Über(hol)mut tut selten gut

Es war eines der schönsten Überholmanöver, die ich jemals vollbracht habe: Von langer Hand vorbereitet und minutiös geplant:

Beim Casinoplatz sichtete ich den Velofahrer, unweit vor mir. Ich pedalte, was das Zeug hielt, und eingangs Bundesplatz hatte ich ihn eingeholt. Im eleganten Schwung schwang ich mich vor ihn, dabei knapp einen langsam die Strasse überquerenden Renter verfehlend. Wirklich, so eine Passgenauigkeit, das soll mir erst mal einer nachmachen!

Die Freude währte aber nur kurz. Ein *rättäpäng-ffffffffffftschschsch-klong-balong-balong* riss mich aus dem Geschwindigkeitsrausch auf den Boden der Tatsachen und der platten Reifen zurück. Ich habe keine Ahnung, wie es passiert ist, geschweige denn, was überhaupt, ich kenne einzig das Resultat: Mein Fahrrad steht nun ohne Luft im lädierten Rückrad bei der Kantonalbank, und den restlichen Weg ins Büro habe ich zu Fuss hinter mich gebracht.

Das hat mir immerhin Gelegenheit gegeben, wieder mal am Bahnhof ein 20 Minuten zu behändigen. Und so weiss ich nun dank John Twenty, dass Isabel auf deutsch die Elisabeth ist. Schon wieder was gelernt.

Nachtrag: Dem Bolzli zuliebe sei hier die Geschichte des John Twenty in Bild ohne Ton verlinkt. Viel Vergnügen: Die 20-Minuten-Geschichte.

Der Sieg ist mein

Heute im Cavaña: eine Schachpartie ist im Gange, soeben hat mir mein Gegenüber seine Dame auf dem Silbertablett serviert, und währenddem ich sie verdaue, füllt sich der Tisch in meinem Rücken mit jungem Volk, derweil am Tisch im andern Eck der Beiz zwei Gitärreler eine unglaubliche Musik in die Nacht zaubern, das Repertoire reicht von Tom Jobims Klassikern (How Insensitive) bis zu Polo Hofers Gassenhauern (Kiosk). Einer der Gitärreler ist uns Schachspielern wohlbekannt: Eindeutig erkennen wir dank der charakteristischen, heiseren Stimme und der ehemals weissen und nun etwas fleckigen Lederschuhe jenen Mann, den wir vor Jahren einmal stockhahnenbetrunken im Propeller angetroffen hatten. Damals erzählte er uns, er sei soeben aus dem Knast entlassen worden, und nun wolle er ins Puff, und ab hier wird’s jugendunfrei, deshalb beschränke ich mich darauf, zu erwähnen, dass er in die Pery-Bar keinen Einlass fand, damals.

Heute aber hat er eine Gitarre in der Hand und klimpert mir — und dem ganzen restlichen Lokal — wohlige Melodien ins Herz.

Item. Ich verlustiere mich soeben an einem meines Gegners Türmen, als im Hintergrund, also an jenem Tisch mit dem jungen Volk, eine interessante Diskussion ihren Lauf nimmt. Ein Jüngling erzählt eine Räuberpistole: «U de bini go schiffe, u nächär ohni Händwäsche u Seife wider zrügg, u aui hei gseit «Wääh, grusig!».», oder so ähnlich hat’s geklungen. Ich denke mir auch, Wääh, grusig!, aber sagen tue ich nichts, sondern spitze weiter meine Ohren und lausche der Unterhaltung. Dieselbe läuft darauf heraus, dass ein Teil der männlichen Tischbewohner findet, ihr «Ding» sei ja immer sauber, und deshalb müsse man nach dem wässrigen Geschäft auch nicht die Hände waschen. Die Frauen sind nicht restlos einverstanden, aber den Fortverlauf des Disputes kann ich nicht wirklich mitverfolgen, streckt mir doch mein Gegenüber seine Hand entgegen, als Zeichen dafür, dass er die Partie aufgibt. Somit steht es nun, seit Beginn der Statistik, 7.5 : 1.5. Leider für ihn. Es kann für mich also nur noch besser werden.

Ob des Sieges freue ich mich, und das ermüdet mich derart, dass der Gang nach Hause angesagt ist. Und ebenda erwartet mich dicke Post: Ein Couvert des Komp Zen Mil Musik liegt auf dem Tisch und harrt meiner. Ich zücke das Messer und fördere vier dieser hässlichen Stoffnamensschilder für den umgebauten TAZ zutage, den ich noch gar nicht besitze, denn mein Vierfruchtpischamah ist immer noch mit den messingenen Funktions- und Gradabzeichen und den plastikenen Namensschildern versehen. Es wird wohl Zeit für meinen nächsten WK. Der erwartet mich bereits Anfang Oktober…

Deshalb will ich nun aber noch nicht Trübsal blasen, das kann ich gegen Ende September immer noch nachholen. Vielmehr will ich mich auf die nächste Zukunft freuen, welche die Rückkehr Romans (des einzigen wahren) nach zwei Jahren Argentinienaustausch, eine Reise nach Münsingen (D), das Gurtenfestival (Freitag bis Sonntag; ich freue mich besonders auf das SJO und Patent Ochsner) und das obligate og-Lager für mich bereithält. Das ist Grund genug zum Anlass.

Goldkuppel

Heute ist sie mir zum zweiten Mal richtig aufgefallen, die aufgepeppte Bundeshauskuppel, regelrecht gepimpt ist die, wie man es neudeutsch ausdrücken würde. Wie sie strahlt und funkelt mit ihrem Blattgold, unter dem Wolkendach! Und wie würde sie erst glänzen, wenn einmal die Sonne scheinen täte! Aber ich fürchte fast, das Wetter hat sich verabschiedet und ist irgendwo in den Ferien hängengeblieben. Anders kann ich mir diesen bisher so verregneten Sommer nicht erklären.

Und weil’s so schön ist, hier ein Link zu einigen Bildern, die du dir bei übermässiger Langeweile zum Zeitvertrieb zu Gemüte führen kannst.

Dummer Spam

Okay, es wird wieder mal ein wenig technisch, und das Thema ist auch nicht mehr neu, aber widerstehen konnte ich trotzdem nicht.

Ich habe wieder mal Spam erhalten. Irgend ein zwielichtiger Anwalt will mir weismachen, ich hätte mich am 29. Juli 2006 um 14:33 auf der (Zitat) «Internetseite P2P-heute.com» für irgendein dubioses Geschäft angemeldet, und schulde deshalb irgendeiner Firma irgendeinen extrastellaren Betrag. Der Clou an der ganzen Geschichte, und hier wird’s nicht nur technisch, sondern ebenfalls höchst unglaubwürdig: Die IP-Adresse, von welcher aus ich besagte Anmeldung getätigt haben soll, lautet allem Anschein nach 217.872.373.74. Liebe Spammer, ich gebe euch einen Geheimtipp: Nie, aber auch gar niemals überhaupt irgend und sowieso wird bei einer IPv4-Adresse einer der vier Ziffernblöcke eine Zahl grösser als 255 enthalten. Ein kurzer Blick auf Wikipedia kann manchmal schon helfen.

Also bitte, wenn schon Spam, dann bitte halbwegs glaubwürdig.

Die Tour de Suisse vorm Haus

Die Tour de Suisse ist im Quartier! Das verspricht Spiel, Spass und Spannung unter einem Dach, sozusagen ein gigantisches Kinderüberraschungsei im Epo-Papier eingewickelt! Keine Frage, diesen Spass darf man sich nicht entgehen lassen, noch dazu, wenn sich das Ereignis buchstäblich vor der eigenen Haustüre abspielt, vergleiche den Kartenausschnitt, wo der grellgrüne Punkt unser Haus und der rote Pfeil die TdS-Strecke markiert:

Ich stand also am Absperrgitter Kreuzung Steinerstrasse/Brunnadernstrasse, und wartete, was passiere. Und was passierte? Nichts. Minutenlanges Warten stellte sich ein, und ich überlegte mir bereits, ob ich ächt lieber ein Buch holen sollte, bevor mich der Schlaf zu übermannen drohte. Doch da! In der Ferne wurde Jubel und Trubel laut, und da bog auch schon — nein, kein Fahrrad, sondern ein Töff um die Ecke. Ein zweiter folge sogleich, sogar ein Polizeitöff war das, und da — endlich! — raste eine Velöler mit windschnittigem Helm heran. Er holperte über den Verkehrsberuhigungshoger auf der Kreuzung, stets dicht gefolgt von einem mit Werbung vollgepflasterten Auto, welches ihn mittels Lautsprecheranlage zu Höchstleistungen zu animieren versuchte. Eine Schwade Schweiss- und Testosterongeschwängerter Luft schlug mir entgegen, währenddessen der Radler bereits vorne um die nächste Kurve in die Ensingerstrasse einbog und meinem Blickfeld entschwand.

Wieder vergingen einige Minuten, bis der nächste Tross anrückte. Wieder 2 Töffe, dafür aber 2 Velofahrer und 2 Autos.

Wieder minutenlanges Warten. Wieder ein Tross (ein Töff, ein Velo, ein Auto), und so ging’s geraume Zeit weiter, und um genau zu sein, geht’s immer noch, nur jetzt ohne mich. Mir schwindelt ein bisschen, bin ich mir doch solch hochkonzentrierte Epo-Ausdünstungen nicht gewohnt. Und auch schwindelt mir ein bisschen, wenn ich an den ganzen Aufwand denke: schon bei unserer kleinen Kreuzung befanden sich eine Polizistin und zwei freiwillige Feuerwehrer, und wie muss es dann erst bei einer grossen und vielbevölkerten Kreuzung aussehen? Dazu kommt pro Velofahrer mindesten ein Polizei- und ein ziviler Töff, plus mindestens ein Auto. Ja, bei einem solchen Missverhältnis zwischen Sportl… pardon: Doping-Konsumenten und Helfern, da schwindelt mir schon ein bisschen.