Das schnellste Internet der Welt

Eine mir lose bekannte Person leitete mir eine Propaganda-E-Mail eines schweizer Telekommunikationsanbieters weiter, deren Kunde sie ist. Dies tat sie wohl in der Absicht, mich neidisch zu machen, denn was in besagtem elektronschem Pamphlet zu lesen ist, ist folgendes:

Fwd: J*** M***, Sie haben Zugang zum schnellsten Internet der Welt! 🚀

Betreff besagter Nachricht, Namen geschwärzt

Bereits diese Zeile enthält in doppeltem Sinne Unsinn. Denn:

  1. Es gibt keine unterschiedlich schnellen Internets, denn es gibt nur das Internet, und demnach gibt es auch nicht das «schnellste Internet der Welt».
  2. Die Aussage, man habe Zugang zu diesem sogenannt «schnellsten Internet», ist vollkommen wertlos, denn über die Geschwindigkeit des Zugangs an sich wird hier nichts bekannt. Es nützt mir schliesslich nichts, wenn ich mit meinem Ferrari Zugang zu einer sechsspurigen Autobahn ohne Tempolimit habe, der Weg dazu aber ein holperiges und schmales Feldweglein mit Schlaglöchern ist (überdies besitze ich keinen Führerschein und darf nicht einmal den Schlüssel ins Zündschloss meines Ferraris stecken).

Weiter geht es in der E-Mail mit Inhalt:

Ein Grund zum Feiern: Salt Home bietet nachweislich das schnellste Internet der Welt.

Der erste Satz des Nachrichteninhalts

Ups. Damit ist schon mal klar, um welchen Telekommunikationsanbieter es sich handelt. Dass Salt aber das gesamte Internet anbietet, dünkt mich eine geradezu lächerliche Übertreibung. Denn oben haben wir gelernt: Es gibt nur ein einziges Internet, demzufolge ist «das schnellste Internet» auch das einzige Internet, und wenn Salt dieses «schnellste» Internet anbietet, macht dies Salt zum alleinigen Anbieter des Internets.

Überdies: Wie will man «das Internet» überhaupt anbieten? Einen Internetzugang kann man anbieten. Das Internet an sich eher nicht.

Weiter möchte ich die Meldung gar nicht sezieren. Mir reichen diese ersten beiden Fragmente, um mich bestätigt zu sehen, dass ich mit meinem aktuellen Anbieter eigentlich ganz zufrieden sein kann.

Ohn› Telefon, ohn› Kommunikation

Ich habe ein erstaunlich internetfreies Wochenende hinter mir. Dies nicht ganz freiwillig, allerdings wohl auch nicht zu meinem Schaden. Als störend kann höchstens empfunden werden, dass nebst dem fehlenden Internet auch das Telefon geschwiegen hat. Und zwar sowohl ein- als auch ausgehend. Und dies kam so:

Irgendwann im Verlaufe des Sonntagnachmittages wurde es still auf der Telefonleitung. Das Freizeichen blieb aus, wenn wir den Hörer abnahmen, und wenn wir versuchten, von beliebigen mobilen Telekommunikationsendgeräten auf unseren Festnetzanschluss zu verbinden, wurden wir umgehend mit einem Besetztzeichen abgewimmelt.

Auch die Internetverbindung verhielt sich verdächtig ruhig, soll heissen: War dem Tod näher denn dem Leben. Kein einziges Bit fand den Weg weder nach aussen noch nach innen.

«Ja super, hei di Giele bi Orange wider mau öppis küngelet! Gratuliere!», dachten wir, und geduldeten uns.

Am Montagmorgen: Totenstille auf allen Leitungen. Also griff ich zum Hörer meines vorübergehenden mobilen Telekommunikationsendgerätes und wählte die Gratishotline von Orange. Ich wählte mich wie ein Wilder durch den automatischen Sprachdienst, um am Ende Bescheid zu kriegen, ich sollte bittesehr auf die andere Hotline, die für die technischen Fragen, anrufen, die wo elf Rappen pro Minute kostet. Was ich dann auch tat. Oder besser gesagt: versuchte, denn 0900er-Nummern sind von meinem vorübergehenden mobilen Telekommunikationsendgerät gesperrt. Ebenso von dem Corni seinem, und von den flitterwochigen Roman und Inés war in diesem Moment keine grosse Schützenhilfe zu erwarten.

Dann also ab in die Telefonkabine, notabene mit dem grossen, dicken Ordner, der alle Orange- und Swisscom- (und sonstigen) -Unterlagen enthält. Postcard in den Schlitz, und — dann der Ärger: Offensichtlich funktioniert die Postcard an den öffentlichen Telefonen bereits nicht mehr. Dann halt wieder zurück in die WG, um alles vorhandene Münz zusammenzukratzen, denn wer weiss, wie lange man in der Warteschlaufe verweilen muss, bis man endlich an die Reihe kommt, und das kann dann teuer werden.

Mit genügend Kleingeld ausgestattet startete ich den zweiten Versuch. Die Warteschlaufe entpuppte sich als angenehm kurz, und der orange Herr am anderen Ende der Leitung als angenehm freundlich und hilfsbereit. Bereits nach kurzer Zeit hatte er das Problem als sich in der Swisscom-Zentrale befindlich eruiert.

So wählte ich dann halt die zum Glück kostenfreie Störungsnummer der Swisscom, wo ich nach Nennung der gestörten Telefonnummer vom sympathischen Frollein als «Herr Hellfiger» begrüsst wurde. Nunja, Häfliger ist für deutsche Zungen allem Anschein nach ein komplizierter Name.

Jedenfalls wurde für unseren Anschluss ein Trouble-Ticket eröffnet, und am Abend um sieben ereilte mich der Telefonanruf eines weiteren freundlichen Frolleins (arbeiten da eigentlich ausschliesslich freundliche Frolleins, bei der Swisscom?), sie müssten uns einen Techniker ins Haus schicken, und das würde «am Zischtig morge zwüsche achti u zwöufi» passen. Hey! Hervorragend! Ich liebe präzise Zeitangaben!

So blieb ich denn heute Morgen zu Hause, des Technikers harrend, der da kommen möge.

Er kam, sah, und schraubte. «E Churzschluss uf dr Leitig» diagnostizierte er, flickte die Chose, und Telefon und Internet funktionieren seither wieder Reibungslos.

Das ist denn auch der Grund, dass ich hier und jetzt bloggen kann. Ist die Technik nicht ein gar wundersames Ding?

Giacobbos Wikipedia-Verhunzete

Hast du auch den Late Service Public vom Satirikergespann Giacobbo/Müller gesehen, am letzten Sonntag? Ich auch. Und ich hasse es, das sagen zu müssen, aber ich habe das gar nicht so wahnsinnig lustig gefunden. Wie gerne hätte ich pausenlos gelacht, und wie gerne würde ich heutzutage sagen können, das sei jetzt aber e gar glatti Sach, dass der Viktor wieder am Schweizer Fernsehen auftrete und satiriere! Nur leider kann ich das nicht sagen. Wer weiss, vielleicht bringt’s die nächste Sendung mehr.

Zumindest in einem Bereich aber konnte die Sendung zweifellos einen gewissen Rummel auslösen: Dadurch, dass der Viktor «live» während der Sendung den Wikipedia-Artikel von Mike Müller euphemisiert hat, wurde anscheinend eine kleinere Lawine von Nachahmern losgetreten, die beim hinunterkullern ins Tal ebenfalls Spuren auf Wikipedia hinterliessen.

Aber war die Aktion von Viktor wirklich live?

Wie wir alle wissen, besitzt bei Wikipedia jede Seite ihre eigene Versionsgeschichte, jede Veränderung ist nachvollziehbar und öffentlich einsehbar. Ich vollzog also mal nach und sah öffentlich ein.

Änderung am 12. Dez. 2007, 14:06 Uhr: Von der IP-Adresse 62.2.239.126 aus wird aus dem «Schauspieler Mike Müller» der «grossartige Schauspieler Mike Müller». Knappe anderthalb Monate vor Ausstrahlungstermin der Pilotsendung also. Die IP-Adresse gehört dem Schweizer Fernsehen– pardon: der SRGSSRIDEESUISSE, oder wie sie sich auch immer nennen mögen.

Um 15:20 Uhr desselben Tages ist der grossartige Schauspieler wieder zum normalen Schauspieler degradiert.

Ab 22:24 am 27. Januar 2008 geht’s dann los: Zuerst mal schreibt ein Witzbold «HALLO VIKTOR!» in mehreren Variationen, um 22:25 folgt ein «Ciacobo heb de lade», was eindeutig vom hohen Bildungsstand, der fundierten Kenntniss italienischer Geschlechtsnamen und der offensichtlichen Kreativität des Fernsehpublikums zeugt.

Interessant wird es,  wenn kurz darauf von der IP-Adresse 146.159.4.201 aus geschrieben wird «[Viktor] Ist ein voll-Idiot als late-Night Talker …». Interessant deshalb, weil uns whois verrät, dass diese IP ebenfalls dem SRGSSRIDEESUISSE-Netz zugehörig ist. Ob sich da ein eifersüchtiger Berufskollege den Frust von der Seele geschrieben hat? Etwa gar Roman Kilchsperger oder Chris von Rohr, denen mit Black’n’Blond nur wenig Erfolg beschieden war? Man weiss es nicht …