Giacobbos Wikipedia-Verhunzete

Hast du auch den Late Service Public vom Satirikergespann Giacobbo/Müller gesehen, am letzten Sonntag? Ich auch. Und ich hasse es, das sagen zu müssen, aber ich habe das gar nicht so wahnsinnig lustig gefunden. Wie gerne hätte ich pausenlos gelacht, und wie gerne würde ich heutzutage sagen können, das sei jetzt aber e gar glatti Sach, dass der Viktor wieder am Schweizer Fernsehen auftrete und satiriere! Nur leider kann ich das nicht sagen. Wer weiss, vielleicht bringt’s die nächste Sendung mehr.

Zumindest in einem Bereich aber konnte die Sendung zweifellos einen gewissen Rummel auslösen: Dadurch, dass der Viktor „live“ während der Sendung den Wikipedia-Artikel von Mike Müller euphemisiert hat, wurde anscheinend eine kleinere Lawine von Nachahmern losgetreten, die beim hinunterkullern ins Tal ebenfalls Spuren auf Wikipedia hinterliessen.

Aber war die Aktion von Viktor wirklich live?

Wie wir alle wissen, besitzt bei Wikipedia jede Seite ihre eigene Versionsgeschichte, jede Veränderung ist nachvollziehbar und öffentlich einsehbar. Ich vollzog also mal nach und sah öffentlich ein.

Änderung am 12. Dez. 2007, 14:06 Uhr: Von der IP-Adresse 62.2.239.126 aus wird aus dem „Schauspieler Mike Müller“ der „grossartige Schauspieler Mike Müller“. Knappe anderthalb Monate vor Ausstrahlungstermin der Pilotsendung also. Die IP-Adresse gehört dem Schweizer Fernsehen– pardon: der SRGSSRIDEESUISSE, oder wie sie sich auch immer nennen mögen.

Um 15:20 Uhr desselben Tages ist der grossartige Schauspieler wieder zum normalen Schauspieler degradiert.

Ab 22:24 am 27. Januar 2008 geht’s dann los: Zuerst mal schreibt ein Witzbold „HALLO VIKTOR!“ in mehreren Variationen, um 22:25 folgt ein „Ciacobo heb de lade“, was eindeutig vom hohen Bildungsstand, der fundierten Kenntniss italienischer Geschlechtsnamen und der offensichtlichen Kreativität des Fernsehpublikums zeugt.

Interessant wird es,  wenn kurz darauf von der IP-Adresse 146.159.4.201 aus geschrieben wird „[Viktor] Ist ein voll-Idiot als late-Night Talker …“. Interessant deshalb, weil uns whois verrät, dass diese IP ebenfalls dem SRGSSRIDEESUISSE-Netz zugehörig ist. Ob sich da ein eifersüchtiger Berufskollege den Frust von der Seele geschrieben hat? Etwa gar Roman Kilchsperger oder Chris von Rohr, denen mit Black’n’Blond nur wenig Erfolg beschieden war? Man weiss es nicht …

3 Gedanken zu „Giacobbos Wikipedia-Verhunzete

  1. Ist ja nicht wirklich etwas Neues, das Giaccobo mit dieser Aktion „beweisen“ wollte. Das Prinzip der Wikipedia ist eben offen für Manipulationen aller Art. Es wird wahrscheinlich einen Haufen Nachfolgetäter geben, die das Verhunzen selbst irgendwo ausprobieren wollen. Wie lustig!

  2. Von Rohr war es wohl eher nicht, denn der arbeitet meines Wissens nicht bei der SRG.
    Was den Artikel angeht: An der Nummber fand ich eher bedenklich, dass V.G. darin gewissermassen das fälschliche Verändern von Wikipedia einträgen propagiert. Das ist auch als Witz nicht lustig, Wikipedia leidet schon genug darunter und darf daher, trotz der teilweise sehr hohen Qualität der Beiträge, an vielen Unis nicht als Quelle angegeben werden. (Bei euch Informatikern in Bern offenbar schon, wie ich gestern der Masterarbeit eines eurer Kollegen entnehmen konnte).

    In punkto Lustigkeit der Sendung: Da werden die zwei noch ein wenig dran feilen müssen. Müller ging in der Sendung total unter und Giacobbo ritt wiederholt etwas zu lange auf einem Thema rum, was schnell ins Peinliche kippt. Zudem war seine Satire weitgehend böse. TV Guide titelte mit „Der Hohepriester der Ironie“. Treffender wäre gewesen „Der Inquisitor des Sarkasmus“.
    Kam noch dazu, dass viele der Gags ein grosses Vorwissen verlangen, um sie überhaupt verstehen zu können. Das mag unter Akademikern nicht so ein Problem sein, für Büezer gibt’s dann aber vielleicht nicht mehr so viel zu lachen.
    Der vermeintlich sensationelle Start (in punkto Einschaltquoten) ist wahrscheinlich ebenfalls ein Frühstart der Medien gewesen. Jeder wollte doch schliesslich das erste Mal reinschauen. Wieviele es WIEDER schauen werden, das ist wirklich interessant.

    Last but not least haben mich bisher keine der neuen Formate, die unter Deltenre erschienen sind, überzeugen können. Ich frage mich, wie lange sich DIE noch halten kann.

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