Streckenunterbr—

Heute Morgen im Nünitram: Es knackt im Lautsprecher und eine verrauschte Frauenstimme meldet sich:

„Liebe Fahrgäste. Auf der Linie Neun ist aufgrund einer Fahrzeugpanne die St-„

Mir scheint, als ob heute Morgen auch der Lautsp- unterbrochen sei. Henu, nehmen wir halt den Fuss und kommunizieren mit dem Mund. Bis man mir die unterbricht, bleiben mir hoffentlich noch ein paar Jahrzehnte.

Schschschöneguetemorge!

Was für ein Start in den Tag! Da sitze ich unbekümmert im Tram, um zur Arbeit zu fahren, und kurz vor dem Hirschengraben knackt’s plötzlich im Lautsprecher. Der Trämeler meldet sich: „Schschschöne guete Morge, wärti Fahrgescht“, schallt es in einer Lautstärke durchs Tram, dass ich einen veritablen Zusammenzucker vollführe, und wer schon mal mit mir im Kino einen Horrorschblättertriller gesehen hat, kennt meine Schreckhaftigkeit und erwartet jetzt wohl, dass ich auch noch ggöisse, aber dafür ist’s mir um sieben noch zu früh.

Zum ggöissen bleibt mir auch gar keine Zeit, denn die Durchsage geht schon weiter: „Das wär itz none Tag für i d Bärge z’ga, gäuet, bi däm schöne Sunneschyyn! I wünschenech uf jedefau e wunderschöne Tag, ohni Stress, Erger u Töibi!“ Die Stimmung im Tram ändert schlagartig von Ääh-i-mues-ga-bügle auf Hey-super-d-Sunne-schyynt, und alle raunen unisono „Merci“, einige gar noch „Glyychfaus“. Und auch ich merke, wie mich diese Worte erheitern. Dafür möchte ich dem Trämeler, der heute Morgen das 9i-Tram auf sicherem Weg mit grösstmöglichem Fahrkomfort zum Bahnhof führte, danken und wünsche ebenfalls einen wundervollen Tag. Man sollte dies viel öfter tun.

Frühmorgens im Tram

Wie wird man am schnellsten wach, wenn man um 5:38 Uhr (morgens!) nach einer nicht allzu langen Nacht ins Tram steigt, weil man schon um sieben Uhr in Luzern sein muss? Ganz einfach: Man stolpert in ein Spinnennetz (im Tram!) und merkt es erst, wenn’s im Gesicht gramüselet. Spätestens sobald man realisiert hat, dass einem da eine Spinne über das Antlitz spaziert, schiesst der Adrenalinspiegel derart in die Höhe, dass jedwelche Müdigkeit verflogen ist.

So geschehen heute Morgen. Ich bin jetzt noch ganz wach davon.

Eines Wintermorgens im Tram: Pulverschnee

Lieber Leser, liebe Leserin, lasse mich Dir berichten, was ich vor wenigen Tagen erlebte, als ich mit dem Tram zum Bahnhof fuhr.

Es war schon später am Morgen, hatte ich doch ein wenig verschlafen. So bestieg ich also um ca. 8:40 Uhr beim Weissenbühl das 3-Tram, setzte mich ins Viererabteil am Ende und liess mich chauffieren. Um der Langeweile während der mir bereits wohlbekannten Tramfahrt ein wenig entgegenzuwirken, zückte ich mein Intelligenztelefon und jasste mir einen Differenzler, weil der schneller vorbei ist als ein Schieber und die Tramfahrt zum Bahnhof ja lediglich 8 Minuten dauert.

So befand ich mich denn ins Spiel vertieft (es lief so gut wie noch nie! Heimatland!), als beim Hasler eine junge Dame mit ihrem Tretroller einstieg und sich schräg vis-à-vis von mir hinsetzte. Die junge Frau war dermassen nervös und offenkundig nicht ganz wohl, dass sie sich wohl verpflichtet fühlte, sich bei mir zu entschuldigen. „Oh, scho guet, nüt passiert“, erwiderte ich, gewohnt freundlich, und jasste weiter.

Aus dem Augenwinkel nahm ich wahr, dass die junge Dame in ihren Taschen zu kramen begann, auf Sitz und Ablagefläche eine regelrechte Auslegeordnung ihrer Habseligkeiten darlegte und dabei so gestresst und nervös wirkte, wie nur ich es vor meiner mündlichen Mathematikprüfung an der Uni gewesen sein konnte. Allenthalben nestelte sie an irgendetwas herum, begann dann aus Papier irgendetwas zu fabrizieren und veranstaltete jedenfalls eine derartige Höllenkomedi, dass ich mich zwischen Kocherpark und Hirschengraben nicht mehr beherrschen konnte und endlich einen Blick auf das warf, was die Person da eigentlich am tun war.

Mich traf der Schlag.

Beinahe jedenfalls, denn sonst könnte ich ja nicht mehr davon berichten: Das fabrizierte Ding aus Papier entpuppte sich als Röhrchen, und just als ich meinen Blick von den Jasskarten ab- und der Dame zuwandte, zog sie sich damit eine feinsäuberlich dargelegte Linie weissen Pulvers geräuschvoll in die Nase.

Um 8:46 Uhr. In Bern. Im Tram. Vor meinen Augen.

Etwas baff versuchte ich, mich wieder auf meinen Jass zu konzentrieren, der irgendwie nicht mehr so recht in Gang kommen wollte. Wie die Frau ihr Zeug zusammenpackte und am Bahnhof merklich beruhigt ausstieg, nahm ich zwar wahr, war aber in Gedanken schon einen Schritt weiter. Hatte ich richtig gehandelt? War es gut, ihr Tun zu ignorieren? Hätte ich sie darauf ansprechen sollen?

Ich kam zum Schluss, dass ich sie entweder auch um eine Line hätte bitten sollen, oder aber ganz unabsichtlich mittels Höllennieser den Stoff in alle Winde hätte verblasen sollen. Beim nächsten Mal probiere ich das mal aus. Ich freue mich schon ein wenig.

Mir wüsse o nid, werum mir das mache!

Gestern war ich in der Stadt, wollte gerne nach Hause und wartete hierzu am Hirschengraben aufs Tram Numero III. Nach zweiminütiger Wartezeit meinerseits traf ein solches Exemplar ein und behielt seine Türen beharrlich geschlossen. Geduldig, wie ich nun einmal bin – wer mich kennt, weiss das – geduldete ich mich und wartete darauf, dass man mich einsteigen liesse. Jedoch strömten nach Türöffnung alle Menschen aus dem Tram heraus, eingelassen wurde niemand mehr. Ein Bernmobilmitarbeiter stellte derweil die Weiche um, so dass das Tram beim weiterfahren nicht Richtung Weissenbühl, sondern zurück zum Bahnhof davonrauschte. Jä guet, dachte ich mir, wird wou scho sy Grund ha, näme mr haut ds Nächschte. Ich liess Tram Numeri V und IX vorbeiziehen und freute mich, als wieder ein III-er in Anfahrt war.

Doch was musste ich feststellen? Wieder das gleiche Spiel: Weiche stellen, Leute raus, Tram zum Bahnhof. Da jagte es mir den Nuggi raus, was mir nur in äussersten Grenzsituationen passiert, bin ich doch ein derart lammfrommes Gemüt, dass ich mich manchmal ab mir selbst wundern muss. Ich schritt erzürnt von dannen und entschied, mich vom Bus Numero X zum Eigerplatz chauffieren zu lassen.

Bei der Loeb-Haltestelle standen zwei Bernmobilmitarbeiter, denen ich mein Leid zu klagen begann: Ich hätte am Hirschengraben aufs Drüü gewartet, aber die seien alle falsch abgezwogen und ob sie mir sagen könnten warum, und dass man keine Informationen erhalte sei doch eigentlich nicht so nett und überhaupt was denn los sei! „Ja, da hättet dr eifach no chli müesse warte, itz chöme de grad Ersatzbösse!“ Mercischön, das hätte einem auch früher gesagt werden können. „Was los isch wüsse mr o nid, d Polizei het d Bäupstraass gsperrt.“ Gratuliere. Belpstrasse gesperrt, dabei weiss ich doch nicht mal, wo die ist!

Der Bus kam, ich stieg ein.

Wo die Belpstrasse liegt, erkannte ich spätestens, als ich beim Eigerplatz ausstieg. Es wimmelte von Polizisten in blauen Uniformen oder orangenen Übergewändern, und ich entschied, mich nach der Ursache des Trubels zu erkundigen. Auf meine Frage „Was isch de passiert?“ wusste einer dieser unmotiviert in der Gegend stehenden Ordnungshüter bloss zu sagen: „Das wüsse mr o no nid.“ Zugegeben: Da habe ich wohl ein bisschen dumm aus der Wäsche geguckt. Ein „Das darfi nech nid säge“ hätte ich ja noch halbwegs verstanden, aber dass die Polizei Strassen absperrt, ohne zu wissen, weshalb, das war mir neu.

Nach einigen Sekunden hatte ich meine Verwunderung überwunden und frug: „Jää … de schperret dir eifach Strasse ab, ohni z’wüsse, werum?“„Ja!“ kam zur Antwort.

Ich verkniff mir die Frage, wie oft die Polizei derart kopflos agiere und hielt es für besser, mich zu verziehen. Wer weiss, plötzlich kommt er auf die Idee, mich zu verhaften – ohne zu wissen, weshalb!

Sollte einer meiner geschätzten Leser, oder sogar eine meiner geschätzten Leserinnen, wissen, was wann wo warum geschehen ist, so möge er oder sie doch einen Kommentar hinterlassen! Mich wundert nämlich!