Wenn du das nächste Mal bei einem Verkehrsschild vorbeikommst, so schlage ich vor, dass du dir jenes näher anschaust, insbesondere die Rückseite. Denn heute, auf dem Heimweg von meinem Abstimmungsausflug, ist mir aufgefallen, dass (zumindest bei jenem Schild vor der argentinischen Botschaft) auf der Rückseite eine Schleichwerbung platziert ist! Es befindet sich dort nämlich ein Kleber mit einem Berner Wappen, der Inschrift der Berner Stadtpolizei, und umrahmt ist das Ganze von einem 3M-Logo und irgend einem Spruch von «Scotchtape», dessen ich mich leider nicht mehr zu entsinnen vermag. Was hat denn so ein Klebestreifenwerbespruch auf unseren Strassenverkehrsschildern verloren? Geht dies mit rechten Dingen zu? Schleichwerbung auf amtlichen Signalementen, mir erscheint das höchst brisant!
Tag: 2. Juni 2005
Abstimmung!
Sodeli, diese Abstimmung werde ich ganz sicher nicht verpassen. Denn heute Nachmittag bin ich meiner Bürgerpflicht bereits nachgekommen.
Bevor du dich fragst, weshalb ich das nicht brieflich getan habe, lass dir gesagt sein, dass ich den brieflichen Termin sowieso immer vergesse. Nun gut, heute hätte es gereicht, aber es gibt ja da noch diesen anderen Grund. Die Örtlichkeit nämlich, wo ich gestimmt habe. Im schönen, altehrwürdigen Erlacherhof.
Beim Betreten des Gebäudes überkommt einen schon eine gewisse Ehrfurcht. Schliesslich hat man nicht alle Tage die Gelegenheit, dort einen Stimmzettel einzuwerfen, wo unter der Woche der Gemeinderat Affären produziert, Skandale provoziert und sich anderweitig seine sieben Köpfe einschlägt! Und wenn man sich seiner Stimmunterlagen an der Urne entledigt hat, sollte man es sich nicht nehmen lassen, noch einen kleinen Rundgang im Pärkli zu tätigen. Denn abgesehen von der schönen Aussicht und dem warmen Wetter (welche man beide auch von der Pläfe aus geniessen könnte), wird man dort einen munter plätschernden Brunnen sowie penibel rasierte Rasenblätze vorfinden, eingerahmt von stramm gepflegten Blumenrabatten und sorgfältig gerechelten Kieswegen. Nur gejätet sollte wieder mal werden, hier und da schaut bereits eine verdorrte Blüte aus dem Blumenmeer hervor!
Wenn man dann unten bei der Treppe vorbeikommt, kann man sogar noch einen Blick in das Kellergewölbe erhaschen. Und spätestens da wird es klar: auch der politisierenden Klasse gehören lediglich Menschen an, denn so eine Unordnung, so viel Staub und so dicke Spinnweben haben wir in unserem Keller allemal!