Zwei Schlangen bringen keinen Segen

Jetzt reicht’s mir. Ich muss mir Luft verschaffen. Ich bin derart aufgebracht, dass ich kaum weiss, wie ich dieses Thema angattigen soll. Wo beginne ich?

Gestern.

Ich benötigte Geld, wie das ab und zu vorkommt bei mir. Banküberfälle mache ich in meinem Alter nicht mehr so gerne, das ewige Wegrennen ist meinem alten Herz nicht gerade zuträglich, weshalb ich mich entschloss, zur Abwechslung wieder einmal einen Postomaten zu knacken. Ich war aber schon etwas spät dran und entschloss mich deshalb zum ordnungsgemässen Geldabheben.

Am Bahnhof, wo ich die Transaktion durchzuführen beabsichtigte, befinden sich zwei Postomaten nebeneinander. An jedem der beiden befand sich jemand, finanztransaktorisch beschäftigt. Ich tat, was ich in solchen Situationen immer tue: Eine neue Schlange bilden (bestehend aus mir selber), und zwar in der Mitte. Wieso sollte ich rechts anstehen, wenn dann plötzlich der linke Geldabheber eher geendigt hat? Oder umgekehrt?

Solange die Schlange lediglich aus mir alleine bestand, war meine Welt in Ordnung. Nicht lange aber, und es gesellte sich ein weiterer Warter zu mir. Und er hatte das Prinzip der einen Schlange überhaupt nicht begriffen. Er interpretierte meinen Stehplatz wohl als dem rechten Postomaten zugehörig und stellte sich links vor mir hin. Da begann ich bereits, innerlich aufzuschäumen. Für mich war sonnenklar: Wenn der linke Abheber zuerst fertig wäre, würde ich – ungeachtet böser Blicke oder wütender Bemerkungen – stracks zum linken Automaten marschieren und mein Geld holen.

Und so kam es: Der Rechte schleipfte, der Linke pressierte, und so war die linke Postomatengeldabhebeposition vor der rechten vakant.

Aus dem Augenwinkel gewahrte ich, wie mein linker Vordrängler sich anschickte, in Bewegung zu geraten. Da sah ich meine Gelegenheit gekommen, drängelte meinerseits, hob ab und zog vondannen.

Die Moral von der Geschicht‘? Vor Parallelpostomaten bilde man eine einzige Schlange! Der Fairness wegen! Nennt mich ruhig Füdlibürger und Spiesser, recht habe ich trotzdem.

4 Gedanken zu „Zwei Schlangen bringen keinen Segen“

  1. Bravo für diesen Lanzenbruch!

    Ich mache es jeweils genau so, schliesslich wird das im Land der Schlangen schlechthin (England) wunderschön vorgelebt (wie auch das rechts Gehen und links Stehen auf Rolltreppen).

    Sogar in der Bananenrepublik in welcher ich mich vor einiger Zeit zwecks Aufnahme neuer Vokabeln aufhielt und mich an reichen Küsten tummelte, stand vor jeden Päärli Automaten und jeden doppelt besetzten Schalter:
    „Una fila al centro!“

    (In einem andern zu dieser Zeit besuchen Land stand da jeweils „Venceremos!“ und „Hasta la v[hier fehlt der Verputz]pre!“. Dort setzte man sich denn dieser Aufforderung gemäss irgendwo hin und fragte: „¿El Ultimó?“, worauf sich der letzte meldete und man wusste, das man nach selbigem an der Reihe war. Beim nächsten Zug gab man dann sich selbst als Ultimó zu erkennen. Auch ein faires System. Item.)

    Habe mir schon überlegt, in einer Nachtundnebelaktion sauber gedrucke und liebevoll laminierte Schilder mit der Aufschrift „Eine Schlange in der Mitte!“ an allen Postomatenpäärlis im Bahnhof anzubringen. Verkleidet als Montör in einem blauen Übergwändli natürlich: Ich bräuchte noch einen, der mir die Leiter hält… Fritteli?

  2. ha! jetzt hab ichs gerade gestern im loeb auch praktiziert. ich stand zwischen zweien schlangen, während eine dame nach mir sich klar für die linke entschied, die dann natürlich auch früher frei war. ich ging bestimmt voran und niemand hat reklamiert 🙂

  3. @Sidi: Ich wäre diesenzwecks liebend gerne dein Assistent im Blaumann!
    @matter: Löblich! Weiter so, dann leistest auch du deinen Beitrag zur Verbesserung zwischenmenschlichen Zusammenlebens und zum Weltfrieden!

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