Der Chlupf

Ich deutete an, also muss ich schreiben.

Und zwar den Nachtrag zum Papiliorama-Besuch. Natürlich besuchte ich nicht bloss das Papiliorama, denn wenn man schon mal dort ist, dann gehört auch ein Besuch im Nocturama mit dazu. Dort ist es dunkel und schummrig und deshalb gefürchig, und wer schon mal mit mir im Kino war, wo ein Horror-Splatter-Thriller lief, der weiss, dass ich bei dunkel-schummriger Stimmung mitunter zu einer leichten Schreckhaftigkeit neige, die sich auch schon mal in einem lauten Schreckensschrei manifestieren kann.

Ich wandelte also durch die Dunkelheit und machte beim Faultier einen längeren Halt. Die possierliche Kreatur hatte sich nämlich gerade entschieden, sich zu bewegen: Gemütlich hangelte sie sich am Ast entlang in Richtung einer Fensterscheibe, vor der ein Netz gespannt war. Dann begann der faule Kerl mit seinen Klauen am Netz zu klauben und zupfen und reissen, und für einen Moment sah es ganz danach aus, als wolle er sich daran herunterhangeln.

Was er dann aber nicht tat, sondern wieder in lethargischen Schlummer verfiel. Mir wurde auch allmählich lethargisch zu Mute, und so wandelte ich weiter, immer noch durch die schummrige Dunkelheit, durch einen niedrigen Tunnel, der vom Faultiergehege weiter führte. Wohl gewahrte ich die etlichen Fledermäuse, die in den Höhlen der Tunneldecke gemütlich kopfüber hingen, aber das macht mir ja nichts aus. Sollen sie doch hängen, wie sie wollen, die kleinen Fledermäuslein, das sind ja liebe Tiere, die tun einem nichts, und die sind ja auch gar nicht wach, nein, die schlaAAAAAAAH!– wäre es mir beinahe entfahren, hätte ich nicht glücklicherweise den Mund geschlossen gehabt, als mir so ein Flattermann keine zwei Millimeter über die Frisur düste! Die Lethargie war verflogen, und obwohl man im Nocturama ganz still sein muss, klopfte mir mein Herz mit gefühlten 110 dB(A) bis zum Hals. Und das in meinem Alter!
Ich machte mich hurtig von dannen. Muss mir doch nicht von irgend einer dahergelaufenen Maus in Batmankostüm meine Frisur versauen lassen, also ehrlich! Freche Viecher, das!

Trotz allem hatte ich dann keine bösen Träume, sondern eine

Gute Nacht.

100 Jahre Jungfraubahn

Er sei ein wenig enttäuscht, liess er mich wissen, dass ich noch nichts berichtet hätte von meinem Ausflug. Immerhin sei doch die Aussicht dort oben wunderschön – so denn das Wetter mitmache – und sowieso, an dieser einmaligen Stelle einen Geocache zu heben, das sei doch mindestens einen Beitrag wert!

Naja, ein bisschen ein Gränni ist er schon, der surech, aber wo er recht hat, hat er recht, das muss ich zugeben. Die Aussicht ist bei schönem Wetter tatsächlich sehr ziemlich imposant, und seinen Geocache musste ich eine ganze Weile suchen, bevor ich ihn fand. Also schreibe ich jetzt halt etwas und kann erst noch ein Föteli oder zwei von dieser schönen Aussicht in Aussicht stellen – von der Aussicht vom Jungfraujoch obenabe, nämlich!

Es sind jetzt auch schon 10 Tage vergangen, seit dem ich um 6:04 (morgens!) in Bern den Zug bestieg. Ich hatte mir vorgenommen, am Bahnhof noch ein Gipfeli für auf den Weg zu erwerben, dabei aber ausser Acht gelassen, dass am Bärzelistag selbst die Geschäfte im Bahnhof erst um 7 Uhr öffnen. Spiut nüt, nimmsch eis ar Minibar, sagte ich mir und bestieg den Zug.

Dass dieser Zug gar keine Minibar hat, merkte ich nach einer Kontrolle auf der fabulösen SBB-Mobile-App. Macht gar ke Roue, geisch dr eis im Spyyswage ga schnappe, nahm ich mir vor.

Dass der Speisewagen aber gar nicht geöffnet hatte um diese nachtschlafene Zeit, merkte ich sofort, als ich ihn betreten wollte, und nahm damit Abschied vom Gedanken an ein Zmorgegipfeli mit weckendem Begleitkaffee. Ehnu.

Die Fahrt aufs Joch gestaltete sich unspektakulär. Wenngleich eine Tatsache durchaus der Erwähnung bedarf: Im Zügli von der kleinen Scheidegg ganz nach oben, da gibt’s Durchsagen in aller Herren Sprachen. Zuerst natürlich auf Deutsch, eine schöne, sonore Männerstimme: «Herzlich willkommen in der Jungfraubahn aufs Jungfraujoch, wir wünschen Ihnen eine schöne Fahrt, unterwegs machen wir zwei Stopps, wo Sie bei schönem Wetter Gelegenheit erhalten, die wunderschöne Aussicht zu geniessen undsoweiterundsofort.» Dann auf Französisch, eine angenehme, samtene Frauenstimme: «Bienvenue à bord, patati-patata.» Und auf Italienisch, mit einer rassigen südländischen Frauenstimme. Und auf Englisch mit einer edlen, tenorigen Männerstimme.

Und dann der Schock auf Japanisch: «Konnichiwa!!!» krächzte ein offensichtlich ungefähr 14-jähriges Schulmädchen aus dem Lautsprecher, mit derart quirlig-aufgedrehtem Geplapper, dass an Ernstnehmen der Durchsage nicht mehr zu denken war. Was haben die Japanesen bloss für ein Faible für kleine Schulmädchen, dass diese sogar den Ansagen in Touristenzügen ihre Stimme leihen müssen!? Man weiss es nicht.

Die restlichen Durchsagen habe ich nicht mehr einordnen können, aber es mag Chinesisch, Koreanisch und Indisch gewesen sein. Jedenfalls muss es beim Turmbau zu Babel etwa so geklungen haben, wie tagtäglich in der Jungfraubahn.

Oben angekommen, schoss ich erstmal einige Fotos und begab mich alsdann auf die Suche nach dem erwähnten Cache. Links und rechts suchte ich, oben und unten, aber sonder Erfolg. Dann suchte ich noch hinten statt vorne – und siehe da, das Böxchen hatte es sich in einer gut getarnten (aber keineswegs unmöglich aufzuspürenden) Nische gemütlich gemacht. Nun aber flugs hervorgezerrt, im Büchlein unterschrieben und schnell wieder versorgt!

Ich besuchte noch schnell den Eispalast, und nach einem wärmenden Glühwein – immerhin war es einige hundert Grad unter Null, höchstens! – machte ich mich wieder auf ins Tal, denn soooo spannend ist es da oben nun auch nicht.

Dem gewogenen Leser seien hier noch die ein, zwei versprochenen Bilder ans Herz gelegt. Einmal darfst Du raten, welches davon nicht von diesem, sondern von einem früheren Ausflug stammt, bei dem das Wetter schitter bis bitter war.

Einen Nachtrag zum letzten Beitrag hätte ich noch, allerdings könnte ich den auch benutzen, um daraus einen weiteren Beitrag zu konstru- und komponieren. Deswegen lasse ich es für heute gut sein und wünsche eine

Gute Nacht!

Zufrieden, Herr surech?

14 wichtige Erkenntnisse in Bildern

Ein Besuch im Papiliorama zu Kerzers bringt Erkenntnisse:

  1. Früher nannte man Schmetterlinge Milchdiebe.
  2. Feuchte Luft verträgt sich schlecht mit der Objektivlinse. Fotos werden milchig:

    Milchig. Passt auch zu einem Milchdieb!

    So ist der Fotograf halt zu Engelsgeduld verdammt. Was gar nicht seine Stärke ist.

  3. Hat er dann aber artig seine Kamera akklimatisiert, so hat sich das Warten gelohnt:

    Geduld zahlt sich aus. Oder regelmässiges Linsen-putzen.

  4. Schmetterlinge ruhen sich auch gerne mal auf dem Boden aus, so dass durchaus Vorsicht angebracht ist, wo man hintrampelt:

    Pass auf, du!

  5. Oder aber sie machen ein Nickerchen im Blattwerk:

    Eine kleine Verschnaufpause im Blattwerk.

  6. Oftmals sind sie aber einfach am Saufen:

    Der hat sich einen Drink verdient.

  7. Manche benutzen auch einen gebogenen Trinkhalm dazu:

    Der trinkt mit gebogenem Röhrli.

  8. Und wenn sie fertig gesoffen haben, rollen sie ihren Rüssel feinsäuberlich wieder ein:

    Man muss den Rüssel ja nicht immer raushängen lassen.

  9. Und dann gibt es hübsche Schmetterlingsdamen mit unendlich langen Beinen:

    Ohoo!

  10. … was natürlich unter den streitbaren Männlein zu brutalen Balzkämpfen führt. Mit erschütterndem Resultat:

    Dem hat’s die Flügel verrupft.

    Und der ist gelocht.

  11. Andere wiederum interessieren sich wohl eher für die Abfahrt am Chuenisbärgli als für Frauen, und haben darum die extralangen Antennen für besseren Fernsehempfang ausgefahren:

    Mit denen hat er sicher top Empfang!

  12. Aber nicht nur Sommervögel hat es im Papiliorama, sondern auch echte:

    Quak!

  13. Und vor dem Papiliorama hat’s sogar deren prächtige:

    Rädchenschwingen war nicht drin heute.

  14. Es gibt aber nicht nur Schönes zu schauen, sondern auch Schlaues zu lernen, zum Beispiel über Tropenholz. Und so war ich nicht wenig erstaunt, folgendes Holz kennenzulernen:

    910 kg/cm³!?

    Dessen Dichte übertrifft sogar die von Iridium oder Osmium um ein Mehrfaches. Eindrücklich!

14 Erkenntnisse dürften für einen Tag reichen. Darum:

Gute Nacht!