Die staatsbürgerliche Pflicht

Meine staatsbürgerliche Pflicht ist mir in Form einer Verfügung ins Haus geflattert. Das macht schon Eindruck,  wenn auf diesem offiziell wirkenden Blatt Papier so Sachen geschrieben stehen, wie zum Beispiel: «Es gehört deshalb zu den staatsbürgerlichen Pflichten, dass die Stimmberechtigten […] eingesetzt werden können.», oder: «Der Gemeinderat der Stadt Bern hat Sie […] gewählt.» Potzblitz! Da haben die also am runden Tisch diskutiert, und schliesslich hat der Alex persönlich gesagt, «So, mir wähle jitz, i Stimme für e Mänu Friedli, wär isch derfür?», und am Ende waren alle dafür, und deshalb bin ich nun gewählt? Ich fühle mich gebauchpinselt!

Sogar ein Ernennungsschreiben habe ich als Beilage erhalten, und ein Auszug aus den kantonalen und städtischen Vorschriften.

Aber wofür wurde ich den gewählt, zu was ernannt? Ich will es dir verraten: Ich wurde auserkoren, an den kommenden National- und Ständeratswahlen an Samstag und Sonntag an der Urne zu sitzen und aufzupassen. Dies also ist meine staatsbürgerliche Pflicht, und ich würde die ja sehr gerne wahrnehmen, nur leider passt sie mir so ganz und gar nicht in meinen Terminkalender. So muss ich jetzt wohl oder übel ein Dispensationsgesuch schreiben, und hoffen, dass eine Probe mit der RBB am Sonntag Morgen als zwingender Grund für Absenz akzeptiert werden wird.

Die neue Passerelle

Die Bollwerksüberführung ist fertig (und weil Passerelle passabler tönt, schreibe ich’s so im Titel). Mir wird so etwas wieder nicht gesagt, und wenn ich’s nicht selber herausgefunden hätte, vor einigen Tagen, dann dächte ich wohl immer noch, die seien dort am schrüblen und pützerlen.

Sind sie aber nicht mehr. Und so straht denn das Bauwerk aus kühlem Beton in frischem Glanz. Schöner als die alte Bollwerküberführung ist die neue allemal, wenngleich ich den betonenen Rettungsring schon vermisse. Oder sagt man betonen? Jedenfalls den aus Beton.

Den Aufzug haben sie noch nicht in Betrieb genommen. Ich frage mich aber sowieso, wie der funktionierten soll: Oben fehlen die obligaten Drahtseile, und diese Hydraulikpumpe untendran macht eher den Eindruck einer Notbremse, als den eines ausgewachsenen Antriebes. Wie dem auch sei, ich sollte mich sowieso darauf einstellen, die Treppe zu benutzen. So tue der Umwelt und vorallem mir einen gefallen, denn Treppensteigen ist gesund und sportlich, hält jung und strahlt ein positives Lebensgefühl aus.

Du merkst, ich versuche krampfhaft, mich selbst davon zu überzeugen.

Ach ja… wie lange es wohl dauert, bis die erste der vielen Glasscheiben einem Vandalen zum Opfer fällt? Ich tippe auf knappe zwei Wochen. Hält jemand dagegen?