Ade, Kakuro! Ade, Blick-am-Abend!

Es gibt nun also definitiv keinen Grund mehr, diese Gratiszeitung aus dem Hause Ringier zu lesen, geschweige denn, sie überhaupt aus dem Kasten zu nehmen.

Ich wollte schon seit längerem darüber berichten, nun komme ich endlich dazu. Lasse mich dir erzählen!

Es war an jenem Tage, da zum ersten Mal nicht mehr das «heute» dargeboten ward, sondern der «Blick am Abend» an seiner Statt die Menschen über die wichtigsten Geschehnisse des Tages informieren sollte. So hatte sich das der Ringier-Verlag zurechtgelegt, und also kam es. Wie dem auch sei! Ich Griff beherzt zu, um mir diese neue Gratiszeitung einmal anzuschauen. Ich erwartete, denselben Inhalt in einem neuen Layout anzutreffen, vielleicht mit ein bisschen mehr blutter Haut oder Frauenfüdli drin, denn schliesslich steht da «Blick» auf dem Umschlag. Punkto blutten Frauen wurde ich enttäuscht, das neue Layout hingegen, das hat voll zugeschlagen: Nichts ist mehr dort, wo man es erwartet. Die Comics fand ich irgendwo im ganzen Blatt verstreut, und als ich mich dann darauf freute, wenigstens noch das obligate Kakuro lösen zu können, welches mir aus den Zeiten des «heute» wirklich sehr ans Herz gewachsten war, da musste ich mit grosser Bestürzung feststellen, dass genau dieses den Umzug vom «heute» in den Abendblick nicht überlebt hatte, bloss ein Sudoku prangte einsam und etwas verloren auf der Rätselseite. Wenn man das überhaupt noch Rätselseite nennen kann. Ehm … hallo!, Blickredaktion? Jemand zu Hause? Ihr habt soeben den allerletzten Grund gestrichen, weshalb man eure Gratiszeitung überhaupt noch angefasst hat! Ohne Kakuro ist der Nutzen wirklich bei Null, und Sudokus findet man heutzutage an jeder Strassenecke, ganz abgesehen davon, dass die ihre Glanzzeit hinter sich haben!

Nun muss ich mir mühsam eine andere Gratiskakuroquelle suchen. Hat mir jemand von meiner hochwohlgelöblichen Leserschaft eventuell einen Tipp? Ich wäre dankbar!

Aus der Traum

Ja nun, jetzt ist’s also vorbei. Ab jetzt darf man getrost für die Holländer fänen. Wie’s dazu gekommen ist, möchte ich meiner hochwohlgelöblichen Leserschaft nicht vorenthalten.

Wir begaben uns zeitig in die Bundesplatzfanzone, auf dass wir für den Schweizermatch uns einen Platz ergattern könnten. Wir waren derart zeitig, dass wir noch den vollen Portugal-Tschechien-Match miterleben konnten, ohne allzusehr ins schwitzen zu kommen. Ein ganz klein wenig aufregen musste ich mich aber trotzdem: Da steht eine SWL-Launsch, zu Neudeutsch gelegentlich auch VIP-Lounge genannt, vor der BEKB, und darauf steht der Tschäppu, seines Zeichens Sohn vom Raymond, dem ehemaligen Berner Stadtpräsidenten. Der steht also da, währenddem sich die Portugiesen und die Tschechen aufs Dach geben, und er schaut nicht mal auf die Leinwand! Lange Zeit diskutierte er bloss mit seinen Stehnachbarn, ohne dem Spielgeschehen grosse Aufmerksamkeit zu schenken. Und ich muss es wissen, denn ich opferte ihm meine ganze Aufmerksamkeit, und hätte in der Tat ein Tor verpasst, wenn es denn zwischen der 35. und der 38. Minute ein solches gegeben hätte.

Ja, und dann war dieser Aufwärmmatch vorüber, und man vorbereitete sich auf die wirklich wichtigen Dinge im Leben, als da wären: der Match Schweiz gegen die Türkei (und sonst nichts). Gleich zu Beginn musste ich mit allergrösstem Missfallen zur Kenntnis nehmen, dass Schweizer Fans von sportlicher Fairness wohl nicht allzuviel halten, denn wer bei der Nationalhymne der Gegnermannschaft reinpfeift und -buht, der hat meiner Meinung nach den Sportsgeist weder mit Löffeln noch in homöopathischen Dosen gefressen. Und ein wahres Pfeifkonzert war sie, diese Türkische Nationalhymne. Ich habe mich hervorragend aufgeregt.

Zum Ausgleich habe ich bei der Schweizer Hymne abwechslungsweise Deutsch, Rätoromanisch und Französisch gesungen. Glücklicherweise stand direkt vor mir ein Schweizer Fan mit einem T-Shirt, das den gesamten Text in allen 4 Landessprachen am Rücken aufgedruckt hatte (mein Italienischakzent ist so schrecklich, dass ich diese Sprache ausgelassen habe).

Und dann spielten sie, und schossen ein Tor, man jubelte, es regnete und hörte wieder auf, die Türken glichen aus, es hörte auf zu regnen, die Nachspielzeit brach an, die Türken gingen in Führung, und schliesslich und endlich war der Traum ausgeträumt. Pech gewesen.

Glück hingegen ist, wenn man danach noch durch die Stadt streift auf der Suche nach diesen Bierbechern, etliche davon findet, und für jeweils 2 Franken an einem Getränkestand zurückgeben kann. Ich bin sicher, ich habe mir meine Biere von heute Abend beinahe finanziert durch meine Such-Und-Zurückbring-Aktion.

Und morgen gleich noch einmal! oder? Mal schauen.