Wenn für das Rätsel zu wenig Reisezeit bleibt

Manchmal sitzt man ja im Tram und löst ein Kreuzworträtsel. Oder ein Sudoku. Oder ein Kakuro. Oder ein anderes Rätsel mit kryptischem Namen. Auf alle Fälle kann es vorkommen, dass die Tonbandfrau bereits das gefürchtete „Brunnadernstrasse“ verkündet, wenn man mit dem Rätsel hinten und vorne noch nicht fertig ist.

Mir ist das sowohl gestern als auch heute widerfahren, nach Adam Ries macht dies zwei Mal innerhalb von lediglich zwei Tagen, was einem Tagesdurchschnitt von Einemmal entspricht, und deshalb erwähnenswert ist.

Ich sass also gestern im Tram, das soeben den Thunplatz hinter sich gelassen hatte, und rätselte über dem Heute-Sudoku, was das Zeug hielt. Noch hatte ich kaum die Hälfte ausgefüllt, und ich wusste, dass ich in weniger als 30 Sekunden würde aussteigen müssen, das Tonband hatte meine Endstation bereits verkündet. Wie mühsam! Stiege ich nun wirklich aus, so unterbräche ich meinen Denkfluss und zerstörte damit jegliche Hoffnung, das Sudoku jemals noch lösen zu können! In diesem Moment höchster Verzweiflung hatte ich einen Geistesblitz, der mich aus heiterem Himmel mit voller Wucht mitten ins Denkzentrum der Grosshirnrinde traf: „Mänu“, blitzte er, „du hesch doch es GA! Blib eifach sitze, u lös das verflüemerete Rätsu fertig!“ Aber ja! Klar doch! Wieso auch pressieren, wenn ich theoretisch den ganzen lieben langen Tag Tramfahren könnte (so es denn mein Terminkalender erlaubte)?

Ich richtete es mir also auf meinem Sitz so gemütlich ein, wie möglich, und als das Tram den Ostring umrundet hatte und von der anderen Seite her auf die Brunnadernstrasse zusteuerte, hatte ich erstens fertiggerätselt, und konnte mich zweitens über eine nicht unerhebliche Entdeckung freuen: Fahre ich von stadtauswärts auf die Brunnadernhaltestelle zu, so muss ich nicht mehr an der Fussgängerampel auf grünes Licht warten, um die Strasse zu queren, da ich bereits auf der richtigen Strassenseite bin!

Diese Erkenntnis beherzigend blieb ich denn auch heute noch für eine Extrarunde sitzen, diesmal ins Saali, und ich habe nicht vor, diese neue Gewohnheit in naher Zukunft bereits wieder fallen zu lassen. Man gönnt sich ja sonst nichts.

Gute Nacht!