Habe Sie Ausweis?

Gestern ist es mir wieder passiert: Mein Ego, mein Selbstbewusstsein, ja, ich habe einen gehörigen Aufsteller erlebt.

Ich musste, um nicht zu sagen: durfte, Bier einkaufen, und weil’s im Coop gerade so ein günstiges Aktionsangebot gibt, ging ich zu Coop und packte mich voll mit Gerstensaft. An der Kasse steckte ich bereits das Postkärtli in den Schlitz und wartete darauf, dass die Kassierin (von der Kassiererin habe ich mich, obwohl’s ebenfalls korrekt wäre, der Einfachheit halber verabschiedet) das Knöpfli drücken würde, das den Bezahlvorgang einleitet. Sie drückte jedoch nicht, sondern musterte mich. Ich dachte mir: «Klar, si mues no frage, öbi e Supercard heig.», und wartete auf das obligate Sprüchli. Es kam, wenn auch etwas anders, als ich mir das vorgestellt hatte: «Habe Sie … Ausweis?»

Aaaaah, wie gut das tut! Mit meinen 25 Jahren sehe ich also immer noch so jung und knusprig aus wie mit 15! Mit einem freudigen Lächeln auf den Lippen überreichte ich der Dame meine brandfrische ID, die ich somit zu ersten Mal wirklich einweihen konnte, und endlich drückte sie das Knöpfli, ich bezahlte und ging meines Weges.

Es soll mir nun niemals mehr jemand sagen, ich sähe alt aus. Ich weiss es nun besser.

Ach, und noch was.

Das Spanferkel habe ich gestern vergessen. Und Wodka-Brause. Und ein Zwiefalter Klosterbräu.

Nun ist der Speisezettel aber komplett, und der Erinnerung halber will ich noch ein wenig aus dem Nähkästchen plaudern, zumal mir zwei Begebenheiten wieder in den Sinn gekommen sind, die der Erwähnung wert sind.

So richtig angefangen hat die Reise, als der Car vorfuhr. Der Straubhaar-Car. Der Car mit dem Rüedu am Steuer, dem einzigen, wahren Carfahrer dieser Welt! So ausgerüstet musste das eigentlich eine gute Reise werden. Aber erstens kommt es anders, und zweitens, wenn man Schach spielt.

Ich hatte den Hubi so etwas von in die Ecke gespielt, ich hatte noch ein Rössli und einige Bauern, und er nur noch einige lumpige Bäuerlein, und so opferte ich mal mein Rösslein, um ihm einen unangenehmen Bauern zu fressen, ich konnte es mir ja leisten, bei dem gewaltigen Figurenvorteil, den ich hatte.

Er machte darauf eine oder zwei Damen und hatte mich nullkommaplötzlich Matt gesetzt. Klassiker. So bin ich’s mir gewohnt. Nur gut, dass dieses unglückselige Spiel nicht in die Corni-Fritteli-Schachstatistik aufgenommen wird.

Zu guter Letzt habe ich eine wichtige Lebenserfahrung mit nach Hause nehmen können: Ein Wecker, der am Morgen mit einem Höllenkrach hemmungslos die morgendliche Stille durchschneidet, weckt viel besser, als ein Wecker, der leise zu düderlen anfängt und erst allmählich lauter wird. So habe ich denn heute wieder kaum ein Bein aus dem Bett zu schwingen vermögen, währenddem ich doch in deutschen Landen jeweils noch vor dem zweiten Weckergepieps mit schreckklopfendem Herzen stramm neben dem Nachtlager stand. Ich muss mir wohl mal einen neuen Wecker zulegen.

Ach ja, bevor ich’s vergesse: Wenn man den Bolzli beatboxen hören will, so muss man ihm bloss ein Mikrofon in die Hand drücken. Münsingen verwandelt sich daraufhin in einen brodelnden Hexenkessel voller Rhythmus und applaudierender Leute.

Bisch no weg? Ha noi, i bin wieda zrugg!

Zwiefalter Klosterbräu. Spätzle. Zwiefalter Klosterbräu. Maultaschen. Zwiefalter Klosterbräu. Schupfnudeln. Zwiefalter Klosterbräu.

So ungefähr sieht also der Speiseplan aus, wenn man nach Münsingen in Württemberg reist. Ich bin wohlgenährt, wohlgetränkt und nicht eben sehr ausgeruht, aber guter Dinge und mit vielen schönen Erlebnissen zurück. Die Gastfreundschaft ist umwerfend — nochmal ein herzliches Dankeschön für Alles an Hansjörg, meinen Gast-Papa –, der Dialekt ist sympatisch und einnehmend, die Landschaft ist hügelig, grün und natürlich, die Burgen und Schlösser sind alt (nun ja, kein Wunder), das Essen ist vorzüglich, das Bier ebenfalls, und feiern kann man in Münsingen, als gäb’s kein Morgen. Ahja, und musiziert haben wir ja auch noch, nebenbei.

Jetzt muss ich zuerst mal auspacken, und dann geht’s wohl nicht mehr lange, bis ich entweder vor dem Computer oder vor dem Tatort im Fernsehen einschlafe. In diesem Sinne: Gute Nacht!