Feinstaubsuppe überall

Es ist beängstigend. Wenn ich über die Kirchenfeldbrücke fahre und das Bundeshaus nur noch durch einen weisslichen Schleier wahrnehme, wenn ich nicht einmal mehr bis zum Muristalden sehen kann, wenn sich der Münsterturm im Dunst verliert, dann ist etwas wirklich nicht mehr in Ordnung. Und zwar nicht mit meiner Wahrnehmung, sondern mit der Luft hier in Bern.
Der Grenzwert für Feinstaubbelastung liegt bei 50 µg/m³, und darf pro Jahr einmal überschritten werden. In den letzten Tagen wurden in der Stadt Bern Spitzenwerte von bis zu 175 µg/m³ gemessen, insgesamt wurde der Grenzwert in diesem Jahr bereits 21 Mal überschritten (immerhin an 63% aller Tage!). Zugegeben: diese Werte habe ich hier bloss genannt, um einmal all diese lustigen Sonderzeichen wie das µ oder das ³ benutzen zu können. Trotzdem: es beschäftigt mich ernsthaft.
Die heutige Titelseite des «Bund» ziert ein Bild, das einem schon Eindruck machen kann: es zeigt Bern, in eine tiefe Smog-Wolke eingehüllt. Wer es gesehen hat, weiss wovon ich spreche. Na, ist das was? Ja, das ist was! Höchste Zeit, endlich etwas zu unternehmen ist das! Du willst mir ja nicht etwa erzählen, das sei einfach Nebel? Dann fahre du mal mit dem Fahrrad durch diese Suppe. Das riecht dort nicht nach Nebel, das riecht eindeutig… eklig. Und wenn du jetzt sagst, Feinstaub könne man gar nicht riechen, dann habe ich mir das halt vielleicht nur eingebildet. Vielleicht aber auch nicht…
Da kann die Frau Regierungsrätin und Volkswirtschaftsdirektorin Zölch noch lange im Tagesgespräch auf DRS 1 sagen „I bi ganz klar derfür, dass dr Bund jetz unbedingt Massnahme mues prüefe“, doch vom Prüfen alleine wird die Luft auch nicht sauberer. Und wenn sie meint, man könne das Problem „nicht auf Knopfdruck“ lösen — und das meint sie etwa 4 oder 5 Mal –, dann sollte man halt nicht den Knopf suchen, sondern endlich mal Temporeduktionen verfügen, und schnellstmöglich ein Partikelfilterobligatorium für Dieselfahrzeuge und vor allem Baumaschinen erlassen. Dass das nicht von heute auf morgen geht, ist mir auch klar. Wieso aber gilt dann in Zürich schon seit einem halben Jahr ein solches Obligatorium? Und wieso kann sich nun Winterthur dazu durchringen, ab nächstem Jahr nur noch mit Filtern ausgerüstete Baumaschinen auf den Baustellen zuzulassen, und Bern kann das nicht? Sollte man die verantwortlichen Politiker mal ein paar Minuten lang an einem Auspuff schnüffeln lassen, damit ihre Gehirne auf Touren kommen? Ich hätte nichts dagegen!

8 Gedanken zu „Feinstaubsuppe überall

  1. Lieber Friedli: Du sprichst mir aus der Seele. Aber eben: Umweltschutz ist im Moment halt einfach out – weil man dabei nicht SPAREN kann. Das ist heutzutage ja die einzige Aufgabe des Staates 😉

  2. Ach, habe eben des Rätsels Lösung für die Feinstaubproblematik gefunden: Am einfachsten ist es, man erhöht den Grenzwert. Ein Federstrich, und man ist dem Problem los.

    Werde meine Idee gleich noch dem Hutter Jasmindli mailen. Da die Grenzwerte auch nur in einer Verordnung verankert sind, kann das der Bundesrat ganz schnell ändern. Und beim momentanen Bundesrat sehe ich da auch keine Probleme, dass das nicht ganz schnell durchgehen würde… :-O

  3. Gib’s eigentlich irgendwo ein Verzeichnis, welche Smiles Dein Blog-Progrämmli kennt und welche nicht? Nachdem ich dauernd welche platziere, die nicht umgewandelt werden 🙂 🙁 :-[ :-] :-O 😛 😉 :-X

  4. grenzwert erhöhen ist eine prächtige idee. im gleichen zug könnte man auch noch diejenigen für ozon, stickoxid und andere schadstoffe anpassen!

    jaja, die smilies… ich mache mal eine liste, irgendwo.

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