Nun muss es gesagt sein

Ich habe mir ja lange, lange Zeit gelassen, hier etwas zu schreiben. Beinahe ein Jahr liegt dieses Blog nun brach. Aber jetzt ist die Zeit gekommen, die Stille zu durchbrechen.

Wer mich kennt, weiss, dass ich ein Eisenbahnliebhaber bin. Ebenso ein treuer SBBler. Und ein grosser – und etwas blinder – Fan dieser Bahnhofsarmbanduhren. Jener, die zur vollen Minute einen Stopp hinlegen, um nach zwei Sekunden den roten Zeiger mit Kelle auf eine weitere Runde zu schicken.

Wer dieses Blog in der (längeren) Vergangenheit gelesen hat, weiss, dass ich 2014 eine ebensolche Uhr erworben hatte und damals mächtig stolz darüber war. Wer das Durchhaltevermögen besass, auch 10 Jahre später noch zu lesen, weiss, dass sich diese Uhr 2024 endgültig ins Jenseits verabschiedete.

Nun denn.

Ich kann mich glücklich schätzen, mit einer liebenden und aufmerksamen Frau verehelicht zu sein, die es sich zu meinem Geburtstag 2024 zur Aufgabe machte, mir den Entscheid zum Kauf einer neuen solchen Uhr mittels Sammlung eines erklecklichen Beitrages einfacher zu machen. Bref – am 25. Mai 2024 bestellte ich mir im Onlineshop der SBB das neue Modell: Eine Mondaine SBB Armbanduhr stop2go 41mm mit Metallarmband für CHF 699 Franken. Abzüglich Mitarbeiterrabatt bezahlte ich das immer noch stolze Sümmchen von CHF 559.20.

Das war – wie gesagt – am 25. Mai. Die Lieferung zog sich dann «etwas» hin, und nach mehrmaligem Nachfragen per E-Mail erfolgte der Versand dann läppische zwei Monate später, am 25. Juli 2024.

Es ist jetzt ist der 17. Mai 2026, also einigermassen genau 2 Jahre später. Nachdem ich die Batterie letztes Jahr bereits einmal auswechseln musste (die hat einen Stromhunger, diese Uhr, das ist nicht normal … und eigentlich auch nicht zeitgemäss. Dafür fahre ich nicht Auto und lösche beim Verlassen des Zimmers das Licht), war es auch letztens wieder soweit: Die Uhr bleibt spontan stehen, und ich dachte, das sei ein untrügliches Zeichen für eine schwache Batterie. Ich begab mich also letzte Woche ins Uhrenfachgeschäft meines Vertrauens, um meiner Uhr eine frische Batterie angedeihen zu lassen.

Der Bescheid? «Wir haben die Batterie getestet. Sie ist noch gut. Es kann nicht daran liegen. Sollen wir die Uhr zur Reparatur einsenden?»

Also schon wieder: Diese Mondaine-Uhren – so gut sie auch aussehen mögen – sind technisch gesehen also einfach der letzte Schrott. Anders kann ich es mir nicht erklären, dass nach weniger als zwei Jahren Betrieb bereits etwas kaputt sein soll. Und ich würde mich ja auch nicht derart öffentlich echauffieren, wenn nicht– ja, wenn da nicht noch diese Sache mit den Bewertungen wäre.

Siehe, man hat im Online-Shop der SBB die Möglichkeit, erworbene Produkte zu bewerten. Ich bin mir eigentlich ziiiiiemlich sicher, dass ich damals, vor 2 Jahren, als sich die Lieferung ins schier unermesslich Ewige zog, eine Bewertung hinterliess. Zugegebenermassen eine nicht ausschliesslich positive, aber dafür ehrlich Bewertung.

Nur komisch, dass diese nicht veröffentlicht wurde.

Und als ich letzte Woche vom Uhrengeschäft den Befund erhielt, schrieb ich wieder eine Bewertung mir 2 von 5 Sternen und meiner ehrlichen Meinung. Schade, dass ich davon keinen Screenshot gemacht habe, denn – oh Wunder! – auch diese Bewertung ist offenbar beim Moderationsteam hängengeblieben.

Um Klartext zu reden: Die SBB ist mein Arbeitgeber. Mir ist nichts daran gelegen, schlecht über sie zu schreiben. Aber diese Uhren und der Umgang mit Kundenrezensionen im Shop, das ist nidsuber.ch (ach, schade. Das gibt’s ja nicht mehr. Egal!).

Wie dem auch sei: Ich habe meine Uhr im Fachgeschäft wieder abgeholt, ohne sie zur Reparatur einschicken zu lassen. Bestell- und Lieferbestätigung, die ich glücklicherweise noch als E-Mails habe, habe ich nun ausgedruckt und so werde ich nächstens beim SBB-Schalter vorbeigehen und einem netten Kollegen oder einer netten Kollegin meine Uhr in die Finger drücken. Sollen sie sie auf Garantie reparieren lassen.

Man wird sehen.

Ach, rechnen wir doch noch kurz ein bisschen rum! Versandt wurde die Uhr damals am 25.07.2024. Nehmen wir an, dass sie bereits am nächsten Tag in meinem Briefkasten lag. Nehmen wir weiter an, dass sie erst heute, am 17.05.2026, kaputt gegangen wäre. Sie hätte also während 661 Tagen ihren Dienst verrichtet. Dafür bezahlte ich CHF 559.20. Das sind also knappe 85 Rappen pro Tag. Ein stolzer Preis für ein bisschen Zeit am Handgelenk. Ich hoffe jetzt mal sehr, die Garantie macht wenigstens keine Zicken.

Ein Hoch auf die Kulanz!

Am Freitagabend war der zweite November, und der kommt ganz knapp nach dem 31. Oktober. Und obwohl ich nicht unbedingt ein Fan von Halloween bin, kochten wir uns in der WG ein Kürbissüppchen, schliesslich ist das nicht nur lecker, sondern auch gesund, und gemeinsames Kochen fördert Sozialkompetenz und Bauchumfang, und das ist doch auch etwas Schönes.

Wir hackten also Kürbis, zerkleinerten Kartoffeln und ein Rüebli, hackten eine Zwiebel, brieten an, löschten ab, dämpften und liessen köcheln. Gefühlte Stunden verbrachten wir in den Schweissen unserer Angesichter in der dampfenden Küche und drohten vor Hunger bereits zu kollabieren, als wir endlich unseren treuen Mixer hervorkramten und die Chose zu pürieren gedachten.

Mir ward die Ehre zuteil, den Mixstab zu führen, mit ihm zu rühren. Und so schaltete ich das Gerät ein und begann mein Werk.

Nach circa 4 Sekunden unterbrach ich mein Tun. Nicht etwa freiwillig, sondern gezwungenermassen: Der Mixer versagte seinen Dienst. Kein Knall, kein Rauch, kein Knistern und auch kein Gestank kündeten sein Ableben an, sondern höchst unspektakulär gab er den Geist auf und verweigerte weiteres Mixen.

E sehr guete Momänt!

Wir alle hungernd um die Pfanne stehend, fassungslos. Auch an einer anderen Steckdose liess sich das Rührwerk nicht zu neuer Leistung anspornen, auch nicht mit Schwingern anstelle von Pürierstab, auch nicht ganz ohne Aufsatz. Einfach gar nicht, keinen Wank tat das dumme Ding.

Derweil sich ein Sondereinsatzdétachement bei Nachbarn um Ersatz kümmerte, kramte ich den Garantieschein ans Tageslicht, denn ich bin unglaublich gut organisiert und halte eine Ordnung, dass man darob nur anerkennend nicken kann. Wer mich nicht kennt, weiss das.

Den Garantieschein fand ich zu unser aller Überraschung erstaunlich schnell, und so wollte ich nachschauen, ob die Garantie denn noch gelte. Ich las:

Kaufdatum: 26.10.2010. Garantie: 24 Monate.

Adam Ries rechnet und stellt fest: Die Garantie ist vor exakt einer Woche abgelaufen. Dass ich aber in die Migros gehen und notfalls stürmen würde, bis ich Ersatz bekäme, war mir sofort klar, und sei es nur, um ein Thema zu haben, über das ich schreiben könnte.

Das Sondereinsatzdétachement hatte inzwischen Ersatz besorgen können, nur leider ohne Pürierstab, sondern lediglich mit normalen Schwingern. Wie wir damit unsere Suppe einigermassen klein kriegten, ist eine andere Geschichte, die alleine Bände füllen würde, und so begnüge ich mich mit der Aussage, dass wir uns schliesslich an einer herrlichen Kürbissuppe labten und das Putzen der Küche auf den nächsten Tag verschoben. Ja, kochen können wir!

Samstags machte ich mich dann auf, meine Mission zu erfüllen und begab mich hierzu zum Kundendienst in der Marktgassmigroselektronikabteilung. «Grüessech, es geit um mi Mixer. Dä het geschter dr Geischt ufgä, aber d Garantie isch sit ere Wuche abgloffe, u i ha itz wöue frage, wie kulant Dir da chöit sy», begrüsste ich die freundliche Mitarbeiterin hinter dem Tresen und zeigte ihr das Corpus delicti. Sie zeigte Verständnis, meinte, sie persönlich wäre natürlich schon kulant, aber eben, der Chef und die Migros und so, und sie müsse zuerst nachfragen. Mit gönnerhaftem Nicken ermunterte ich sie, genau dies zu tun und wartete ab, derweil sie in den verworrenen Gängen des Migros-Untergeschosses ihren Chef suchte.

Zu dritt kehrten sie wieder und machten sich am Computer zu schaffen: Artikelnummer eingeben, Katalog durchstöbern, fachsimpeln, diskutieren. Das Ergebnis war ein «Bagatellfall», bei dem es keinen Sinn hatte, das defekte Gerät einzuschicken. Und natürlich zeigte man sich kulant, stellte mir einen altertümlich anmutenden Rückerstattungsschein aus, mittels dessen ich am oberen Kundendienst meine CHF 49.90 zurückerhalten sollte und so erfolgreich nach Hause zurückkehren konnte.

Nun befinden wir uns im Besitz eines neuen Mixers (leider keiner von Moulinex, aber wir haben ihn ja auch nicht samstagabends in einer Quizshow zusammen mit einer Frau, einer Insel, einer Jacht, einem Stück Meer, einem Auto, einem Schloss und einem Rennross gewonnen). Der kostet zwar knapp das doppelte des alten, dafür verspreche ich mir davon eine ungleich längere Lebensdauer. Man wird sehen.