Wenn’s ins Geschäft reinspült

Ich hasse es. Ich weiss gar nicht, ob ich mich schon mal öffentlich darüber ausgelassen habe. Wenn ja, kann eine Wiederholung nicht schaden. Wenn nein, ist es höchste Zeit dafür.

Obwohl dieser Beitrag selbstverständlich von Personen jeglichen existierenden Geschlechts konsumiert werden kann und soll, wird sich doch wohl eher der testosteronproduzierende Anteil meiner geschätzten Leserschaft mit dem Thema identifizieren können. Zumindest gehe ich davon aus, wenngleich jemanden vorschnell zu klassi-, quali- oder disqualifizieren mir fern liegt.

Es geht heute also um eine extrem männliche Angelegenheit, nämlich um das Pissoir. Des Öfteren, um nicht zu sagen: beinahe jedes Mal, wenn ich mich urinal am Urinal entleere, bin ich noch munter am plätschern, wenn dass Pissbecken – und in diesem Zusammenhang sei mir dieser rüde Ausdruck ausnahmsweise einmal erlaubt – ebenfalls schon zu plätschern, sprich: spülen beginnt. Dabei ist meine Blase noch gar nicht leer!

Was kann ich denn dafür, dass ich nicht bereits nach 3 Sekunden abschüttle? Ab und zu dauert’s halt ein wenig länger, vornehmlich auch nach ausgiebigem Flüssigkeitsgenuss.

Ob sich für die Entleerzeit der Blase eine allgemeingültige Formel entwickeln lässt? Mir schwebt in etwa folgendes vor:

tLeerung = VBlase ÷ (π × rHarnröhre2) × γProstata

Die weltberühmte Blasenformel nach Manuel L. Friedli, MMXVIII

Dabei gilt:

  • tLeerung: Zeit für die Entleerung der Blase in Sekunden [s]
  • VBlase: Volumen der Blase in Kubikmetern [m3]
  • rHarnröhre: Radius der Harnröhre in Metern [m]
  • γProstata: Der Prostata-Faktor in einer Einheit, welche die Gleichung aufgehen lässt, also Sekunden pro Meter [s÷m]

Die Formel offenbart: Je grösser die Blase, je kleiner der Harnröhrendurchmesser, je grösser der Prostatafaktor, desto länger die Entleerzeit. Machen wir doch zu Illustrationszwecken ein einfaches Beispiel:

Karis Blase fasst einen halben Liter. Seine Harnröhre hat einen Durchmesser von 4 Millimetern. Weil Kari noch jung ist, beträgt sein Prostatafaktor lediglich 1 Sekunde pro Meter. Rechne!

„‚Rechne‘? Okay … 1 + 1 = 2. Fertig.“

tLeerung = 0.5lt ÷ (π × (4mm ÷ 2)2) × 1s÷m
= 0.5 × (0.1m)3 ÷ (π × (0.002m)2) × 1s÷m
= 0.5 × 0.001m3 ÷ (π × 0.000004m2) × 1s÷m
= 0.5 × 0.001 ÷ (π × 0.000004) × m3 × s ÷ (m2 × m)
= 125 ÷ π s
≅ 40 Sekunden

Schon der arme kleine Kari braucht also 40 Sekunden, um seine volle Blase zu leeren. Man stelle sich vor, wie es mir erst ergeht: In meinem Alter ist locker mit einem Prostatafaktor von 10 bis 20 zu rechnen. Ich stehe also gut und gerne schon mal gegen eine Viertelstunde vor dem Becken und tröpfele vor mich hin.

Da wird es doch wohl nicht zu viel verlangt sein, dass sich die Spülung geduldet, bis ich fertig geschäftet habe. Aber nein, immer wieder beginnt es zu rauschen, während ich noch verzweifelt am Tore schiessen bin. Wie soll man sich da konzentrieren? Noch schlimmer: Wie soll da die Entspannung aufkommen, die man sich vom Wasserlassen erwünschen darf? Richtig: Gar nicht! Und genau das ist das Problem. Dann rege ich mich nämlich jedes Mal saumässig auf, und das einzige, das sich darüber freut, ist mein Magengeschwür! Das kann’s doch nicht sein!

Wie funktioniert überhaupt so eine Pissoirspülung? Wie merkt die, dass ich fertig bin? Pardon, ich korrigiere mich: Anhand welcher Faktoren ist sie mit absoluter Zuverlässigkeit nicht in der Lage, das Ende meines Uriniervorgangs zu eruieren? Das nähme mich mal wunder! Wer’s weiss, schreib’s in einen Kommentar! Danke!

Streckenunterbr—

Heute Morgen im Nünitram: Es knackt im Lautsprecher und eine verrauschte Frauenstimme meldet sich:

„Liebe Fahrgäste. Auf der Linie Neun ist aufgrund einer Fahrzeugpanne die St-„

Mir scheint, als ob heute Morgen auch der Lautsp- unterbrochen sei. Henu, nehmen wir halt den Fuss und kommunizieren mit dem Mund. Bis man mir die unterbricht, bleiben mir hoffentlich noch ein paar Jahrzehnte.

Der weisse Mantel kalter Schönheit

Endlich hat sich eine samtene Schicht knirschenden Weisses über das Antlitz der Erde gebettet! Wenngleich nur mager – schwindsüchtig, gar – so ist sie doch als Vorbote kalter und damit endlich winterlicher Tage anzusehen. „I like“, wie der moderne Facebooker wohl sagen würde! Persönlich kann ich ja nicht mehr überprüfen, ob diese Redewendung immer noch en vogue ist, und so sage ich halt: „E gueti Sach!“

Lange genug waren wir nun von grauem Gewölk behangen, von klammem Regen benässt und von braunem Schlick untergeben. Höchste Zeit also für knackig-kalte Wintertage mit Sonnenschein und Schnee! E gueti Sach!

Blöd nur, wenn bereits wieder die Nase trieft und der Hals heisert. Aber diese Wehwehchen kann man angesichts des frischen Schnees getrost wegstecken.

Wie genau blinkt so ein Tannenbaum?

Begonnen hat es ganz einfach damit, dass ich des Nächtens unter sternenklarem Firmament meinen Blick gen oben wandte, um die Flugbahn eines Aeroplans zu verfolgen, welches in diesem Moment relativ niedrig über mein Haupt hinwegdonnerte. Wie es da so majestätisch seine Bahn durch die endlosen Weiten zwischen den Sternen zog und mit hoher Geschwindigkeit dem Horizonte zuschoss, schoss noch etwas ganz Anderes, und zwar ein Gedanke mir durch den Kopf. „Wieso blinken die Lichter am Flugi eigentlich nicht synchron?“ frug ich mich, denn das Lämpelein am Bauch des Fliegers blinkte andersschnell – man könnte sagen: frequenzdifferent – als die Leuchten an den Flügelenden.

Ich konnte mir keine Erklärung zurechtfabulieren und griff deshalb auf eine der ältesten Waffen im Arsenal der Menschheit zurück, wenn es darum geht, Widrigkeiten jedwelcher Form – und hier war die Form eindeutig: Unwissen – zu trotzen: den Herdentrieb, oder anders ausgedrückt: das Rudel, mit anderen Worten: ich griff, mangels Telefonverbindung, zum E-Mail-Joker und bemühte mit folgendem Wortlaut zwei mir wohlbekannte Freunde, denen die Fortbewegung in luftiger Höhe keineswegs fremd ist. Und also schrieb ich:

An: A. R., M. S.

Betreff: Flugiblinklichter

Hallo Piloten

Ihr seid beide flieger, einer beruflich gar, deswegen erhoffe ich mir zumindest eine erhellende antwort auf meine frage: beim flugi gibt es diese blinklichter: eines linksaussen, eines rechtsaussen und eines in der mitte unten. Die blinken aber extrem asynchron. Warum? Wieso nicht gleichzeitig? Was ist die zugrundeliegende frequenz jedes einzelnen?

In der hoffnung auf eine erhellende antwort verbleibe ich mit hochachtungsvollem grusse,

Mänu.

Der stilistischen Unschönheit der Doppelverwendung der Formulierung „erhellende Antwort“ wurde ich erst jetzt, beim Wiederdurchlesen, ansichtig. Aber geschrieben ist geschrieben, und so wartete ich einige Tage und war bereits drauf und dran, alle Hoffnung auf die ersehnte erhellende Antwort fahren zu lassen, als plötzlich Post meinen Eingang bevölkerte. Siehe:

Von: A. R.

Betreff: Re: Flugiblinklichter

Grüezi Herr Friedli
Also ich meinte natürlich grüessech, pardon. Entschuldigen Sie erst mal die späte Antwort, aber ich war gerade in einer Ferie und nicht so im Mailmodus. Aber hier die Antworten auf ihre Vielzahl von Fragen:

Was dann folgte, war ein derartiger Schwall von Antworten, der mich sogar den inkorrekten Gebrauch des Pluraletantums „Ferien“ – ein, wie ich finde, höchst amüsanter sprachlicher Schachzug – vergessen liess.

Dass ein Flugzeug bestückt sei „wie ein mittelständischer, US-amerikanischer Vorstadtweihnachtsbaum“, lernte ich beispielsweise. Dass es Positionslichter (englisch: navigation lights), Antikollisionslicht (beacon), weisse Blinklichter (strobe lights) sowie allerhand weitere Lichter, „z.B. Landescheinwerfer, Rollscheinwerfer, Scheinwerfer welche die Flügelkante und die Triebwerke beleuchten, usw.“ gebe, wurde mir ausgeführt. Dies also zur grundsätzlichen Lichtertheorie.

Auf meine spezifische Frage hatte ich bis dahin aber noch keine Antwort erhalten.

Die navigation lights befänden sich an den Flügelenden und leuchteten statisch grün (rechts) und rot (links). Daraus folgerte ich, dass diese nichts mit Geblinke am Hut haben und mich nicht zu interessieren brauchen. Trotzdem erfuhr ich Spannendes, nämlich, dass auch im Himmel Rechtsvortritt gilt: Sieht der Pilot grün (also den rechten Flügel eines anderen Flugzeugs, das sich demnach folgerichtig von Links nähert), hat er Vortritt. Sieht aber der Pilot rot (also den linken Flügel eines anderen Flugzeugs), hat er auszuweichen. Logisch: warten geht ja schlecht, fliegen im Schritttempo auch.

Von den beacons gebe es je eines oben und eines unten am Rumpf, beide in Rot und beide blinkend. Was ich also vom Boden aus gesehen hatte, war das Bauch-Beacon! Dass das Beacon ebenfalls dazu dient, der Bodenmannschaft Gefahr zu signalisieren und man es deswegen bereits am Boden einschaltet, sobald man die Freigabe hat, die Triebwerke zu starten, und es erst ausschaltet, wenn die Parkbremse gesetzt und die Triebwerke abgestellt sind, war zwar nicht Gegenstand meiner Frage gewesen, dafür aber Inhalt der Antwort. Interessant!

Auch die strobe lights gehören zu jenen Lichtern, um die sich meine Frage dreht, denn dies sind die Blinklichter an den Flügelenden und – so wurde ich aufgeklärt – meistens auch am Schwanz. Offenbar dienen diese vor Allem der Sichtbarkeit gegenüber anderen Luftfahrzeugen.

So, und jetzt kam die Erklärung langsam zum Kern der Sache:

Die Strobe lights an den Flügelenden scheinen untereinander synchronisiert zu sein. Dass die Strobes synchronisiert sind ergibt sicher Sinn. Sieht jemand die beiden Blitzlichter synchron blinken, weiss er dass es sich um nur ein Flugzeug handelt. Wären es zwei Lichtquellen mit unterschiedlicher Frequenz und/oder Phase, handelt es sich wohl um zwei Luftfahrzeuge, welche praktisch an der gleichen Position am Himmel sichtbar sind.

Ja, das leuchtet allerdings ein. An der präzisen Formulierung „(…) mit unterschiedlicher Frequenz und/oder Phase (…)“ lässt sich übrigens unschwer der Physikdoktor im Piloten erkennen.

Und nun, das Blinklicht am Bauch, das beacon? Wie sieht’s denn mit dem aus?

Das Beacon wiederum ist aber nicht mit den Strobes synchronisiert. Warum? Keine Ahnung, ist wohl eine Frage der technischen Implementation.

Och. Schade. Keine Antwort auf meine Frage.

Bezüglich der Frequenz gibt es wahrscheinlich Vorgaben von der ICAO. Diese definiert z.B. auch, in welchem gelb die Rollbahnmarkierungen auszumalen sind usw.

Aber immerhin ein weiterer Hinweis: Da scheint eine geheime Organisation namens ICAO  zu existieren, deren Mitglieder sich mit Blinklichtern und Rollbahnmarkierungen die Zeit vertreiben! Was mag sich wohl hinter der kryptischen und geheimnisvoll anmutenden Abkürzung verstecken? Etwa die Internationale Compagnie Aeronautischer Operateure? Oder gar die Intrinsisch-Chaotische Alkoholiker-Organisation? Ich wusste mir keinen Rat und bemühte – diesmal nicht wieder den Freundeskreis, sondern – Wikipedia. Die war mir aber leider keine Hilfe, wusste sie unter dem Stichwort ICAO doch bloss von der International Civil Aviation Organization zu berichten. Aber ich hätte es wissen müssen: eine arkane Gesellschaft wie diese ominöse ICAO wird sich schliesslich hüten, ihr Portrait auf der Wikipedia zu veröffentlichen.

So steht zu befürchten, dass meine Frage nach Frequenz und Synchronizität periodisch blinkender Leuchtquellen an Flugkörpern für immer unbeantwortet bleiben wird. Dem A. R. sei nichtsdestotrotz ein Trullalla, denn das Verfassen seiner umfassenden Replik fasse ich als unfassbaren Effort auf. Und ich wünsche ihm für die nahe Zukunft eine erholsame Weihnachtsferie.

Gute Nacht.