Das volle Kulturprogramm

Das volle Kulturprogramm, die geballte Ladung an einem einzigen Abend gönnte ich mir heute. Kinematographische Unterhaltung sowie musikalisches Kulturschaffen, beides passiv-konsumatorisch auf die Genussrezeptoren einwirkend, wirken Wunder, auch wenn keine Wunder vonnöten sind.

Heiteren Gemüts erträgt man sogar feuchten Schneefall, wie man ihn sich auch im hohen Norden, beispielsweise Chez les ch’tis, vorstellen könnte, und mit Swing à la SJO kommt sowieso subtropische Wärme im Herzen auf. Dass sich mit unglaublicher Geschwindigkeit der nächste Arbeitstag ankündet, vermag die Stimmung auch nicht zu trüben, denn wenn alles im grünen Bereich ist, hat man im Büro zuweilen sogar etwas zu lachen. Nun, nicht, dass jemals nicht alles im grünen Bereich gewesen wäre.

Ich darf bei dieser Gelegenheit gleich eine kleine Anekdote in den Text einflechten, die sich zwar nicht chronologisch, dafür aber thematisch nahtlos in die Umgebung einfügt, und zwar dann, wenn wir uns als Umgebung ein Schneegestöber vorstellen.

So stöberte also der Schnee um der Menschen Köpfe, und infolgedessen hatten Trams und Busse etwas zu husten. Konsequenterweise meldeten die Anzeigetafeln an den Bernmobilbusundtramhaltestellen auch die dräuenden Verspätungen der öffentlichen Bernmobilverkehrsmittel. Ich bin in der exklusiven Lage, den Originaltext im Originalton wiederzugeben, der da lautet:

Infolge prekären Strassenverhältnissen sind Verspätungen möglich.

Liebe Bernmobiltexterundtexterinnen! Bitte, bitte, erbarmt euch dem Dativ und missbraucht ihn nicht anstelle dem Genitiv!

Ein „feiner“ Zopf

Ich war also letzten Samstag in der Marktgassemigros, um einzukaufen. Denn die Haare schneiden lassen kann man sich dort nicht, und auch als Kino eignet sich ein Einkaufszentrum nur bedingt, weswegen ich auch nicht weiter mit ungewohnten Tätigkeiten, die man in einer Migrosfiliale tun kann, herumexperimentiert habe sondern mich auf den eigentlichen Zweck meiner Anwesenheit beschränkte, nämlich dem Einkauf einer Ente.

Eine Ente sollte es sein, denn mich gelüstete, das Rezept zu kochen, das im Kochbuch steht, das im Regal steht, das in unserer Wohnung steht, nur leider hatten sie keine Enten, die seien nach Weihnachten immer ziemlich schnell ausverkauft, und dann gebe es eigentlich keine mehr, so wurde ich aufgeklärt. Schade. So verlegte ich mich aufs Alternativprogramm, und auf der Suche nach den Hamburgerbrötli traf ich auf folgendes Schild mit Werbung drauf:

"Feiner" Zopf
Ein „feiner“ Zopf. Was auch immer das bedeuten mag.

Ich ward skeptisch. Es wird einem ein „«feiner» Zopf“ feilgeboten? Wieso denn „fein“? Welche geheime bedeutung hat dieses Adjektiv im Migros-Jargon, dass man es in Anführungszeichen setzen muss? Ist der Zopf am Ende gar nicht so fein, wie dem Kunden weisgemacht wird?

Alle vorsichtigen und wohlüberlegten Miterdenbürger werden mir zustimmen, dass Augen-zu-und-weg die einzig vernünftige Reaktion auf so ein Plakat ist. Ich jedenfalls weiss, weshalb ich meine Züpfen nicht in der Migros kaufe, sondern selber backe! Da weiss man, was man hat! Es sei denn, man mischt den Teig im Zustand fortgeschrittener Müdigkeit und stellt am nächsten Tag fest, dass wohl mehr als die Hälfte des Mehls Ruchmehl war. Aber, wenn ich ehrlich sein darf, schmecken tut sie trotzdem, die Neueste.

Wo sind die Plakate hin?

Der Kälte wegen verschlug es mich heute mit dem Tram in die Stadt, wo ich mich dann zu Fuss in den Lauben herumdrückte, und feststellen durfte, dass es so kalt eigentlich gar nicht ist, aber das konnte ich im Vornherein ja noch nicht wissen, und schliesslich kann ich froh sein, das Tram genommen zu haben und mich dann zu Fuss in den Lauben herumgedrückt zu haben, denn vom Velo aus hätte ich die Entdeckung, von der ich berichten will, und die meiner hochwohlgelöblichen Leserschaft bestimmt nicht neu ist, mir aber schon, gar nicht erst machen können, und hätte demzufolge nun auch nichts zu Schreiben, was allerdings dem Prinzip „Unter der Woche täglich einen Beitrag – am Wochenende Sendepause“ entspräche, obzwar dieses Prinzip sich in meinem Tagebuch nicht wirklich duchzusetzen vermag, denn den täglichen Beitrag unter der Woche, den muss man mit einer grossen Lupe suchen, und wird selbst dann nicht fündig, wenn man zusätzlich noch einen Spürhund zu Hilfe nimmt. Punkt! Endlich!

Ich drückte mich also in den Lauben herum, und unterschritt dabei auch den Käfigturm an jener Stelle, wo nun statt der Weinhandlung diese Grossmutterbeiz, die von aussen immer so gemütlich und urtümlich, nichtsdestotrotz aber auch irgendwie auf eine Art ganz modern aussieht, ihren Sitz hat. Und gleich daneben, immer noch unter dem Käfigturm, gleich daneben befindet sich die legendäre Kinoplakatwand.

Hinter einer Glasscheibe vor den Unbillen von Wetter und Vandalen geschützt kleistern sich dort die Kinoplakate aller aktuellen Filme aller Kinos der Stadt Bern nebeneinander, und es ist jeweiligen eine Freude, die kunterbunten Kreationen zu bestaunen.

Jedenfalls war es das, denn irgendwann während der letzten Wochen oder Monate muss jemand die gloriose Idee gehabt haben, die guten, alten Plakate aus Papier und Druckerschwärze durch kühle Flachbildschirme zu ersetzen, die nun das Kinoprogramm ziemlich charmelos rauf- und runterrattern. Zwar ist die leere Fläche zwischen den Bildschirmen in farbiges Licht getaucht, was mir aber noch lange nicht die Farbenpracht der ehemals zur Schau gestellten Plakate zu ersetzen vermag, nie und nimmer.

Schade, das.

Dafür hängen momentan überall in der Stadt andere Plakate. Wahlplakete. Dazu aber vielleicht ein andermal.