Herkunft siehe Produkt/Verpackung

Ich war heute böse. Und das kam so:

Einkaufen in der Migros war angesagt. Gleich beim Eingang stand da ein Gestell mit Beeren verschiedenster Art. Die Heidelbeeren sahen gar gelustig aus und so lag die Erwägung nahe, ein Schälchen derselben dem Einkaufskorb hinzuzufügen. Das Preisschild, gross mit „Aktion“ betitelt, pries die 250g-Schale zum saugünstigen Preis von CHF 3.90 an (statt 5.60!) und sagte dazu keck: „Herkunft siehe Produkt/Verpackung“.

Preisschild
Herkunft siehe Produkt/Verpackung

Als Konsument mit Herkunftsbewusstsein (und zudem sensibilisiert durch den gestern Morgen zufälligerweise im bei uns ab und zu in der WG umherliegenden K-tipp überflogenen Artikel „Lebensmittel: Getäuschte Kunden“) vollzog ich das angegebene „siehe Produkt/Verpackung“ und nahm mir so eine Heitischale zur Brust.

Transparentes PE lachte mir allenthalben entgegen. Nichtmal eine Etikette war auszumachen. Ich suchte und suchte, fand aber keinen Hinweis auf Herkunft. „Chas gä“, sagte ich mir und studierte die nächste Schale. Mit dem selben Ergebnis. „Chas ja öppe nid sy!“ sagte ich mir nun und steuerte stracks auf die nächste Migros-Angestellte zu. Ob sie mir Auskunft über die Herkunft dieses Produktes geben könne, fragte ich in meinem gewohnt höflichen Tonfall. Sie schaute, staunte, fragte, ob es nicht angeschrieben sei, worauf ich verneinte und sie erneut schaute und schliesslich ihr Telefon zückte. Nach längerem Telefonat war sie wo schlau als wie zuvor und spies mich mit der Antwort ab, „Das chönnte die vo Italie sy. Ja, i gloube, es sy die vo Italie.“.

Ich sah vom Kauf ab. Glauben kann, wer will, in der Kirche. Ich weiss lieber.