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Kulturschock

Immer wieder ein Kulturschock: In Zürich aus dem Zug zu steigen und sich Richtung Stadt aufzumachen. Meistens dauert’s keine 3 Sekunden, da erwischt einen bereits der erste Schwall Züritüütsch. „Mir müend da dure“, „Was häsch gsäit?“ oder „Gömmer Starbucks?“ trifft’s mich dann jeweils völlig unvorbereitet, und ich werde mir dann erst bewusst, in welch fremder Sprachregion ich da gelandet bin.

Nur gut, dass zumindest morgen ein wenig Sittsamkeit ins sprachliche Niemandsland gebracht wird: Und zwar mit King Pepes Konzert im Moods. Ich werde es zwar verpassen, dafür kann sich an meiner Statt ein Zürcher einen schönen Dialekt anhören. Und das ist gut so.

Eine sogenannte Wasserbombe

fritteli ist umgezogen! In der neuen Wohnung sieht’s (und hier – aber nur hier! – ist ein Apostroph durchaus angebracht) zwischen Zügelkartons und noch nicht eingeräumtem Krimskrams zwar erst ganz allmählich wohnlich aus, aber die Küche kann man immerhin schon benutzen. Das habe ich hinech, sprich: heute Abend, denn auch getan.

Ich wollte mir ein Käfeli brauen. Ein richtiges! Einen Espresso! Mit einem dieser italienischen Wunderdinger von Bialetti (die mit dem lustigen Mannli drauf!), diesen dreiteiligen Metallkübeln, unten Wasser rein, in der Mitte das Pulver, und mit viel Zeit und der richtigen Menge Wärme plodert dann oben der Kaffee raus, mmmmmh, lecker! Dass er einen dann die ganze Nacht wach hält, ist ein Detail, um welches es hier gar nicht geht, also weg damit.

Da meine Cafeteria geraume Zeit im Keller vor sich hingestaubt hat, wollte ich sie erst mal ordentlich durchspülen. Mit Spülmittel geht das natürlich nicht, und bevor ich so ein magnifizentes Utensil in die Abwaschmaschine stelle, muss zuerst die Aare bergauf fliessen. Bleibt also nach meiner Logik nur noch die Heisswassermethode, sprich: unten Wasser rein, in der Mitte leer lassen – wir wollen ja kein Pulver verschwenden – und dann ab auf den Grill, pardon: Herd damit, bei voller Hitze, damit’s auch ein wenig schneller geht.

Aber was heisst schon schnell. Bis so ein Wässerchen kocht, dauert es stets ein Weilchen, und so schickte ich mich an, die Zwischenzeit mit allerhand nützlichen Dingen auszufüllen. Und just, als mich meine Füsse wieder in die Küche trugen, ging’s los: ZIIIIIISCHSCH-SPRIIIIITZ!! PFFFFFFFRRRTSCHSCHSCHSCH tönte das kleine Maschinchen, einen settigen hueren Meis hätte ich dem kleinen Ding nie im Leben zugetraut, das heimlifeisse Kännchen, das, heimatlandnomau! Beherzt spurtete ich hin und zog’s vom Herd, worauf augenblicklich Ruhe einkehrte. Eine genaue Betrachtung der Sachlage offenbarte, dass der akustische Eindruck die tatsächliche Wirkung um ein Vielfaches übertroffen hatte: Ein kleines Wasserglünggli auf dem Kochherd war das einzige, was vom Höllenlärm übriggeblieben war. Noch einmal Glück gehabt! Das wäre mir jetzt noch gewesen, schon am dritten Tag die Küche mit heissem Wasser abgefackelt! Botzcheib!

Pilgern wir Berndeutsch

Heute widme ich mich dem schönen berndeutschen Dialekt. Keinesfalls möchte ich mich dir, Leser, Leserin, als Experte in dieser Domäne aufoktroyieren, obwohl mir jeder, der mich kennt, meine Allwissenheit auf dem Gebiet des dialektischen Sprachaustausches augenblicklich bescheinigen würde, habe ich diese meine Kompetenz doch bei mannigfaltiger Gelegenheit souverän und, ich wage zu behaupten, mit dem Prädikat „ausgezeichnet“ unter Beweis zu stellen gewusst, nicht ohne dabei jedoch stets bescheiden und devot durchs Leben zu wandeln, mich den einfachen Dingen des Daseins zu widmen und immerdar auf der Hut zu sein, der dräuenden déformation professionnelle nicht anheim zu fallen.

Pilgern wir nun also auf den verschlungenen Pfaden der berndeutschen Ausdrucksweise, welche sich in Wörtern suhlt, die da lauten figureetle, grümschele oder Schnäbizägg, derweil mich der Duden lehrt, dass die hochdeutsche Sprache so hässliche Wörter wie Fracksausen haben, Kontrahage und Proktospasmus ihr eigen nennt, wobei die Bedeutung des Letzteren akkurat mit dem Klang des Wortes kongruiert. Dann noch lieber eine Revolverschnauze.

Jedoch!, genug gemärt, drosseln wir den Redefluss und lassen die Gedanken langsam abebben, auf dass wieder Ruhe einkehren möge. Denn die Stunde ist bereits fortgeschritten, und so geziemt es sich für mich, dich, Leser, Leserin, deines Weges ziehen und dir deine wohlverdiente Nachtruhe zuteil werden zu lassen. Mögest du dich ergötzen an süssen Träumen und dich laben am erholsamen Schlafe, der dich ereilen wird, sobald du dich in deinem behaglichen Bett aalst.

Bevor Fragen auftauchen: Diese Abhandlung ist gänzlich ohne Influenz von Alkoholika oder andersgearteten bewusstseinserweiternden Drogen entstanden. Zur Produktion mässig-interessanter Schriftartefakte reichen mir ein Duden und ein Online-Thesaurus vollumfänglich aus.

Ich wünsche eine gute Nacht