Krawall im Botschaftsviertel!

Einen Vorteil hat’s ja, in einem Botschaftenviertel zu leben: es läuft immer irgendwas!

Heute war zuerst mal KMB-Probe. Ausserhalb des musikalischen Alltags läuft da jeweils nicht viel. Auch zum obligaten Egghölzlibesuch danach gibt’s nichts zu erzählen, und das Punto war, wie’s nun mal ist, nämlich gemütlich. Aber dann! Dann ging’s ab, das sage ich dir. Lass mich erzählen, lass dich fesseln, lass dir gesagt sein. Folgendermassen:

Corni und ich schritten aus dem Punto ins Freie, an den tröpfelnden Regen. Neben dem steten Trommeln der Tropfen liess sich unvermeidlich Gesang vernehmen. Wer aber singt zu so später Nachtstunde, immerhin war’s bestimmt schon nach halb Zwölf? Und noch dazu in einem so ruhigen Quartier wie der Brunnadere? Vor der dänischen Botschaft gewahrten wir die Urheber der Melodie: eine Gruppe junger Leute, die sich versammelt hatten, wir wussten nicht, zu welchem Zweck. Drum herum standen einige wenige Polizisten. Was hatte das zu bedeuten? Nun, ohne einmal gründlich nachzufragen hätten wir es wohl nie erfahren, also überquerten wir die Strasse und erkundigten uns bei einem der Sänger, wofür, oder wogegen, hier gesungen werde. Er erklärte uns, sie seien die „proletarischen Sänger“ (exgüseh, ich kann mich nicht mehr an den genauen Namen erinnern, aber so etwas in der Art war es), und sie sängen wegen der Räumung des besetzten Hauses in Dänemark, wo gestern an die 100 Autonome verhaftet worden seien, man las davon in der Zeitung. Eine gute Sache, fanden wir. Friedliche Demonstration politischen Willens befürworten wir allemal, und so liehen wir der Gruppe unsere Stimmen, wenngleich wir weder Text noch Notenschrift des und dargebotenen Gesangbuches erkennen konnten. Wir brummelten trotzdem etwas.

Da plötzlich ging’s Schlag auf Schlag: Aus den einigen wenigen Polizisten wurde ein ganzes Chaussignon voll, wir zählten mindestens 15 weiss-behelmte Antiterrorspezialisten (so sahen sie zumindest aus) mit Gummigeschossgewehr im Anschlag und Abwehrschild am Arm, die uns plötzlich umringten, währenddem wir doch bloss friedlich am Singen waren. Eine Polizistin unter weissem Helm flüsterte uns zu, wir sollten uns nun umgehend von der Szene trennen, ansonsten wir genau wie die anderen Demonstranten behandelt werden würden. Bei näherem Hinschauen konnten wir uns davon überzeugen, dass es für uns tatsächlich gesünder wäre, uns aus dem Staub zu machen: einer der Sänger rieb sich bereits die pfefferspraytränenden Augen, ein Anderer musste einen wohl etwas überforderten Polizeigrenadier bitten, das Gummigeschossgewehr doch bitte weder direkt in sein Gesicht noch auf seine Geschlechtsteile zu richten, und auch sonst lag eine latente Aggressivität in der Luft, die mir nicht mehr behagte. Als es dann plötzlich auch noch tätschte, und ich weiss nicht, ob der Knall von einem polizeilichen Gummigeschoss oder von einer demonstrierenden Rauchpetarde stammte, da wurde es mir zuviel und ich plädierte für den Rückzug aus dem Krisenherd. Corni erbarmte sich meiner, und so verfolgten wir die Szenerie schliesslich aus sicherer Entfernung. Auf Demonstrantenseite wurden Parolen geschrieen, mit denen ich mich auch nicht mehr identifizieren konnte (Anarchie? Nein danke, trotz allem), auf Polizistenseite wurde relativ grob dreingefahren, und alles in Allem war ich doch froh, das Ganze aus einigermassen sicherem Abstand verfolgen zu können.

Und nun? Ich kann noch gar kein wirkliches Fazit ziehen. Was mich beeindruckt, und teilweise auch geschockt hat, ist die Härte und der meiner Meinung nach unverhältnismässige Einsatz der Polizei. Hätten die die Kundgeber einfach singen lassen, so wäre wohl kaum etwas passiert. Andererseits ist’s Aufgabe der Polizei, für die Sicherheit der Botschaften zu sorgen, also ist unter diesem Gesichtspunkt ihr Verhalten wohl zumindest teilweise zu verstehen. Ach, es ist nicht einfach. Ich muss wohl mal eine Nacht darüber schlafen. Schon alleine deswegen, weil ich morgen wieder früh aus den Federn muss.

Du siehst, dieser Beitrag ist nicht einer von den vielen Plapperplapperbeiträgen. Der beschäftigt mich. Naja, soll vorkommen, ab und zu…

10 Gedanken zu „Krawall im Botschaftsviertel!

  1. genau, das mitdem knall isch en jungi polizistin gsi wa di ganz situation uberfordret het. mindestbastand wäri 20 meter ver gummischrott aber schi het us 1 od. 1.5 meter oder weniger uf eus gschosse , und das isch läbensgfährlich, da chasch jemand töte…

    thx for solidarity boys&girls

  2. so geits leidr oft zue u här, nid säute si das üsi fründä u häufer wo gwaut a demos schüürä, i letschter ziit widr fiu heftiger. äs geit vorauem drum diä bewegig z’kriminalisiärä, u ä legitimation für iri wahnwitzigä ufgebot z’ha.
    Guet hesch ds mau us erschter hang chönnä erläbä, u schön gitsdr z’dänkä, das blibt dä meischtä füdläbürger vrwährt!!

    solidarischi grüäss

  3. Zuerst schreibst du:“teilweise auch geschockt hat, ist die Härte und der meiner Meinung nach unverhältnismässige Einsatz der Polizei.“ anschliessend folgt dann:“ Andererseits ist’s Aufgabe der Polizei, für die Sicherheit der Botschaften zu sorgen, also ist unter diesem Gesichtspunkt ihr Verhalten wohl zumindest teilweise zu verstehen.“

    So, jetzt musst du mir ganz genau erklären wieso dich zuerst die Härte der Bullen und deren unverhältnismässiger Einsatz schockiert, anschliessend du deren Vorgehensweise aber wieder teilweise verstehen kannst!

    Solche Reaktionen und Aussagen wie die deinigen sind typisch für 99% der Bevölkerung! Da geraten sie mal ganz dummerweise in eine linke Aktion rein und werden dann meist auch prompt durch das Vorgehen der Bullen geschockt. Dann merken sie dass dieses Verhalten der Bullen ja gar nicht in ihr Weltbild gehört und schon gar nicht in ihren sauberen Staat und beginnen die Handlung der Bullen irgendwie zu rechtfertigen.

    Lieber Tagebuchschreiber, das unverhältnismässige (und zwar auch aus öffentlichrechtlicher Sicht unverhältnismässige) und zum Teil auch nach bürgerlichem Recht illegale Verhalten der Bullen ist nicht mit deren Aufgabe zu legitimieren und macht auch deren Verhalten nicht einmal teilweise verstehbar!

    Also, wenn du schon in deinen Blogs politisch wirst, dann bitte ein bisschen differenzierter! Wobei halt, du bist ja ein Füdlibürger, der nicht über das vorgegaukelte tolle Weltbild des Kapitalismus hinausschauen kann.

    Gute Besserung!

  4. Kann ich das auch?
    Ich gehe in ein fremdes Haus. Bereite mich dort aus und wohne einfach mal. Natürlich gratis, ohne Absprache mit irgendwem.
    Der Besitzer oder die Bseitzerin möchten mich (verständlicherweise) raushaben. Da ich aber nicht gehe, muss mich die Polizei raustragen.
    Darauf gibts aber Krawall. Das lasse ich mir nicht bieten! Barrikaden! Autos abbrennen! Die Stadt muss in Aufruhr gebracht werden!
    Und nun solidarisieren sich Leute aus ganz Europa mit mir. Helft mit die Städte niederzubrennen! Tod den … wem nun?

    Wieso kommen Taschendiebe vor Gericht, Leute die ein Haus ’stehlen‘ wollen aber das Recht auf ihrer Seite haben? Wieso meinen Einige, der Staat habe ihnen ein Haus zur Verfügung zu stellen, mir und meiner Familie gibt aber niemand eines?

  5. An Informant:
    Du bist ja wohl der grösste Dummschwätzer, denn ich seit langem ertagen musste. Anscheinend zitierst du ja gerne, dann tue ich das jetzt auch einmal:
    „Also, wenn du schon in deinen Blogs politisch wirst, dann bitte ein bisschen differenzierter! “
    Aso, der Tagebuchschreiber soll also etwas „differenzierter“ schreiben. Etwa wie du, der ihn einfach so mal nebenbei als „Füdlibürger“ betitelst und offenbar auch sonst nicht wirklich in der Lage bist objektiv zu bleiben. Etwas von anderen zu verlangen, wozu du selbst geradezu bedauernswert unfähig bist, erfordert in meinen Augen nur Dummheit und Ignoranz.

  6. Super, Friedli! Endlich läuft mal was in diesem Blog. Ich erhoffe mir noch weitere solche Beiträge von dir 🙂

    Soviel Spass hatte ich nicht mehr, seit ich damals im KMB-Forum geschrieben habe, ich möge keine „Guggemusigen“ 🙂

  7. Hej friedli! da ist dir ja wieder mal ein blogschnappschuss gelungen! Köstlich, wie sich da gewisse leute aufregen! das sind dann jeweils diejenigen, die 20 jahre später in hemd&krawatte in der wandelhalle des bundeshauses interviews im für sf drs geben, mit ggüppli in der hand –> sog. salon-kommunisten. Man verweise auf die Herren Joschka Fischer und Moritz Leunenberger.

  8. Tja, lieber „Anarchist“ informier dich besser bevor du jemanden als „Dieb“ beschimpfst. Auch wenn du an den ungerechten bürgerlich kapitalistischen Besitzverhältnissen nichts ändern willst (Füdlibürger!)

    Ungdomshuset
    aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie

    UngdomshusetDas Ungdomshuset (dänisch: das Jugendhaus) ist ein Gebäude im Kopenhagener Stadtteil Nørrebro. Ursprünglich war es ein Volksheim und ein Zentrum der Arbeiterbewegung. 1982 wurde es besetzt und fungierte als Jugendzentrum, als Treffpunkt der Undergroundszene und verschiedener linker Gruppen sowie als Veranstaltungsort von Konzerten und Festivals. Am 1. März 2007 wurde das Gebäude von der Polizei geräumt und sollte so schnell wie möglich abgerissen werden.[1] Nachdem bereits am 3. und 4. März vorbereitende Arbeiten durchgeführt wurden, wird das Haus seit dem Morgen des 5. März abgerissen. Die Arbeiten wurden aber zwischenzeitlich wegen Umweltschutzbedenken wieder gestoppt.[2] Der Abriss wurde nach einer kurzen Unterbrechung fortgesetzt und dauert zur Zeit noch an.

    Das Ungdomshuset ist seit 1999 Gegenstand einer Kontroverse zwischen der Stadt, den Nutzern des Hauses und der Freikirche Faderhuset (Vaterhaus), an die es verkauft wurde. Neben politischen Initiativen kam es dabei auch zu gewaltlosen und militanten Protesten (siehe dazu Demonstrationen und Krawalle).

    Inhaltsverzeichnis [Verbergen]
    1 Geschichte
    1.1 Volkshaus
    1.2 Leerstand
    1.3 Jugendhaus
    2 Brand und Abrisspläne
    3 Verkauf des Hauses
    3.1 Kündigung und Gerichtsverfahren
    4 Debatte über Fortbestehen des Hauses
    5 Demonstrationen und Ausschreitungen
    6 Quellen
    7 Weblinks

    Geschichte
    Wegen seiner Geschichte als Ort der frühen Arbeiterbewegung wurde das ehemalige Volksheim als Baudenkmal der niederen Stufe klassifiziert. Auf einer Skala von 1 (höchster Wert) bis 9 erhielt es eine 2 für historischen und eine 4 für architektonischen Wert. Da eine Reihe von Häusern in die Klassen 1, 2 und 3 eingruppiert seien, heiße dies jedoch nicht, dass das Gebäude nicht abgerissen werden könne, so die Stadtverwaltung.[3]

    Volkshaus
    Das Gebäude des Ungdomshuset wurde am 12. November 1897 als Folkets hus (Haus des Volkes) fertiggestellt. Damals diente das Haus als Rückzugsort der beginnenden Arbeiterbewegung Kopenhagens. Folkets Hus war das vierte Haus dieser Art in Kopenhagen. Viele Demonstrationen und Kundgebungen gingen vom Haus aus, zum Beispiel der „Sturm auf die Börse“ 1918, als von Anarchisten geleitete Arbeitslose die Kopenhagener Börse gewalttätig angriffen. 1910 hielt die Zweite Internationale die Internationale Sozialistische Frauenkonferenz im Haus ab, auf der der 8. März als internationaler Frauentag ausgerufen wurde. Unter anderem weilten und wirkten im Haus Lenin, Rosa Luxemburg und Clara Zetkin.

    In den 1950ern nutzten noch vornehmlich Assoziationen und Gewerkschaften der Arbeiterbewegung das Haus, auch wenn verschiedene andere Aktivitäten stattfanden, unter anderen Boxkämpfe und Tanzveranstaltungen.

    Leerstand
    1956 baute die Arbeiterbewegung ein neues Volkshaus im Stadtteil Vesterbro (seit 1996 das Konzerthaus und Nachtclub Vega), um das abgenutzte Gebäude zu entlasten. Von 1963 bis 1978 stand es dann leer. Die Bestrebungen, einen Irma-Supermarkt zu bauen, scheiterten am historischen Wert des Gebäudes; stattdessen fiel das ebenfalls bewahrenswerte Nachbargebäude diesem Zweck zu Opfer (heutiger Aldi-Markt). Ab 1978 wurde das Haus von der Volkstanzgruppe Tingluti gekauft, nach ein paar Jahre jedoch aufgegeben und an die Stadt Kopenhagen verkauft.

    Jugendhaus
    1982 wurde das Haus durch Hausbesetzer besetzt, die ein selbstverwaltendes Jugendhaus gründen wollten. Nach Verhandlungen mit der Stadt Kopenhagen verpflichteten sie sich, eine Vereinbarung mit den Stadtbehörden zu treffen, und das Nutzungsrecht des Hauses wurde einer nicht genau abgegrenzten Gruppe, den „Benutzern des Ungdomshuset“, überlassen.[4] Die Stadt Kopenhagen blieb aber Eigentümerin des Gebäudes. Es wurde zugesichert, dass die Stadt das Gebäude nicht verkaufen würde. Eine Verwaltungsgruppe, die laut der Vereinbarung die Verbindung zu den Stadtbehörden wahrnehmen sollte, wurde vom kollektiv geleiteten Haus ausgewählt, verschwand jedoch nach wenigen Jahren wieder. Das Haus bot im Laufe der Jahre vielen unterschiedlichen Gruppen und kulturellen Aktivitäten einen Rahmen, jedoch wurde der Einfluss autonom-revolutionärer Gruppen seit Mitte der 1990er Jahren immer größer.

    1993 erhielt das Ungdomshuset eine Schankgenehmigung, andererseits klagten Nachbarn seit Jahren wegen Lärm und Vandalismus von Benutzern des Hauses.[5]

    Brand und Abrisspläne
    1996 wurde das Innere des Gebäudes durch einen Brand schwer beschädigt.[4] Zudem war das Haus von Baupilz und Röte befallen und hatte unzureichende Strom-, Heizungs- und Sanitärinstallationen. Die Stadtbehörden sahen deswegen den Abriss oder Verkauf des Hauses vor. Da sich der Beschluss verzögerte, wurde das Gebäude jedoch weiter genutzt und von den Benutzern selbst mit geringen Mittel repariert, wenn es auch nicht die hohen Forderungen der heutigen Baubestimmungen erfüllt.

    Zwei linke Fraktionen im Rathaus, (Socialistisk Folkeparti und Enhedslisten), schlugen anstelle des Verkaufs eine Anzahlung von 2 Millionen Kronen (270.000 €) vor, was für neue Toiletten und die Ausbesserung der Pilzschäden auf den Stand eines Rohbaus ausreichen sollte; den Rest würden die Aktivisten selbst mittels privater Spenden übernehmen. Die Mehrheit im Stadtrat meinte jedoch, die Instandsetzung des Hauses würde 11,5 Millionen Kronen zuzüglich Mehrwehrtsteuer kosten (€ 1,5 Millionen 25 %)[6].

    Von bürgerlichen Politikern wurde jedoch weiter betont, das Haus störe die Nachbarn, sei Ausgangspunkt krimineller Aktivitäten und ein Unruheherd im Stadtteil. Von Nachbarn wurden Unterschriften für die Räumung des Hauses eingesammelt; eine größere Anzahl von Unterschriften konnte jedoch eine Initiative zur Aufrechterhaltung des Hauses sammeln. Bald unterstützte auch die sozialdemokratische Fraktion im Rathaus den Verkauf, und der Vorschlag wurde angenommen.

    Verkauf des Hauses
    1999 wurde das Gebäude zum Verkauf ausgeschrieben. Die Aktivisten im Haus hängten ein Banner mit dem Text „Zu verkaufen einschließlich 500 autonomer, steinewerfender Gewaltpsychopathen aus der Hölle“ auf, was wohl ironisch gemeint war und eventuelle Käufer abschrecken sollte. Die Firma Human A/S kaufte das Gebäude im Dezember 2000. Human A/S war eine neugegründete, unbekannte Aktiengesellschaft, die von der Wirtschaftsanwältin Inger Loft vertreten wurde. Die konservative christliche Freikirche „Faderhuset“ (Vaterhaus) war auch unter den Bietern, wurde aber von den Stadtbehörden als unseriöser Käufer abgewiesen. Zum Kaufvertrag gehörte eine Klausel, nach der das Weiterverkaufen des Hauses innerhalb eines Jahres nur mit Zustimmung des Stadtrates stattfinden durfte. Jedoch wurden schon 2001 alle Aktien der Trägerfirma Human A/S an Faderhuset verkauft, was den faktischen Eigentümerwechsel des Hauses bedeutete.

    Kündigung und Gerichtsverfahren
    Der neue Eigentümer kündigte nun den Benutzern des Hauses, was, nach der 1997 revidierten Vereinbarung mit der Stadt Kopenhagen, mit dreimonatiger Frist möglich war. Nach Ablauf der Frist am 31.12.2001 um 12 Uhr verschafften sich 50 Angehörige der Freikirche mit der Hilfe eines Schlossers Zutritt zum Haus; sie wurden jedoch von Aktivisten gewalttätig des Hauses verwiesen. Laut Angaben der Freikirche mussten sich 35 von ihnen in einer Unfallstation behandeln lassen.

    Im August 2002 lud Faderhuset die Benutzer des Hauses vor Gericht, um ihre Eigentumsrechte bestätigen zu lassen. Die Aktivisten des Hauses behaupteten ihrerseits, das Anwendungsrecht gemäß der ursprünglichen Vereinbarung mit der Stadt Kopenhagen bestehe fort, auch wenn das Haus den Eigentümer gewechselt habe. Am 7. Januar 2004 entschied das Kopenhagener Stadtgericht, dass alle Vereinbarungen über den Gebrauch des Hauses geendet hätten. Am 28. August 2006 bestätigte das Landgericht als zweite Instanz das Urteil. Am 30. Oktober 2006 wurde eine Berufung zum Höchsten Gerichtshof abgelehnt (eine Behandlung dort findet nur unter prinzipiellen Umständen statt, wenn noch keine Präzedenzfälle vorliegen).

    Der Vollzug der Räumung war für den 14. Dezember 2006 vorgesehen. Jedoch teilte die Polizei Kopenhagen am 30. November 2006 dem Exekutionsgericht mit, sie könne bei einer Zwangsräumung an diesem Datum nicht für die Sicherheit garantieren. Die Durchführung wurde auf unbestimmte Zeit aufgeschoben.

    Debatte über Fortbestehen des Hauses
    Es gibt verschiedene Bemühungen, das Gebäude dem Faderhuset abzukaufen, um das Fortbestehen des Hauses zu ermöglichen. Dahinter stehen z. B. die Stiftung „Jagtvej 69“ und der Verein „Eltern für Ungdomshuset“. Diese Organisationen bestehen – auch nach der letzten Entwicklung – darauf, dass die Politiker an den Krawallen schuld seien[7].

    Kopenhagens Oberbürgermeisterin Ritt Bjerregaard und die Polizeidirektorin haben die Freikirche Faderhuset aufgefordert, den Verkauf des Hauses nochmals zu überdenken.

    Faderhuset hat jedoch alle Angebote abgelehnt, da sie ihr Eigentumsrecht nicht wegen Drohungen und Gewalt beeinflussen lassen wolle (siehe unten). Am 12. Dezember 2006 wurde ein Angebot einer Initiative, das Haus für etwa 2 Millionen Euro zurückzukaufen, von Faderhuset abgelehnt[4].

    Nach den Krawallen am 16. Dezember 2006 haben sich Politiker und Medien weitgehend von einem Fortbestand des Hauses distanziert.

    Demonstrationen und Ausschreitungen
    Am 22. Oktober 2006 versuchten 50 bis 60 Aktivisten, in einen Gottesdienst des Faderhuset einzudringen, was ihnen aber verweigert wurde. Zwei jungen Männern, die sich unauffällig gekleidet hatten, gelang es jedoch trotzdem, ins Kircheninnere zu kommen. Ihre Forderung, vor der Gemeinde ihre Sicht der Dinge vorzutragen, wurde abgelehnt.[8]

    Am 26. November 2006 drangen 75 bis 100 Aktivisten in einen Kindergottesdienst des Faderhuset ein und warfen u. a. mit Farbe.[8]

    Am 14. Dezember 2006, dem ursprünglich für die Räumung vorgesehenen Datum, fand auch ein Sternmarsch für die Erhaltung des Ungdomshuset mit mehreren Tausend Teilnehmern statt[9].

    Am 16. Dezember 2006 kam es im Zuge einer unangemeldeten Demonstration für das Ungdomshuset im Stadtteil Nørrebro zu schweren Krawallen mit Straßensperrungen, Bränden und zerschlagenen Bank- und Ladenfenstern. Aktivisten aus mehreren europäischen Ländern nahmen an den Krawallen teil. Vier Demonstranten und zwei Polizisten wurden verletzt. 273 Demonstranten wurden verhaftet[4], unter ihnen auch etwa 30 Deutsche.

    Am 1. März 2007 wurde das Ungdomshuset durch die Politiets Aktionsstyrke (AKS), die Antiterroreinheit der dänischen Polizei, geräumt. Bei der Räumung kamen unter anderen zwei Hubschrauber und ein Gabelstapler mit einen daran befestigten ISO-Container zum Einsatz. Als Reaktion auf die Räumung kam es zu nicht angemeldeten Demonstrationen, dem Bau und der Verteidigung von Barrikaden und gewalttätigen Angriffen auf Polizisten. Dänemark setzte das Schengen-Abkommen aus und es wurden präventive Grenzkontrollen durchgeführt. Am Abend fand eine friedliche Demonstration gegen die Räumung statt, an der sich 1000 bis 2000 Menschen beteiligten.[10] Auch in vielen anderen Städten, vor allem in Deutschland, kam es zu spontanen Solidaritätsdemonstrationen. Die größte Demonstration fand mit etwa 800 Teilnehmern in Hamburg statt.[11] In der Nacht kam es zu weiteren Straßenschlachten mit der Polizei. Es wurden in Kopenhagen in dieser Nacht ca. 200 Personen festgenommen.

    Am 2. März setzten sich die Ausschreitungen des Vortags fort. Eine Gruppe von Aktivisten besetzte die Parteizentrale der dänischen Sozialdemokraten, um auf die politische Verantwortung der Partei hinzuweisen.[12] In der Nacht kam es wieder zu ausgedehnten Straßenschlachten.

    Am 3. März verschärfte die Polizei ihren Kurs und drang im Verlauf des Morgens in verschiedene soziale Projekte in Kopenhagen ein. Die dort Anwesenden wurden präventiv verhaftet. Am Nachmittag fand ein weiterer friedlicher Sternmarsch statt, an dem etwa 2.000 Personen teilnahmen.

    Am 5. März begannen unter Polizeischutz die Abbrucharbeiten am Ungdomshuset.

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