Wahlen stehen an

Wahlen stehen an, und Wahlplakate stehen allenthalben auf der Strasse herum. Es gibt viel zu entdecken.

Da wären zum Beispiel die drei gewinnend lächelnden Herren. «Ein Mann, ein Wort!» steht in grossen Lettern auf dem Plakat, und unten ist zu lesen, dass es sich hierbei um «MP – Die Männer-Partei» handelt. So kommt denn nun endlich die Re-Emanzipation, und die Männer wollen die Frauen wieder an den Kochherd stellen und vom Rednerpult im Nationalratssaal verbannen? Naja, man wird sehen.

Nicht weit davon finden wir ein Plakat der Schweizer Demokraten. «Die Schweiz den Schweizern!» verkünden sie lautstark. Ich möchte darüber keine weiteren Worte verlieren.

Zu guter Letzt strahlt uns, mit Hitlerschnäuzchen verziert, das Konterfei unseres lieb gewordenen Thommy F. entgegen.  Er ist, so steht’s geschrieben, «Im ganzen Kanton wählbar». Oje! Hat er wirklich so beschränkte Wähler, dass er sie extra noch darauf hinweisen muss? Der kann einem ja direkt leidtun.

Damit wir hier mit erheiterndem Material den Beitrag abschliessen können, will ich noch kurz berichten, dass mir gestern auf der Kirchenfeldbrücke ein junger Mann entgegenkam, der ein T-Shirt mit einem Spruch trug, welcher mich doch tatsächlich mitten auf dem Fahrrad zum spontanen Lachen brachte. Und zwar sprach das T-Shirt: «Elfen haben doofe Ohren». Wie recht es doch hat!

Die staatsbürgerliche Pflicht

Meine staatsbürgerliche Pflicht ist mir in Form einer Verfügung ins Haus geflattert. Das macht schon Eindruck,  wenn auf diesem offiziell wirkenden Blatt Papier so Sachen geschrieben stehen, wie zum Beispiel: «Es gehört deshalb zu den staatsbürgerlichen Pflichten, dass die Stimmberechtigten […] eingesetzt werden können.», oder: «Der Gemeinderat der Stadt Bern hat Sie […] gewählt.» Potzblitz! Da haben die also am runden Tisch diskutiert, und schliesslich hat der Alex persönlich gesagt, «So, mir wähle jitz, i Stimme für e Mänu Friedli, wär isch derfür?», und am Ende waren alle dafür, und deshalb bin ich nun gewählt? Ich fühle mich gebauchpinselt!

Sogar ein Ernennungsschreiben habe ich als Beilage erhalten, und ein Auszug aus den kantonalen und städtischen Vorschriften.

Aber wofür wurde ich den gewählt, zu was ernannt? Ich will es dir verraten: Ich wurde auserkoren, an den kommenden National- und Ständeratswahlen an Samstag und Sonntag an der Urne zu sitzen und aufzupassen. Dies also ist meine staatsbürgerliche Pflicht, und ich würde die ja sehr gerne wahrnehmen, nur leider passt sie mir so ganz und gar nicht in meinen Terminkalender. So muss ich jetzt wohl oder übel ein Dispensationsgesuch schreiben, und hoffen, dass eine Probe mit der RBB am Sonntag Morgen als zwingender Grund für Absenz akzeptiert werden wird.

Die neue Passerelle

Die Bollwerksüberführung ist fertig (und weil Passerelle passabler tönt, schreibe ich’s so im Titel). Mir wird so etwas wieder nicht gesagt, und wenn ich’s nicht selber herausgefunden hätte, vor einigen Tagen, dann dächte ich wohl immer noch, die seien dort am schrüblen und pützerlen.

Sind sie aber nicht mehr. Und so straht denn das Bauwerk aus kühlem Beton in frischem Glanz. Schöner als die alte Bollwerküberführung ist die neue allemal, wenngleich ich den betonenen Rettungsring schon vermisse. Oder sagt man betonen? Jedenfalls den aus Beton.

Den Aufzug haben sie noch nicht in Betrieb genommen. Ich frage mich aber sowieso, wie der funktionierten soll: Oben fehlen die obligaten Drahtseile, und diese Hydraulikpumpe untendran macht eher den Eindruck einer Notbremse, als den eines ausgewachsenen Antriebes. Wie dem auch sei, ich sollte mich sowieso darauf einstellen, die Treppe zu benutzen. So tue der Umwelt und vorallem mir einen gefallen, denn Treppensteigen ist gesund und sportlich, hält jung und strahlt ein positives Lebensgefühl aus.

Du merkst, ich versuche krampfhaft, mich selbst davon zu überzeugen.

Ach ja… wie lange es wohl dauert, bis die erste der vielen Glasscheiben einem Vandalen zum Opfer fällt? Ich tippe auf knappe zwei Wochen. Hält jemand dagegen?

Dunkel war’s, der Mond schien nicht helle

«Heute im Versmass», hatte ich mir gerade eben noch gedacht, aber als ich mir das Unterfangen näher überlegte, schien es mir doch ein gar hochgestecktes Ziel. Den Beginn hätte ich noch bald einmal zuweg gebrösmelt gehabt, aber schreibe du mal einen ganzen Blogeintrag verseweise! Eben, und ich kann es auch nicht.

Der Anfang hätte ungefähr so gelautet:

Ein Friedli stand am Pissoir, ganz still und stumm.
Da plötzlich wurd‘ es dunkel, so um ihn ‚rum.
Der Friedli staunte gar nicht schlecht,
die Dunkelheit war ihm nicht recht,

… ja, und hier geht mir eben das Versmass aus. Deshalb will ich noch in Prosa erzählen, wie es mir heute an der Urinierfazilität ergangen ist.

Ich trat ins Männerklo im Ali Baba, und traf auf Dunkelheit. Weit und breit war kein Lichtschalter zu erblicken, und so schloss ich scharfsinnig, dass es hier einen Bewegungsmelder mit gekoppelter Lichtemissionsanlage geben müsse. Ich sprang in die Höhe und winkte mit den Armen, dass der Marco Wölfli, der, so munkelt man, seit geraumer Zeit schon kein Tor mehr verhindert hat, vor Neid erblasst wäre, hätte er mich so gesehen.

Mein Ansinnen, Licht zu provozieren, war von Erfolg gekrönt, und ich konnte meiner Blase in lichtem Lampenschein Linderung vom unangenehmen Druck verschaffen. Jedoch! Just in dem Moment, da dieselbe sich von demselben befreit hatte, dunkelte es bereits wieder. Das Licht schaltete sich geräusch-, aber nicht wirkungslos aus. Ich kam mir einigermassen gelackmeiert vor, mit offenem Hosenschlitz im Dunkeln. Also packte ich flugs ein, was einzupacken war, denn das kann ich auch ohne visuelle Rückkopplung, und wiederholte meine Torhüterturnübungen, um das Licht wieder hervorzuzaubern, was mir auch ein weiteres Mal gelang.

Also sportlich herausgefordert und urinal erleichtert verliess ich den düsternden Ort, nicht aber ohne mir so meine Gedanken zur eben erlebten Dunkelheit zu machen. Was ich mir so im Detail überlegt habe, das kann ich jetzt auch nicht mehr reproduzieren, aber in der Quintessenz lief es ungefähr auf das hinaus, was du soeben gelesen hast. Ich erspare mir deshalb weitere Worte, und gleite langsam, aber sicher, hinüber ins Traumland, wo mich hoffentlich hell erleuchtete Urinale oder andere Annehmlichkeiten erwarten werden.

Gute Nacht!

Die tönd tömmer als d Chind!

Alte Leute haben ja nicht einfach etwas gegen Kinder. Sie haben etwas gegen alle anderen Leute. Besonders, wenn diese ein wenig lauter sind als sie selber.

Vielleicht nicht alle Alten, aber ganz sicher die beiden älteren Damen, neben denen ich gestern im Zug von Zürich nach Bern nach Hause zu fahren das Vergnügen hatte. Sie konnten absolut keinen Gefallen an den anwesenden Welschen finden, die es unter sich überaus lustig hatten, und häufig einen lauten Lacher in den Zugwaggon ausstiessen.

Wenn sich die beiden Frauen aufregten, hörte sich das zum Beispiel so an:

«Die tönd tömmer als d Chind!» — «Jaahaaaa … Froid am Lache.» — «Tumm tue!»

Eine relativ einsilbige Angelegenheit zwar, trotzdem liess sich ein gewisses Missfallen dem Lautstärkepegel gegenüber nicht abstreiten. Als ebenfalls ganz interessant erwiesen sich die Gespräche, die sich ergaben, wenn die eine Frau die Bahnhöfe rezitierte, die wir gerade im Schnellzugstempo passierten:

«Olte.» – «Was?» – «Olte!» – «Olte …» – «Ja.» – «Mhm.»

Und nicht zu vergessen bleibt die denkwürdige Konversation über den Autobahnverkehr, den man vom Zug aus hervorragend überblicken konnte:

«Es hätt viil Vechehr!» – «Jaa, viil Vechehr.»

Dazu gilt es vielleicht noch zu erläutern, dass weder Stau noch stockender oder andersgearteter Kolonnenverkehr herrschte, sondern sich ein flüssiger Strom von zügig fahrenden Autos über die Autobahn ergoss. Das entspricht nicht ganz meiner Vorstellung von viel Verkehr, aber da gehen die Meinungen wohl auseinander.

Zum Abschluss noch ein Zitat der einen Frau, bezüglich lärmenden Zuggästen:

«Jaja, da chammer am Sunntig immer erläbe!»

Gestern war Mittwoch …