Ehrlichkeit währt am Längsten

Manchmal wirkt ein geschliffenes Mundwerk Wunder, und Ehrlichkeit währt am Längsten, schreibt man das gross oder klein, ich weiss es nicht (das «Längsten» meine ich).

Allgemein bekannt ist ja, dass Restaurants ihre Biergläser direkt vom Grosslieferanten beziehen, und zwecks Werbung erst noch gratis und franko. Also kostet es die Restaurants auch nichts, wenn hin und wieder in Glas in die Brüche geht. Oder wenn an einem Abend plötzlich ein Glas weniger in der Abwaschmaschine landet, als noch am Morgen. Trotzdem zeugt es nicht von guter Erziehung, wenn man ein Glas einfach so mitnimmt.

Ich, der ich in meiner Kindheit in den Genuss hervorragender Erziehung gelangt bin, befand mich heute in einer Beiz, manche Leute würden es auch Spunten nennen, und diese Beiz schenkt ihre Biere in Cardinal-Gläsern aus. Diese Gläser, die haben es mir angetan. Ich bestaunte eines dieser Behältnisse aus durchsichtigem Hartmaterial, aus welchem ich soeben mein Bier getrunken hatte. Es einfach so mitzunehmen, getraute ich mich nicht, meiner Erziehung wegen, und als der Kellner es mir fortnehmen wollte, intervenierte ich deshalb folgendermassen: «Wieviu choschtet de sones Glas? I finde das würklech schön, und möcht’s gärn ha!», beschied ich ihm, und er, der deutschen Sprache nicht ganz so mächtig wie ich, hatte anfänglich eine kleine Schwierigkeit, meinem Gedankenstrang in derselben Richtung zu folgen, wie ich ihn spann. Nach ein paar erklärenden Worten hatte er mein Ansinnen begriffen, und scherzte, die Gläser stünden nicht auf der Getränkekarte und er wisse nicht, wieviel sie kosteten und ob ich denn lieber ein abgewaschenes hätte. «Öh, was? Ja, gärn», konnte ich in meinem Erstaunen brummeln, und schon stand ein abgewaschenes, noch leicht warmes Cardinal-3.3-dl-Glas abhol- und mitnahmefertig vor mir auf dem Tresen.

Ich muss schon sagen: Manchmal wirkt ein geschliffenes Mundwerk Wunder, und Ehrlichkeit währt am Längsten (schreibt man das gross oder klein? Ich weiss es nicht).

Und noch nebenbei: Es guets Nöis (auch wenn ich das schonmal gewünscht habe).

Es guets Nöis!

Ich löse mich nun, nach etlichen Beschwerden seitens Teilen meiner hochwohlgelöblichen Leserschaft, von den Toiletten- und Pissoirbeiträgen, und somit von der mir angedichteten Fäkalfixierung, und wünsche im heutigen Beitrag lediglich ein frohes neues Jahr.

Obschon es mir im Grunde genommen widerstrebt, zu einem vollkommen arbiträren Zeitpunkt aus einem vollkommen willkürlichen Grund ein Fest zu feiern– Moment. Das tut es ja gar nicht! Mag der Zeitpunkt auch noch so zufällig, der Grund auch noch so gesucht sein (weshalb muss das neue Jahr gerade am 1. Januar beginnen? Weshalb überhaupt ein neues Jahr, das Leben geht doch einfach weiter? Und wieso feiert man, wenn man denn schon feiern muss, nicht mittem im Sommer, wo es wenigstens warm wäre, und man bei Wüschtli vom Grill und einem Bier neben der Aare plegeren könnte? Aber item …), ein Fest feiern sollte man allemal!

Deshalb also wollen wir morgen das alte Jahr verabschieden und das neue mit offenen Armen empfangen. Meiner hochwohlgelöblichen Leserschaft, auch jenem Teil davon, der sich in letzter Zeit vermehrt beschwert hat, wünsche ich einen guten Start und einen noch viel besseren Verlauf im 2008. Bleibt mir treu, merci.

Ich persönlich verabschiede mich nun für ein paar wenige Tage in die Weiten der waadtländer Alpen. Ufwiderluege!

Auch die Toilette ist ganz normal

Dass ein Pissoir ganz normal ist, auch im Bellevue, das weiss meine hochwohlgelöbliche Leserschaft mittlerweile. Dass auch die Fäkalierfazilität dem Fünfsternestandard entspricht, kann ich seit heute bezeugen.

Ich musste dringend, und war in der Gegend, also ergriff ich die Gelegenheit und trat ins Bellevue ein. Ennet der Drehtüre war einer mit Staubsauger, der sagte etwas zu mir, das ich nicht verstand, und schon hatte ich Bange, er wolle mich inauskomplimentieren. Auf mein schüchternes «Wie bitte?» jedoch wiederholte er sein soeben Gesagtes: «Guete Abe», und ich war erleichtert und konnte dasselbe zurückwünschen.

Mittlerweile schon ein wenig geübt in solchen Dingen steuerte ich direkt auf die Réception zu und fragte, unglaublich höflich, ob ich die Toilette benützen dürfe. «Aber klar», kam postwendend die Antwort, und so trat ich ein, aber alles sah eigentlich so aus wie beim letzten Mal. Nur dass ich diesmal nicht das Pissoir, sondern die richtige, grosse Toilette benutzte, die, und das muss gesagt sein, allen Komfort bietet, den man von einer handelsüblichen Toilette erwartet. Aber auch nicht mehr.

Nach erfolgreicher Erledigung meines Geschäftes verliess ich den Ort, und beim Hinausgehen wünschte mir der Staubsaugerbediener einen schönen Abend, und gab der Drehtüre einen gehörigen Mupf, so dass ich mich nicht selber bemühen musste, sie in Schwung zu bekommen. Ein wahnsinniger Service! Sogar die Drehtüre wird bedient!

Ob so viel Luxus wird man verständlicherweise müde, und so empfehle ich mich denn mit den allerbesten Wünschen zur Nachtruhe und Nachweihnachtszeit.

Gute Nacht!

Objektophilie

Nun wird’s lustig. Denn Spam hat durchaus auch amüsante Seiten zu bieten.

Von «S. Schmidt» erreichte mich ein Mail mit dem aussagekräftigen Betreff «Neue Anschrift». Das alleine wäre ja noch nicht bloggenswert. Doch der Inhalt ist es. Bezugnehmend auf das Telefonat, das ich anscheinend am 11. September geführt haben soll (wahrscheinlich war ich da auf Drogen, ich kann mich nämlich nicht mehr daran erinnern) wird mir mitgeteilt, dass eine neue Erotikseite online gehe. Die Adresse kann man sich wunderbar merken, kurz und prägnant, wie sie ist: liebezumaschinenfetischismus-objektophilie.de. Aah, ich bedanke mich für die Nachricht! Endlich eine Seite für Männer, die meine Leidenschaft teilen, die sich kaum zurückhalten können, wenn sie eine schöne Pleuelstange sehen, beim Anblick eines Telefons in Wallung geraten und in Liebestollheit verfallen, wenn ihnen ein Elektromotor begegnet!

Es muss hier noch gesagt sein, dass ich keine Verantwortung übernehmen kann, wenn du die erwähnte Seite besucht, und dir dadurch Schaden entsteht!

Kann man das noch Inflation nennen?

Heute Abend wollen wir uns finanzmathematischen Kalkulationen widmen.

Vor geraumer Zeit, das ist noch gar nicht so lange her, da kostete an einem Montagabend im Huerebibeli eine Stange vierfrankenfünfzig, und die Stange fasste handelsübliche 3.3 Deziliter. Mit ein wenig Goodwill darf man das einen Drittelliter nennen, was wiederum mit einer hundskommunen Multiplikation einen Literpreis von 3 × Fr. 4.50 = Fr. 13.50 ergibt.

Vor circa einem Monat dann ist es geschehen. Ich bestellte, wie üblich, «e Schtange», bekam ein 3.3-dl-Glas voller Bier und den Bescheid, es koste «füf Franke, bitte». Hoppla! Naja, dann ist halt das Trinkgeld direkt eingerechnet. Trotzdem wollen wir das im Literpreis ausdrücken, des Vergleiches halber. Mit der bereits oben angewandten Näherung des Drittelliters, und derselben (aber adaptierten) Multiplikation, kommen wir auf folgendes Ergebnis: 3 × Fr. 5.- = Fr. 15.-. Eine Preissteigerung von satten Fr. 1.50 pro Liter.

Und heute, da ist es schon wieder passiert: «E Schtange, bitte», wurde  quittiert von «Das macht de vierfüfzg, bitte.» Oh Wunder, dachte ich, eine Verbilligung? «Es isch drum itz nöi zwe-e-haub Dezi», wurde heimlifeiss nachgeschoben, was den scheinbaren Preisnachlass rechtfertigte. Ich kam ins Grübeln, wenig später ins Rechnen, und präsentiere dir hier das ungeheuerliche Resultat: Bei einer Stangengrösse von 2.5 dl kommen wir auf einen Literpreis von 4 × Fr. 4.50 = Fr. 18.-. Das sind nocheinmal ganze drei Franken mehr als vorher!

Potztausend! Somit bezahle ich nun für dieselbe Menge den Preis einer ganzen Stange zusätzlich, als noch vor wenigen Wochen! Frech, frech, diese Huerebibeler. Aber nun kann ich ja einige Wochen Geld sparen, denn das nächste Konzert des SJO findet erst wieder am 7. Jänner MMIIX statt. Endlich wieder mal Latin-Night!