Woche Zwei

Nun ist bereits die zweite Woche vorbei, und eigentlich vergeht die Zeit wie im Fluge. Trotzdem bin ich froh, übers Wochenende der bierfurzvergasten ZSA-Luft den Rücken kehren zu können, die Atmosphäre schwelender Homoerotik hinter mir zu lassen und die allgegenwärtige Warterei vergessen zu können. Und auf eine Mahlzeit ohne Braune Sosse™ freue ich mich auch schon. Obzwar ich mich nicht beklagen sollte, denn in der letzten Wochen assen wir zwei mal in einer anderen Kaserne und wurden entsprechend nicht von der Küche Aarau verpflegt. Und siehe da, es gibt sie, die Menus ohne Fleisch, die Braune-Sosse™-losen Mahlzeiten! Anscheinend kocht man bloss in Aarau noch nach Ordonnanzkochbuch 41.

Ansonsten gibt es von der letzten Woche kaum etwas zu berichten, Besuch von höheren Offizieren hatten wir keinen – ich warte nach wie vor auf eine motivierende Ansprache von Oberst-«Ihr möchid das guet, ihr möchid en suubere Job, d Militärmuusig isch wichtig»-Grob. Und so geniesse ich nun erst mal das Wochenende. Vielleicht passiert da ja was.

Es goht um dr Khlang!

So ein WK birgt immer wieder eine erzählenswerte Anekdote. Da kommt zum Beispiel so ein Männlein des Schweizerischen Impotenzzentrums für Militärfragen zu Besuch, und sagt, es sei ja sonst nicht seine Art, eine Probe zu unterbrechen und etwas zum Musikalischen zu sagen. Aber der Klang gefalle ihm gar nicht. Er habe gerade letztens die Guggenmusik der Schweizer Armee gedirigiert, und obwohl die seine Klangübungen weiss Gott nicht nötig gehabt hätten, «waiss Gott nitt!», habe er sie halbstundenweise lang durchgezogen. Es gehe hier ausschliesslich um den Klang, und um nichts anderes, aber wahrscheinlich hätten das 50 % von uns nicht begriffen, so wie wir vermutlich sowieso noch nie jemals etwas begriffen hätten. Das Fundament eines jeden Klanges sei die bedingungslose Hygiene und ein jederzeit korrektes Tenue. Begründet hat er das allerdings nicht. Konnte er auch gar nicht, ist er doch bloss ein Major, und seinem eigenen Bekunden nach «isch das gar nütt!». Dass wir nicht aufeinander hörten, «das find ich s Hinterletschti», und sowieso: da werde gemotzt, wenn ein unsinniger Befehl daherkommt, und «das goht doch nitt!».

Ja, so hat er also in der ersten Woche getobt, der Abklatsch eines HD Läppli. Mal schauen, was die zweite bringt.

Einen Verein haben wir aber noch immer gegründet!

Geistiges Eigentum ist ja eigentlich, wenn man so will, das einzige wirkliche Eigetum, das dem Geiste, so er denn derart gewappnet ist, zum Gedenken bleibt. Deshalb, und dafür habe ich mich seit jeher schon  stark gemacht, ist die musikalische Verbreitung  desselben auch die edelste und höchste Pflicht eines jeden Eidgenossen.

Ich sehe es als meine höchste Pflicht an, auch wenn ich nicht persönlich mit dem Willi und seinen Schwörkumpanen auf dem Rütli zusammengekommen bin. Von dieser Warte aus gesehen bin ich also gar kein Eidgenosse. Aber item, es geht hier um die musikalische Verbreitung geistigen Eigentums, und nicht um meine Zugehörigkeit in irgend einem dubiosen Bund von Aufrührerln.

Ich kehre also zurück zum Ausgangspunkt der Diskussion, der da wäre: Besagte musikalische Verbreitung geistigen Eigentums. Weil ebendiese bislang auf dieser unserer Erde arg zu kurz gekommen zu sein scheint, wurde heute Abend ein Verein gegründet, der es sich zum Ziel gesetzt hat, ebendiese zu fördern. Und Fondue zu essen, denn unser Milch- und damit Käseüberschuss will auch irgendwie konsumiert sein.

Ich verabschiede mich nun mal in Richtung Bett, denn morgen muss ich stramm stehen können und dem Oberleutnant Männlein machen. Oder auch nicht. Jedenfalls bin ich müde. Gute Nacht!

Die Wehrpflicht ruft

Ich freue mich zum Beispiel über Kürbiskuchen. Aber auch gegen eine dicke Salamiwurst habe ich nichts einzuwenden. Oder eine Tafel Schokolade. Einfach lieber keinen verfaulten Fisch, denn Fisch mag ich nicht besonders. Sonst darf man mir aber fast alles schicken, in Form eines Fresspäcklis, das bis zu 5 Kilogramm schwer sein darf, und mit dem Vermerk «Feldpost» vollkommen gratis verschickt werden kann. Wohin? Hierhin:

Schlz Manuel Friedli
Mil Spiel Log Br 1 (A)
Militär 95537

Für die nächsten drei Wochen bin ich dort erreichbar, und um noch gerade etwas Propaganda zu verbreiten, platziere ich hier einen dezenten Hinweis auf unsere Konzerte:

Montag, 15. Oktober, 20:00 Uhr: Lötschbergsaal, Spiez (BE)
Dienstag, 16. Oktober, 20:00 Uhr: Kulturzentrum Braui, Hochdorf (LU)
Mittwoch, 17. Oktober, 20:00 Uhr: Mattenhofsaal, Gümligen (BE)

Nun weisst du alles. Ich freue mich über regen Postverkehr.

Und zum Schluss noch dies: Im Quasimodo ist der Name Programm. Mit einem Gesicht wie dem des Glöckners von Notre Dame fügt man sich da nahtlos in die Umgebung ein.

PEZ! Oder … zumindest beinahe.

Oh Freude des Gaumens, o Lichtblick im trüben Alltag! So ein PEZ-Maschinchen ist wirklich goldig.

Bei mir im Rucksack gammelt schon seit geraumer Zeit, genauer gesagt, seit meiner Deutschlandreise mit der MGBBM, eine Fiona (die vom Shrek) im PEZ-Format herum. Leider leert sich so ein Gerät immer viel schneller, als es wieder aufgefüllt ist, und das betrübt.

Doch heute dachte ich, alles werde sich nun zum Besten wenden: Alswie wir uns auf dem Weg in die Pause befanden, und an den Stehtischchen im Foyer der Mensa vorbeischritten, gewahrten wir nullkommaplötzlich einen grossen Haufen ominöser Paketchen, die sich bei näherem Hinschauen als PEZ-artige Täfelipackungen herausstellten, gefüllt mit kleinen Traubenzückerchen im anscheinend richtigen Format. Ich hamsterte alle ein bediente mich äusserst moderat, und freute mich darauf, nach der Pause meine liebe Fiona durch bestücken zu beglücken.

Doch das Leben spielt einem Streiche, und was musste ich feststellen? Die Täfeli sind zu dick! Zu breit, eigentlich, und so passen sie nicht in Fionas schlanken Körper, sie vermag sie sich nicht durch ihren grazilen Hals zu pressen.

Nun steh‘ ich hier, ich armer Tor, mir einem grossen Haufen einzigen Pseudo-PEZ-Päckli, und kann es nicht einmal fachgerecht verwenden. Das Leben ist bitter. Nur der Traubenzucker ist süss.