Scho vrruckt, we me dänkt.

Heute war ich wieder einmal in der Stadt, und da es nieselregnete, marschierte ich unter den Lauben dahin, inmitten der warmen Menschenmeute, derartig geschützt gegen Nässe und Kälte. Ich war gerade in Gedanken, als mir Klänge eines Cellos ans Ohr drangen und ich den Blick hob. Da sass eine junge Frau in der Laube, das Cello artgerecht zwischen den Beinen eingeklemmt und schrammelte apartiglich auf den Saiten umenand. Hübsche Klänge entlockte sie derart dem Instrument, sie schien zu wissen was sie tat und tat es mit Hingabe und einigem Können, wie mein Kennerblick umgehend feststellte.

Im aufgeklappten Cellokasten, der neben ihr am Boden lag, fiel mir dann unter einem Zehnernötli und einigen Münzen ein Schild ins Auge. Darauf geschrieben stand (sinngemäss): „Danke, dass Sie mir helfen, mein Studium zu finanzieren“.

Ich kam ins Grübeln. Zuerst dachte ich: „Schön, dass sich die Frau mit Cellospielen etwas dazuverdienen kann!“ Dann dachte ich: „Die macht ihren zukünftigen Beruf jetzt schon zur Einnahmequelle! Clever!“ Dann dachte ich: „Eigentlich praktisch, die kann irgendwo hinsitzen, ihren Kasten aufklappen und so einfach Geld verdienen!“ Dann dachte ich: „Scho vrruckt, we me dänkt: Ich kann nicht einfach meinen Laptop nehmen, auf eine Strasse sitzen und schon kommt Geld angeflogen, wenn ich vor mich hin programmiere!“ Dann dachte ich: „Wenn ich als Student Geld verdienen will, muss ich mühsam irgendwo ein Inserat machen und meine Dienste zu Spottpreisen anpreisen!“ Dann dachte ich: „Zum Glück habe ich schon einen Job.“

So konnte ich schliesslich glücklicherweise meinen Weg sonder Groll fortsetzen.

Kalte Hände erfordern drastische Massnahmen

Die rechte Hand fühlt sich so kalt an, als wäre sie die Quelle der nächsten Eiszeit. Ich muss sie daher irgendwie mit Wärme füllen. Das ist gar nicht mal so einfach: Draufsitzen bringt zwar zwischenzeitliche Linderung, muss aber wohl eher als Symptombekämpfung denn als Ursachenvertilgung bezeichnet werden. Zudem arbeitet es sich nur halb so schnell, im wahrsten Sinne des Wortes, wenn eine Hand ständig besitzt wird.

Ich muss mir also etwas anderes einfallen lassen, „anderes“ in diesem Falle klein, weil ich mir diesbezüglich nie sicher bin und deswegen nun endlich den Duden zu Rate gezogen habe, um die Gross-Kleinschreibe-Frage in diesem konkreten Fall ein für alle Mal zu klären und für einen späteren Bedarf hier die schriftliche Dokumentation bereit zu halten.

Als etwas anderes bietet sich hervorragenderweise das Teigkneten an. Kneten benötigt eine unbändige Kraft und ungeheure Ausdauer, und alle beide werden von literweise Blut in die Muskeln gepumpt, Blut, das noch ganz warm aus dem Körperinneren in die Extremitäten strömt und sich daher hervorragend zum Heizen von kalten Körperteilen eignet. Ich knete also in Bälde ein Kilo Züpfenteig, denn: Wohl hatte ich vor über einer Woche Geburtstag, aber seither war ich mit Ferien gesegnet und daher nicht im Büro anzutreffen, sondern, so steht’s im Kalender, auf Balkonien. Morgen bin ich dies, also im Büro, aber wieder, und da bietet es sich doch an, etwas kleines (klein. Wie „anderes“.) mitzubringen. Schliesslich hatte ich heute nichts dabei, als ich auch schon wieder im Büro war.

Wie, du hast einen fulminanten, witzigen, tiefgründigen und trotzdem unterhaltsamen Beitrag erwartet? Ich bitte dich! Dazu bin ich doch nach sechs Wochen Schreibabstinenz – und sechs Wochen waren es, der Matter hat nachgezählt, und ich bin geneigt, ihm ohne Kontrolle Glauben zu schenken – nicht mehr fähig! Wie ein Spitzensportler nach einem Bänderriss, einer Muskelfaserquetschung oder einer Meniskusüberhitzung muss auch ich mein Pensum erst langsam wieder aufbauen. Langsam! Nume nid dry schiesse!

So ein GA erfreut das Gemüt

Heute ist es zwar schon gestern, und wenn ich auf die Uhr schaue, muss ich eingestehen, dass das von mir gepriesene heute bereits morgen, und gestern somit vorgestern ist, aber was soll’s, ich wollte bloss darauf hinweisen, dass — aber beginnen wir von vorne.

Als ich am 30. Dezember 2007 ein Zugbillet erwarb, so tat ich dies nicht retour, sondern bloss einfach. Denn ich wusste, am 2. Januar 2008 würde ich kein Billet mehr lösen müssen. Denn dann gälte bereits das GA.

„Was, Mänu, du bisch bitterarme Studänt, und leischtisch dr es GA? Bonz!“, höre ich dich keuchen, jedoch gilt es hier, ein wenig Klarheit in die Welt zu bringen. Seit Anfang Jahr bin ich nämlich nicht mehr Kantonsangestellter bei den Informatikdiensten unserer Universität, sondern ich bin in die Privatwirtschaft gerutscht, oder jedenfalls in die Halbprivatwirtschaft. So zumindest würde ich die SBB bezeichnen. Die haben (bemerkst du den Plural? Ich lege Wert darauf!) mich eingestellt, und als sogenannten Fringe Benefit bekomme ich ein GA, wenn auch nicht gratis, so doch zumindest ein klein wenig vergünstigt, mit Betonung auf „klein wenig“.

Was aber hat es mit dem heute-gestern-übermorgen auf sich, das ich zu Beginn des Beitrages angesprochen habe? Es ist so: Gestern, respektive vorgestern, erreichte mich endlich das Couvert mit dem FVP-GA, das mir in diesem Jahr etliche Gratisfahrten bescheren wird. Ich fahre fürderhin also gratis mit öffentlichen Verkehrsmitteln umenand, was mir ein unverhohlen gutes Gefühl vermittelt. Wie gesagt konnte ich bereits am 2. Januar davon profitieren, und heute wieder, und auch vorgestern schon, und sowieso ist ein GA ein wunderbare Sache. Schon alleine deswegen, weil ich nun das Halbtax nicht mehr benötige.

Ja, das Halbtax. Gestern ging ich zum Bahnhofbilletschalter, um mich zu erkundigen, ob ich noch ein Batzeli zurückbekomme, wenn ich das Halbtax abgebe. Und das ging so:

Wie eigentlich jedesmal, wenn ich irgendwo Schlange stehe, bin ich in der falschen Schlange angestanden. Das heisst: Ich wartete, währenddem vor mir die alte Frau ein munteres Schwätzchen mit dem Schaltermann hielt, und an den umliegenden Schaltern speditiv Kunde um Kunde abgefertigt wurde. Ich sagte mir, dass Aufregen keinen Sinn hat, schliesslich war ich hier, um Geld zu bekommen, und dafür wartet man doch gerne, nidwahr. Als ich dann endlich an die Reihe kam, war ich deshalb gelassen und entspannt, frohen Mutes und gut gelaunt.

Ich erklärte dem Schalterbeamten mein Anliegen, und er begriff, führte aus und vollstreckte: Ich händigte mein druckfrisches GA, das altbackene Halbtax sowie die Identitätskarte aus, er begutachtete alles gründlich, und meinte zu meinem semi-transparenten GA, dass er sich an das neue Design noch gewöhnen müsse. Ich hingegen finde das Design ganz formidabel, es sieht edel aus. Item. Im Endeffekt wurden mir hundertundneun Schweizerfranken ausgehändigt, und das ist sehr anständig, wenn man bedenkt, dass ich letzten September hundertfünfzig solche bezahlt hatte.

Nun bleibt mir nichts weiter mehr übrig, als dich darum zu bitten, mir für kommenden Montag einen guten Arbeitsbeginn bei den SBB zu wünschen. Ich werde mein Bestes geben, die Züge nicht entgleisen zu lassen.