Ominöser Citroën

Velofahren ist für schreckhafte Naturen wie mich einfach gefährlich. Ich hatte gerade die Kirchenfeldbrücke überfahren und zockelte nun gemächlich obsi Richtung Thunplatz, als ich von einem unerhört lauten Huupi beinahe zu Tode erschreckt wurde! Mit rasendem Herzen und pochenden Nerven (?) drehte ich mich im Sattel nach dem Übeltäter um und erspähte vielleicht hundert Meter hinter mir eine dunkle Zitrone, die ebenfalls den Hoger hinaufschlich. „Cha das vilecht dr Mèèrc si, wo mi da möcht begrüesse?“, schoss es mir durch den Kopf. Aber s’Nuspligers Auto ist, so viel ich mich erinnere, grün, und nicht dunkelbraun wie jenes Exemplar. Also drehte ich mich um und fuhr -nun wieder einigermassen beruhigt- weiter.
Jedoch blieb ich nicht lange ungestört! In Bälde schon hatte mich der ominöse Wagen erreicht und fuhr nun langsam neben mir her! Was sollte ich tun? Ein gewagtes Ausweichmanöver nach rechts? Geht nicht, da stehen überall Autos! Flucht nach vorne und ab durch die Mitte? Geht auch nicht, da bin ich zu langsam, gegen 100 PS bin ich machtlos! Oder etwa einfach vors Auto fallen lassen und schreien wie am Spiess? Aber was bringt mir das? Fieberhaft arbeitete es hinter meiner Stirn und ich sah schon keine andere Möglichkeit mehr, als das Velo hinzuschmeissen und fortzurennen, da senkte sich die Beifahrertürenautofensterscheibe.
Ich getraute mich kaum, hinzuschauen, aber was will man schon machen? Die Neugierde besiegte die Vernunft, und so drehte ich meinen Kopf nach links und spähte ins Wageninnere. Dort sass hinter dem Steuer ein sympathischer älterer Herr, der mir freundlich zurief: „I ha da nume es paar Bekannti uf dr Strass grüesst!“ Ach so! Puh, war ich erleichtert! Und ich dachte schon, er würde mich demnächst mit Zitronenpower zu Mus verarbeiten! Noch mal Glück gehabt.

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