Im Kanton Zug gilt seit heute Tempo 80 auf allen Autobahnen. Frau Zölch, wann handeln Sie?
Kategorie: Tagebuch
Smogbild
Na, ich will das Bild trotzdem veröffentlichen. Das schadet ja niemandem.
Durch die Kommentare von Jurist Hubi überzeugt bin ich zum Entschluss gelangt, dir das ominöse Bild nicht vorzuenthalten. Und hier ist es (klick für gross):
Die Qualität ist nicht berauschend. Ich habe es eingescannt, da ich trotz mehrmaliger und ausgedehnter Suche auf der espace.ch-Seite nicht fündig wurde. Zwar hat mir der webkundige Hubi einen Link dazu gemailt (wie ist der bloss darauf gestossen?), doch dort ist das Bildli so klein, da sieht man fast gar nichts.
Nicht, dass man auf der gescannten Version mehr erkennen würde, neinnein, aber das liegt lediglich daran, dass der Smog so dicht ist!
Feinstaubsuppe überall
Es ist echt eklig. Und unternommen wird nichts.
Es ist beängstigend. Wenn ich über die Kirchenfeldbrücke fahre und das Bundeshaus nur noch durch einen weisslichen Schleier wahrnehme, wenn ich nicht einmal mehr bis zum Muristalden sehen kann, wenn sich der Münsterturm im Dunst verliert, dann ist etwas wirklich nicht mehr in Ordnung. Und zwar nicht mit meiner Wahrnehmung, sondern mit der Luft hier in Bern.
Der Grenzwert für Feinstaubbelastung liegt bei 50 µg/m³, und darf pro Jahr einmal überschritten werden. In den letzten Tagen wurden in der Stadt Bern Spitzenwerte von bis zu 175 µg/m³ gemessen, insgesamt wurde der Grenzwert in diesem Jahr bereits 21 Mal überschritten (immerhin an 63% aller Tage!). Zugegeben: diese Werte habe ich hier bloss genannt, um einmal all diese lustigen Sonderzeichen wie das µ oder das ³ benutzen zu können. Trotzdem: es beschäftigt mich ernsthaft.
Die heutige Titelseite des «Bund» ziert ein Bild, das einem schon Eindruck machen kann: es zeigt Bern, in eine tiefe Smog-Wolke eingehüllt. Wer es gesehen hat, weiss wovon ich spreche. Na, ist das was? Ja, das ist was! Höchste Zeit, endlich etwas zu unternehmen ist das! Du willst mir ja nicht etwa erzählen, das sei einfach Nebel? Dann fahre du mal mit dem Fahrrad durch diese Suppe. Das riecht dort nicht nach Nebel, das riecht eindeutig… eklig. Und wenn du jetzt sagst, Feinstaub könne man gar nicht riechen, dann habe ich mir das halt vielleicht nur eingebildet. Vielleicht aber auch nicht…
Da kann die Frau Regierungsrätin und Volkswirtschaftsdirektorin Zölch noch lange im Tagesgespräch auf DRS 1 sagen «I bi ganz klar derfür, dass dr Bund jetz unbedingt Massnahme mues prüefe», doch vom Prüfen alleine wird die Luft auch nicht sauberer. Und wenn sie meint, man könne das Problem «nicht auf Knopfdruck» lösen — und das meint sie etwa 4 oder 5 Mal –, dann sollte man halt nicht den Knopf suchen, sondern endlich mal Temporeduktionen verfügen, und schnellstmöglich ein Partikelfilterobligatorium für Dieselfahrzeuge und vor allem Baumaschinen erlassen. Dass das nicht von heute auf morgen geht, ist mir auch klar. Wieso aber gilt dann in Zürich schon seit einem halben Jahr ein solches Obligatorium? Und wieso kann sich nun Winterthur dazu durchringen, ab nächstem Jahr nur noch mit Filtern ausgerüstete Baumaschinen auf den Baustellen zuzulassen, und Bern kann das nicht? Sollte man die verantwortlichen Politiker mal ein paar Minuten lang an einem Auspuff schnüffeln lassen, damit ihre Gehirne auf Touren kommen? Ich hätte nichts dagegen!
eBund.ch: unbrauchbar
Dieses Wirrwarr aus Bund- und anderen Artikeln ist absolut nicht Benutzerfreundlich!
Es ist zum aus-der-Haut-fahren. Die Website meiner Lieblingszeitung, des «Bund», ist ganz und gar unbrauchbar. Seitdem sie in die espace.ch-Seite hineingewurstelt wurde, dem «Berner Modell» sei dank, finde ich nichts mehr. Ich wollte heute einmal meine Meinung über den Feinstaub kundtun. Was würde besser dazupassen, als das Titelbild des heutigen Bundes, die Stadt Bern in einer dichten Smog-Wolke? Ja, und nun suche dieses Bild mal auf der eBund.ch-Website! Keine Chance. Als Hauptartikel begrüsst mich eine Geschichte über den Todespfleger von Luzern, bei den aktuellsten News werde ich auch nicht fündig, die «Bilder des Tages» enthalten das Gewünschte nicht, und sowieso ist mir völlig unklar, ob ein Link nun auf einen Artikel des «Bund» verweist, oder auf einen der «BZ» (oder von mir aus eine der anderen Zeitungen der Espace Media Groupe). So eine chaotische Seite. So mühsam. Nun bleibt mir wohl nichts anderes übrig, als das Bild einzuscannen. Oder mache ich mich so der Urheberrechtsverletzung schuldig?
…und bin wieder zuhause
Es hätte schlimmer sein können. Wirklich!
Noch schläft die Baustelle. Ich kann momentan weder klar artikulieren noch richtig schlucken geschweige denn lachen. Alles ist irgendwie taub, sogar die Zungenspitze. Und trotzdem war’s nicht halb so schlimm wie letztes Mal.
Die oberen Weisheitszähne seien generell weniger problematisch zum entfernen, belehrte mich der Herr Dr. Herren. Und er sollte recht behalten.
Es hat ganz gut begonnen: Ich lag auf dem Schragen, musste mit einem bitteren Wässerchen spülen und wurde dann alleine gelassen. Ich schaute mich in der Praxis ein wenig um, und entdeckte ein Fläschen, das mit «Bichsel» etikettiert war. Ob’s auch ein «Friedli»-Fläschchen gibt? Im Hintergrund lief Musik. Ich hörte genauer hin, und tää-dääääh, tää-dää-dääääh, dadammdammdammdammdam-dam, dadammdammdammdammdam-dam, da kam tatsächlich Thriller von Michael Jackson! Super! Die ideale Musik, um mich auf diese Operation vorzubereiten.
Doch schon ging die Türe auf, und ich wurde in grüne Tücher gehüllt, das heisst: mein Kopf. Ja, super! Da hat’s mal eine hübsche Dentalassistentin, und dann werden einem die Augen verdeckt! Aber was soll’s, dachte ich mir, dann schlafe ich halt ein wenig.
Pustekuchen! Ich wurde aufgeschnippelt, und dann gab’s ein Drücken und ein Reissen, und der rechte Zahn baumelte bereits am Haken in der frischen Luft. Puuh, das ist mal überstanden. Dann also auf zum linken Gesellen.
*Schnippel-schnippel*, *hau-ruck*, fertig. … Oder doch nicht? (Mittlerweile lief die w. nuss vo bümpliz. Eine hervorragende Ablenkung in dieser schweren Stunde). «Die Wurzle isch e hartnäckigi!», meldete sich mir im grünen Dämmerlicht des Doktors Stimme. Da müsse er schnell scharf überlegen, ob er mit der Knochenfräse abhobeln wolle, um den Rest der Wurzel zu entfernen. «I tue mau chli, damit mr’s ömu versuecht hei», meinte er. Ich hätte am liebsten laut NEIIIII! geschrieen, aber mit hundert Haken, Röhren und Spiegeln im Mund bringt man nicht viel mehr als ein dämliches «äähöööaagghh» zustande. Kein Wunder also, dass trotz meines Interventionsversuches geknochenraspelt wurde. Huiui, das ist etwas vom Unangenehmsten, das rumpelt im Kopf wie hundert Pferdehufe auf Kopfsteinpflaster! Doch nach wenigen Augenblicken war die wilde Mustangherde vorübergezogen, und der Doktor grübelte wieder irgendwas im Loch, derweil mich die Assistentin beinahe mit irgend so einem Folterinstrumentenhaken erworggte, den sie mir so weit ins Gurgeli hinab drückte, dass es mich schier lüpfte. Doch zum Glück nur schier und nicht ganz. Am Ende dann wurde das Wurzelbitzli in seiner Höhle belassen und ich zugenäht.
Und so sitze ich nun da, momentan noch ohne Schmerzen, weil betäubt, aber ausgerüstet mit einem Päckli Méfénacide und einem Fläschli Curasept. Das Méfénacide ist ein Generikum (besonders gefreut hat mich, dass Herr Herren die Einzahl von Generika korrekt anzuwenden vermag! Man hört sooo häufig «Lueged si emal, hie hämmer es Generika!», und jedesmal muss ich mich gottsjämmerlich aufregen. Nicht so bei Doktor Herren) und damit deutlich billiger als das originale Ponstan, und mit dem Curasept muss ich drei mal täglich spülen.
Das wärs auch schon. Ich kann dir nicht mal Hamsterbacken bieten, denn die habe ich (noch?) nicht! Ich bin heilfroh, dass ich es nun überstanden habe!