Ehe-ähnliche Diplomatinnengattinnen?

Kürzlich wurde ich von Reufi mit folgender Frage konfrontiert:

Mänu, schreibt man „Diplomatengattinnen und Diplomatinnengatten“ oder „Diplomatengattinnen, Diplomatinnengatten, Diplomatinnengattinnen und Diplomatengatten“ und in welcher Reihenfolge? Oder wie Casi vorschlägt „diplomatengattinnen, diplomatinnengatten, diplomatinnengattinnen, diplomatengatten, partner von diplomatinnen in einer ehe-ähnlichen beziehung, partnerinnen von diplomaten in einer ehe-ähnlichen beziehung, partnerinnen von diplomatinnen in einer ehe-ähnlichen beziehung, partner von diplomaten in einer ehe-ähnlichen beziehung“?

Ich muss zuerst meinen tiefen Dank und meine nicht minder tiefe Befriedigung über diese Frage ausdrücken. Nicht etwa, weil sie mich besonders interessieren oder speziell fordern würde. Vielmehr sehe ich in dieser Frage den Beweis dafür, dass ich trotz ständigen gegenteiligen Kommentaren und Äusserungen von Reufi und Casi offensichtlich als die Choryphäe auf dem Gebiet der deutschen Sprache angesehen werde, die ich nun mal bin.

Nun aber zur Beantwortung,  und damit zur Linderung von Unwissen in den Köpfen Reufis und Casis!

Nach eingehender Diskussion mit meinem Beraterstab und tagelangem Orakeln kann ich hier ein Resultat präsentieren, das auch den kritischen Teil meiner hochwohlgelöblichen Leserschaft zufriedenstellen wird. Der Lösungsfindungsprozess stellte sich als hochkomplex heraus, weshalb ich hier lediglich das Endresultat zu zeigen gedenke, ohne die Details der mit der Lösungsfindung einhergehenden Diskussion breitzuwalzen.

Die Lösung, die sich als die Optimale herauskristallisiert hat, ist sowohl verblüffend als auch Simpel: Diplomatengatten. Argumentativ begründet wird dies wie folgt:

  1. Für die Erhaltung des generischen Maskulinums
    Es ist zu einer regelrechten Unsitte verkommen, bei Allem und Jedem ein -innen, /innen oder Innen anzuhängen. Ein(e) ansonsten grandiose(r) Text/-in verkommt zu einem/r unleserlichen FlickwerkIn, wenn er/sie gespickt ist mit diesen unsäglichen Suffixen/innen. Einverstanden?
  2. Ehe-ähnliche Beziehungen bei Diplomaten werden nicht geduldet
    Ein rechtschaffener Diplomat ist entweder ledig und single, oder glücklich verheiratet. Man hat schliesslich ein Image zu wahren, und da passen wilde Beziehungen, Affären und dergleichen nicht hinein.

Mit diesen beiden Punkten lässt sich der ganze, komplizierte Satzbau, wie ihn Reufi vorschlägt, auf das simple Diplomatengatten destillieren.
Ich danke für Ihre Aufmerksamkeit.

15 Gedanken zu „Ehe-ähnliche Diplomatinnengattinnen?“

  1. Nach oberflächlichem Überfliegen deines neusten Ergusses sind mir folgende erwähnenswerte Kleinigkeiten aufgefallen:
    1. Zunächst empfehle ich dir die Website http://www.duden.de/suche/index.php?begriff=choryph%E4e&bereich=mixed&pneu=zur Lektüre. Da du mit Chören nicht viel zu tun hast, solltest du auch auf die Ausrede verzichten, du hättest ein Wortspiel beabsichtigt. Guggenmusigoriphäe wäre allerdings akzeptabel gewesen.
    2. Nach «Beantwortung,» hast du zwei Leerschläge gemacht.
    3. «Optimale» schreibt man hier klein (amtliches Reglement zur deutschen Rechtschreibung, § 58(1)).
    4. «Simpel» schreibt man hier klein (das amtliche Reglement hat hierfür keinen separaten Paragrafen; es wird nur indirekt erwähnt, weil es sogar den meisten Nichtkoryphäen ohnehin klar ist).
    5. Nach «single» kommt kein Komma (§ 72).
    6. Das Komma nach «ganze» gehört gestrichen. Unterlasse bitte die Ausrede, «ganze» und «komplizierte» seien gleichrangig, weil du mit ganz nicht gesamt, sondern vollständig im Unterschied zu unvollständig gemeint hast. Der Teil, um den es geht, ist streng grammatisch ohnehin kein vollständiger Satz.
    7. Hättest du nicht einmal Ergebnis statt Resultat schreiben wollen? Bei Endergebnis hättest du sogar einen wortinternen Stabreim!
    8. Wähle nach «Unsitte» das Partizip eines Verbs, das passt. Verkommen tut das nicht.
    9. Gerade dir als Deutschkoryphäe steht es schlecht an, dich im Gebrauch fremdsprachlicher Wörter zu üben, die im Deutschen (noch) nicht üblich sind, insbesondere, wenn sie ungeeignet sind für die Flexion nach den Regeln desselben. (Die Rede ist von «single» als Adjektiv im Unterschied zu Single als Substantiv. Versuch mal, es zu deklinieren.)
    10. Man destilliert zu, nicht auf.
    11. Mit Punkt 1 deiner Argumentation bin ich nicht einverstanden. Es ist geradezu absurd, das generische Maskulinum zu benutzen für eine Personengruppe, die grösstenteils aus Frauen besteht. Wir sprechen bzw. schreiben hier nicht französisch.
    12. Mit Punkt 2 deiner Argumentation bin ich nicht einverstanden. Das EDA, als massgebende Institution, hat da eine ganz andere Haltung. Das Stichwort lautet Gleichberechtigung. Dabei geht es insbesondere um die solche bezüglich Geschlecht und sexueller Präferenz. Das Stichwort hier lautet registrierte Partnerschaft. Die Wörter Gatte und Gattin werden (im allgemeinen Sprachgebrauch) (noch) nicht für Personen in einer solchen verwendet. Ich vertraue darauf, dass deine interpretatorischen Fähigkeiten genügen, um «einer solchen» auf die Partnerschaft zu beziehen und nicht auf die Gattin. Aus Datenschutzgründen darf ich dir keine genauen Angaben zur Zivilstandsverteilung im diplomatischen Korps machen.
    13. Duzt du deine Leserschaft sonst nicht immer? Gerade nach einer so schlechten Darbietung solltest du nicht auf Sätze zurückgreifen, die von Professionellen benutzt werden, wie «Ich danke für Ihre Aufmerksamkeit».
    14. Wer genau ist der kritische Teil deiner hochwohlgelöblichen Leserschaft, der durch dein Resultat zufriedengestellt wurde?
    15. Zu guter Letzt wieder mal eine Bemerkung zu den Strichen, diesmal nicht zum Gedanken-, sondern zum Ergänzungsstrich: Derjenige nach «bei Allem und Jedem ein» muss geschützt werden, so dass er beim Zeilenwechsel nicht von «innen» getrennt wird.

  2. Eigentlich ist es ja eine abgekartete Sache: Fritteli schreibt einen angreifbaren Text, der dann posthum vom zweiten Teil der Schreiberlingenschaft auseinandergenommen werden kann. Doppelt soviel Text, viermal soviel Spass!

  3. Ich stelle wieder einmal fest, wie überflüssig der Inhalt dieses Blogs doch meistens ist. Es gibt doch weitaus interessantere Fragen im Leben, als die Frage, wie nun der Gatte oder die Gattin eines Diplomaten dekliniert werden sollte. In der Praxis stellt sich diese Frage sowieso nie, weil man sich viel leichter tun wird, die sowieso unschöne Wendung geschickt umzuformulieren und auf das Bandwurmsubstantiv gänzlich zu verzichten.
    Apropos Bandwurm, das wäre doch ein wesentlich interessanteres Thema für einen Blog, der Stand der Fuchsbandwurm-Forschung, bzw. die Bekämpfung dieses besagten Fuchsbandwurms. Jedesmal wenn ich mit meinem Feuerfuchs nämlich diesen Blog besuche, habe ich Angst, ich könnte mich mit der frappanten Belanglosigkeit angesteckt haben.

  4. 16. Trotz der gänzlich unbefriedigenden Argumentation, danke für die Beantwortung der Frage.
    17. Habe ich auch persönlich etwas gegen dich.

    In Kürze auch als Buch erhältlich: „Konstruktive Kritik – 17 Thesen von Casimir O. Horst Victoria Freiherr von Arx und Markgraf Andreas Philihp Waldeshut Reufer“

  5. P.S. Im Zusammenhang mit der ursprünglichen Fragestellung verweise ich übrigens auf Seite 11 des verlinkten Dokuments. Ja, da haben wir wieder alle was gelernt, nicht wahr…

  6. Da hast du ja so (Leerschlag!) was von recht! Gut, gibt es auch Leute wie Reufi und mich, die ihre Ratschläge sachlich und vor allem konstruktiv formulieren können.

  7. Wurde dieser Blog früher nicht in höherer Frequenz mit einem Beitrag bereichert? Ist das Ysebähnler-Leben so hart? Wurde Mänu einer Bergbahn in Graubünden zugeteilt, fernab von jeglichem Internetzugang?

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