „ils svizzers uren“ nicht etwa eine Anspielung auf die formidable Uhrmacherkunst des Schweizervolkes ist, sondern – so glaube ich mich zu erinnern – in etwa so viel bedeutet wie: „Zu ihrem Gott tun die Schweizer beten“. Naja. Ich fände das mit den Uhren irgendwie lustiger. Aber mich fragt ja keiner.