Liebe Migros-Bank!

Liebe Migros-Bank

Wir müssen ein ernstes Wörtchen miteinander reden. Was ich heute gelesen habe, schlägt dem Fass den Boden aus. Jedenfalls meinem persönlichen Orthografie- und Grammatikfass.

Eine gut unterrichtete, hier aber anonym bleibende Quelle hat mir folgendes Bildmaterial zukommen lassen:

Der wohl idealste Artikel des Tages.

Wer nicht auf den ersten Blick am liebsten lauthals losschreien möchte, der möge sich eine andere Website als die Meine zum Gemüte führen. Wem es aber, wie mir, sämtliche Zehennägel durch die stahlkappenbewehrten Sicherheitsschuhe nach oben klappt, wenn er des Wortes „optimaler“ ansichtig wird, der kann mir wohl nachfühlen, dass ich ob derlei – nun – Geschreibsel nicht nur ungläubig den Kopf schütteln kann, sondern mich mit Leib und Seele in bluthöchstdruckige Rage hineinsteigere.

Dabei müsste ich es ja eigentlich besser wissen: Immerhin hat die Migros in der Vergangenheit mehr als einmal bewiesen, dass sie das mit der Sprache nicht allzu genau nimmt, sei es nun auf Deutsch, auf Französisch oder auf Englisch.

Aber beim „optimaler“ fängt es ja erst an! Da nennen sie sich selber „Migros Bank“. Migros Bank, mit Deppen Leer Zeichen! Ich glaub’s nicht! Handelt der Artikel etwa von der Migrosfiliale in der Gemeinde Bank oder was? Allerdings würde es mich sehr wundern, wenn die Migros, die ja kaum in Frankreich oder Deutschland Fuss zu fassen vermag, ebendies in Ungarn täte.

Weiter geht es mit der „Persönlichen Anlageberatung“, die konsequent gross geschrieben wird. Und dabei meine ich nicht die Anlageberatung, bei der die Grossschreibung aufgrund der Tatsache, dass es sich dabei um ein Substantiv handelt, vollkommen korrekt ist. Nein, beim Adjektiv persönlich stört mich die offenkundig falsche Grossschreibung. Man komme mir jetzt nicht mit „Ehjagäu, das isch haut d Bezeichnig vo däm ganz spezielle Produkt, wo d Migros-Bank da abietet. Das isch e Eigename!“ FÜDLEMÖÖGGE EIGENAME sage ich da, und NÜT ISCH! Das ist falsch und basta.

Man kann von Glück sagen, dass mir der Artikel nicht vollständig vorliegt. Wer weiss, welche sprachlichen Abgründe sich mir sonst noch offenbart hätten, die mich zu weiteren Adrenalinschüben, Haarraufereien und Verzweiflungsschluchzern getrieben hätten. Magengeschwür ahoi, sage ich da nur!

Liebe Migros-Bank. Bitte, bitte erbarmt euch meiner und verabschiedet euch wenigstens vom unbestreitbar falschen „optimaler“. Etwas Optimales kann man schlicht nicht steigern. Genauso wenig übrigens wie etwas Ideales, wenn wir schon beim Thema sind. Schreibt euch das hinter die Ohren.

Und damit … gute Nacht.

Glas im Pneu tut Velo weh

Nun weiss ich’s. Folgenden Grund gibt’s für meines Fahrrades Pladi:

Nein, nicht die Hand! Das Dings darauf!

Ein Splitter der Grösse eines mittleren Eisbergs sorgte für die unsachgemässe Entlüftung des Hinterreifens.

Nun ist die Leckage gedichtet und mein Untersatz wieder fahrbar. 💪🏻

Velodieb? NEIN!

„Velodieb!“ sagte sie, als ich mit gebuckeltem Fahrrad an ihr vorbeizottelte. Reinen Gewissens konnte ich aber mit deutungsvoller Geste in Richtung Hinterrad entgegnen: „Nüt! Pladi!“

Ihr Ausspruch war offenkundig im Scherz getätigt worden, weswegen ich ihr trotz meiner misslichen Situation, die mich gar zum Erwerb eines Trambillets für mein Velociped nötigte, nicht böse bin.

Aber wie kömmt es? Wie in Dreiteufelsnamen kann es sein, dass ich mit dem Velo und luftpraller Bereifung zur Probe in die Kaserne fahre, das Velo innen parkiere und nach der Probe derart böse überrascht werde? Ich kann es mir nicht erklären. Nur eines weiss ich nun sicher: morgen wird gefahrradflickt. Wieder einmal.

Gute Nacht.

DRS2 ist dem Genitiv sein Tod

Ich habe mir ein Käfeli gemacht und dazu die Nachrichten auf DRS2 gehört, wie ich das hin und wieder zu tun pflege. Da hörte ich einen Satz, der mich nicht wegen seines Inhaltes, sondern vielmehr seiner Grammatik wegen wie ein Blitz durchzuckte:

In der israelischen Stadt Tel Aviv haben tausende dem ermordeten ehemaligen Ministerpräsidenten Yitzhak Rabin gedacht.

Nachrichten auf DRS2, 3. November 2019, 9:00 Uhr

Vielleicht durchzuckt es dich beim Lesen ebenfalls. Dann gratuliere ich dir herzlich zu deinem fein ausgeprägten Sprachempfinden. Wenn dich hingegen nichts stört, kann das in meinen Augen zwei Gründen haben:

  1. Du bist schlicht und einfach ein sprachlicher Pflock. In dem Fall darfst du diese Website nun schliessen.
  2. Du bist besser gebildet als ich und wusstet bereits, dass gedenken insbesondere in der Schweiz auch mit dem Dativ verwendet werden darf.

Ich war mir dieser Regel nicht bewusst und fühlte meinen Puls aufgrund der vermeintlichen sprachlichen Todsünde bereits wieder in astronomische Höhen schnellen. „Hueresiech, itz chöi si nidmau me im Radio richtig Dütsch!“ Solcherart Gedanken begannen in meinem Kopf zu kreisen. Ein rascher Blick in den Duden (Das Buch! 23. Auflage aus dem Jahre 2004) bestätigte mir meine Meinung:

ge|dẹn|ken; mit Gen.: gedenket unser!

Flugs startete ich also meinen Computer und öffnete das Kontaktformular auf der DRS-Website. In den freundlichsten Worten formulierte ich mein Anliegen, nicht aber ohne zuvor noch auf der Duden-Website den Wahrheitsgehalt meiner Annahme zu prüfen. Und siehe, ebenda wurde ich eines Besseren belehrt: „Gedenken“ kann im schweizerischen tatsächlich auch mit Dativ verwendet werden! Also musste ich meinen Essay noch ein wenig umschreiben und gelangte schlussamend zu folgendem Textchen, das ich in freudiger Hoffnung auf den Weg in die DRS-Redaktion (so hoffe ich zumindest) sandte:

Guten Morgen

In den Nachrichten auf Radio SRF 2 um 9 Uhr habe ich folgenden Satz gehört:
„In der israelischen Stadt Tel Aviv haben tausende dem ermordeten ehemaligen Ministerpräsidenten Yitzhak Rabin gedacht.“

Obwohl laut Duden das Verb „gedenken“ auch mit dem Dativ verwendet werden darf (1), möchte ich Ihnen ans Herz legen, sich für die weiteren Ausstrahlungen der Nachrichten doch des Genitivs zu bedienen: „(…) haben taudense des ermordeten ehemaligen Ministerpräsidenten Yitzhak Rabin gedacht.“

Der Genitiv ist ein so wunderbarer Fall, der es je länger desto schwieriger hat, sich in unserer Sprache zu behaupten, wie ja Bastian Sick bereits 2004 in seinem bekannten Buch „Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod“ festgestellt hat.

Ich wünsche Ihnen, dass Sie sich eines geruhsamen Sonntags erfreuen können! Freundliche Grüsse,

Manuel Friedli

Ich, am 3. November 2019 um ca. 9:30 Uhr

Wie du unschwer festgestellt haben wirst, habe ich da ganz entgegen meiner sonstigen Prinzipienreiterei von „Radio SRF 2“ und nicht von „DRS2“ gesprochen. Tja, in manchen Fällen halte sogar ich es für opportun, der Klarheit zuliebe auf altgediente Prinzipen zu verzichten. Aber auf meinem Blog hier heissen die Radiosender immer noch „DRS“, das Wankdorfstadion bleibt das Wankdorfstadion und auch die Postfinance-Arena heisst Allmendstadion.

Und wenn du zu den Aufgeweckten unter der Sonne gehörst, hast du ebenfalls bemerkt, dass mir ein derart peinlicher Fehler unterlaufen ist, dass ich mich schämen sollte, so eine Nachricht überhaupt abgeschickt zu haben. Aber die netten Leute beim Radio sollen doch auch etwas zu lachen haben. Und wenn sie meinen Vorschlag, dem gesunden Menschenverstand zum Trotz, ungesehen übernehmen, dann dürfen wir uns alle darob amüsieren, dass wir im Radio den Buchstabendreher „zu taudensen“ zu hören kriegen.

In diesem Sinne, und um den hochverehrten Martin Ebel zu zitieren:

Sprache ist unser Schatz, hüten und pflegen wir sie.

Martin Ebel, jedes Mal nach Ebels Sprechstunde

Bitte wählen

Bereits sind wieder vier Jahre um, wie doch die Zeit vergeht! National- und Ständeratswahlen stehen an, und wenn ich meinen Blog schon monatelang ruhen lasse, und dabei sogar die Gelegenheit ungenutzt verstreichen lasse, für das sowohl grosse als auch grossartige 30-Jahre-RBB-Jubiläumskonzert im Berner Münster unter dem Titel „Brass im Münster“, das letzten Samstag, den 12. Oktober, über die Bühne ging und – so wage ich zu behaupten – ein voller Erfolg war, dann kann ich ihn, meinen Blog, wenigstens mit den wichtigsten Wahlen, die uns Schweizern alle vier Jahre bevorstehen, reanimieren.

Schau, wie schön mein ausgefülltes Couvert auf dem Tische sich präsentieren tut:

Brandfrisch ausgefüllt, zugeklebt und abgelichtet.

Schade nur, kann man nicht das Innere erspähen, schliesslich ist meine Wahlliste derart exzellent ausgefüllt, dass sich abschreiben für jedermann und -frau lohnt! Und genau deswegen entschliesse ich mich nun dazu, meine Wahlliste hier und jetzt zu veröffentlichen. Damit sich alle ein Beispiel nehmen und von mir abschreiben können. Ich habe den Deluxe-Smartvote-Fragebogen mit 75 Fragen ausgefüllt. Für den Ständerat ist die Wahlempfehlung wenig überraschend (Rytz/Stöckli). Für den Nationalrat habe ich von den Resultaten die 12 am besten übereinstimmenden Kandidaten und Kandidatinnen jeweils einmal auf meiner Liste notiert. Die 12 restlichen Listenplätze gehen dabei an die Liste 14 (Grüne – Junge Alternative JA!), mit welcher ich die grösste Listen-Übereinstimmung erzielt habe.

Hier die Nationalratskandidaten in absteigender Reihenfolge der Übereinstimmung gemäss Smartvote:

KandidatennummerKandidatennameListe
12.08.4de Meuron AndreaGRÜNE
13.16.1Klopfstein CaroleJunge Grüne
12.16.5Müller DavidGRÜNE
12.07.6Bühler DominiqueGRÜNE
06.06.8Fisch SofiaJUSO
13.12.9Gasser SaraJunge Grüne
13.14.5Brechbühler EstherJunge Grüne
13.02.1Zeilstra AnnaJunge Grüne
14.10.9Patzen SerainaGrüne – JA!
13.21.8Reusser MarlenJunge Grüne
06.14.9Koller LevinJUSO
12.02.5Trede AlineGRÜNE

Weil das alleine aber langweilig ist, hier noch ein paar Zahlen:

  • Von den 12 Kandidaten und Kandidatinnen sind 10 Frauen und 2 Männer. Fazit: Ich stehe auf Frauen.
  • Eine Kandidatin ist älter als ich, die anderen alle Jünger. Fazit: Ich bin alt.
  • Summiert man die Altersdifferenzen zwischen den Kandidaten und mir, kommt man auf -94 Jahre. Fazit: Ich bin nicht ganz 100.
  • Der durchschnittliche Listenplatz meiner Kandidaten ist 10⅔. Fazit: Ich bin eher ein Hinterbänkler.
  • Die älteste Kandidatin hat Jahrgang 1973, die Jüngste 1997. Fazit: Ich decke den gesamten Zeitraum von der Watergate-Affäre bis zum Tod Lady Dianas ab.
  • Die durchschnittliche Übereinstimmung zwischen den Kandidaten und mir laut Smartvote beträgt 82%. Fazit: Mein Jahrgang ist omnipräsent.
  • Es gibt unter meinen Kandidaten keine(n) mit meinem Jahrgang. Fazit: Mein Jahrgang ist doch nicht omnipräsent.
  • Obwohl ich mit Liste 14 die grösste Übereinstimmung habe, gehen 5 meiner Kandidatenstimmen an die Jungen Grünen (Liste 13), lediglich 1 an die Grüne – Junge Alternative JA! (Liste 14). Fazit: Wer sich darauf einen Reim machen kann, ist gescheiter als ich.

So viel dazu. Wie sieht’s bei dir aus? Couvert schon abgeschickt?