Wie genau blinkt so ein Tannenbaum?

Begonnen hat es ganz einfach damit, dass ich des Nächtens unter sternenklarem Firmament meinen Blick gen oben wandte, um die Flugbahn eines Aeroplans zu verfolgen, welches in diesem Moment relativ niedrig über mein Haupt hinwegdonnerte. Wie es da so majestätisch seine Bahn durch die endlosen Weiten zwischen den Sternen zog und mit hoher Geschwindigkeit dem Horizonte zuschoss, schoss noch etwas ganz Anderes, und zwar ein Gedanke mir durch den Kopf. „Wieso blinken die Lichter am Flugi eigentlich nicht synchron?“ frug ich mich, denn das Lämpelein am Bauch des Fliegers blinkte andersschnell – man könnte sagen: frequenzdifferent – als die Leuchten an den Flügelenden.

Ich konnte mir keine Erklärung zurechtfabulieren und griff deshalb auf eine der ältesten Waffen im Arsenal der Menschheit zurück, wenn es darum geht, Widrigkeiten jedwelcher Form – und hier war die Form eindeutig: Unwissen – zu trotzen: den Herdentrieb, oder anders ausgedrückt: das Rudel, mit anderen Worten: ich griff, mangels Telefonverbindung, zum E-Mail-Joker und bemühte mit folgendem Wortlaut zwei mir wohlbekannte Freunde, denen die Fortbewegung in luftiger Höhe keineswegs fremd ist. Und also schrieb ich:

An: A. R., M. S.

Betreff: Flugiblinklichter

Hallo Piloten

Ihr seid beide flieger, einer beruflich gar, deswegen erhoffe ich mir zumindest eine erhellende antwort auf meine frage: beim flugi gibt es diese blinklichter: eines linksaussen, eines rechtsaussen und eines in der mitte unten. Die blinken aber extrem asynchron. Warum? Wieso nicht gleichzeitig? Was ist die zugrundeliegende frequenz jedes einzelnen?

In der hoffnung auf eine erhellende antwort verbleibe ich mit hochachtungsvollem grusse,

Mänu.

Der stilistischen Unschönheit der Doppelverwendung der Formulierung „erhellende Antwort“ wurde ich erst jetzt, beim Wiederdurchlesen, ansichtig. Aber geschrieben ist geschrieben, und so wartete ich einige Tage und war bereits drauf und dran, alle Hoffnung auf die ersehnte erhellende Antwort fahren zu lassen, als plötzlich Post meinen Eingang bevölkerte. Siehe:

Von: A. R.

Betreff: Re: Flugiblinklichter

Grüezi Herr Friedli
Also ich meinte natürlich grüessech, pardon. Entschuldigen Sie erst mal die späte Antwort, aber ich war gerade in einer Ferie und nicht so im Mailmodus. Aber hier die Antworten auf ihre Vielzahl von Fragen:

Was dann folgte, war ein derartiger Schwall von Antworten, der mich sogar den inkorrekten Gebrauch des Pluraletantums „Ferien“ – ein, wie ich finde, höchst amüsanter sprachlicher Schachzug – vergessen liess.

Dass ein Flugzeug bestückt sei „wie ein mittelständischer, US-amerikanischer Vorstadtweihnachtsbaum“, lernte ich beispielsweise. Dass es Positionslichter (englisch: navigation lights), Antikollisionslicht (beacon), weisse Blinklichter (strobe lights) sowie allerhand weitere Lichter, „z.B. Landescheinwerfer, Rollscheinwerfer, Scheinwerfer welche die Flügelkante und die Triebwerke beleuchten, usw.“ gebe, wurde mir ausgeführt. Dies also zur grundsätzlichen Lichtertheorie.

Auf meine spezifische Frage hatte ich bis dahin aber noch keine Antwort erhalten.

Die navigation lights befänden sich an den Flügelenden und leuchteten statisch grün (rechts) und rot (links). Daraus folgerte ich, dass diese nichts mit Geblinke am Hut haben und mich nicht zu interessieren brauchen. Trotzdem erfuhr ich Spannendes, nämlich, dass auch im Himmel Rechtsvortritt gilt: Sieht der Pilot grün (also den rechten Flügel eines anderen Flugzeugs, das sich demnach folgerichtig von Links nähert), hat er Vortritt. Sieht aber der Pilot rot (also den linken Flügel eines anderen Flugzeugs), hat er auszuweichen. Logisch: warten geht ja schlecht, fliegen im Schritttempo auch.

Von den beacons gebe es je eines oben und eines unten am Rumpf, beide in Rot und beide blinkend. Was ich also vom Boden aus gesehen hatte, war das Bauch-Beacon! Dass das Beacon ebenfalls dazu dient, der Bodenmannschaft Gefahr zu signalisieren und man es deswegen bereits am Boden einschaltet, sobald man die Freigabe hat, die Triebwerke zu starten, und es erst ausschaltet, wenn die Parkbremse gesetzt und die Triebwerke abgestellt sind, war zwar nicht Gegenstand meiner Frage gewesen, dafür aber Inhalt der Antwort. Interessant!

Auch die strobe lights gehören zu jenen Lichtern, um die sich meine Frage dreht, denn dies sind die Blinklichter an den Flügelenden und – so wurde ich aufgeklärt – meistens auch am Schwanz. Offenbar dienen diese vor Allem der Sichtbarkeit gegenüber anderen Luftfahrzeugen.

So, und jetzt kam die Erklärung langsam zum Kern der Sache:

Die Strobe lights an den Flügelenden scheinen untereinander synchronisiert zu sein. Dass die Strobes synchronisiert sind ergibt sicher Sinn. Sieht jemand die beiden Blitzlichter synchron blinken, weiss er dass es sich um nur ein Flugzeug handelt. Wären es zwei Lichtquellen mit unterschiedlicher Frequenz und/oder Phase, handelt es sich wohl um zwei Luftfahrzeuge, welche praktisch an der gleichen Position am Himmel sichtbar sind.

Ja, das leuchtet allerdings ein. An der präzisen Formulierung „(…) mit unterschiedlicher Frequenz und/oder Phase (…)“ lässt sich übrigens unschwer der Physikdoktor im Piloten erkennen.

Und nun, das Blinklicht am Bauch, das beacon? Wie sieht’s denn mit dem aus?

Das Beacon wiederum ist aber nicht mit den Strobes synchronisiert. Warum? Keine Ahnung, ist wohl eine Frage der technischen Implementation.

Och. Schade. Keine Antwort auf meine Frage.

Bezüglich der Frequenz gibt es wahrscheinlich Vorgaben von der ICAO. Diese definiert z.B. auch, in welchem gelb die Rollbahnmarkierungen auszumalen sind usw.

Aber immerhin ein weiterer Hinweis: Da scheint eine geheime Organisation namens ICAO  zu existieren, deren Mitglieder sich mit Blinklichtern und Rollbahnmarkierungen die Zeit vertreiben! Was mag sich wohl hinter der kryptischen und geheimnisvoll anmutenden Abkürzung verstecken? Etwa die Internationale Compagnie Aeronautischer Operateure? Oder gar die Intrinsisch-Chaotische Alkoholiker-Organisation? Ich wusste mir keinen Rat und bemühte – diesmal nicht wieder den Freundeskreis, sondern – Wikipedia. Die war mir aber leider keine Hilfe, wusste sie unter dem Stichwort ICAO doch bloss von der International Civil Aviation Organization zu berichten. Aber ich hätte es wissen müssen: eine arkane Gesellschaft wie diese ominöse ICAO wird sich schliesslich hüten, ihr Portrait auf der Wikipedia zu veröffentlichen.

So steht zu befürchten, dass meine Frage nach Frequenz und Synchronizität periodisch blinkender Leuchtquellen an Flugkörpern für immer unbeantwortet bleiben wird. Dem A. R. sei nichtsdestotrotz ein Trullalla, denn das Verfassen seiner umfassenden Replik fasse ich als unfassbaren Effort auf. Und ich wünsche ihm für die nahe Zukunft eine erholsame Weihnachtsferie.

Gute Nacht.

Wir verkünden die Geburt von Mädchen

Ganz per Zufall bin ich im grossen, weiten Netz auf die Geburtenseite der Uniklinik Münster gestossen. Und was ich da entdeckt habe, möchte ich der Welt nicht vorenthalten. Siehe:

Screenshot der Geburtsseite der Uniklinik Münster
Na, gesehen? Das dritte Bébé von oben?

Hier dürfte dann eine Geschlechtsumwandlung im späteren Leben um einiges schwieriger werden, als wenn die Eltern ihrem Kind einen geschlechtsneutralen Namen wie „Jamie“ oder „Andrea“ gegeben hätten. Mit „Mädchen“ ist das wohl eine ziemlich eindeutige Sache.

Du glaubst mir nicht? Überzeuge dich selbst, auf der Geburtenseite der Uni-Klinik Münster.

Ein kleiner Exkurs in die Tiefen der deutschen Sprache

Ich bin heute spaziert an einem Gebäude vorbei, dessen Beschriftung mir offenbarte, dass sich daselbst die „Eidgenössische Verwaltung“ befinde. Dies veranlasste mich zu gedanklichen Kapriolen, die ich hiermit niederzuschreiben mich bemüssigt fühle, denn am gestrigen Abend wurde mir von Freundesseiten kundgetan, er habe wieder mal auf dieser bescheidenen Seite gelesen und habe sich köstlich dabei amüsiert, und also gedenke ich, für weitere Amüsements Anlass zu bieten, was sich am einfachsten durch die Erstellung eines weiteren Beitrages realisieren lässt.

„Eidgenössische Verwaltung“ stand da also geschrieben. Da wird offenbar unsere Eidgenossenschaft verwaltet, und – da ich mich als dieser zugehörig fühle – unter Anderem also auch ich. „Verwalten“ bedeutet doch, dass da etwas – oder jemand – ver-waltet wird. Was aber beinhaltet dieses „walten“? Ein sonderbares Verb ist das! Bekannt ist es uns aus der Redewendung „schalten und walten“, aber hast du dir schon mal überlegt, was walten wirklich heisst? Unter „schalten“ kann ich mir ja noch etwas vorstellen, gibt es in meiner Wohnung doch beispielsweise Lichtschalter, mittels derer ich in der Lage bin, die Beleuchtung meiner Behausung zu kontrollieren. Allerdings bin ich noch nie einem „Lichtwalter“ begegnet. Andererseits existiert der „Walter“ als Vorname (wir erinnern uns zum Beispiel wehmütig an denjenigen, der Roderer hiess (der ein guter Freund des DJ Antoine war, welcher wiederum noch nie was vom Akkusativ gehört hat), oder auch den Walter, bei dem man sich stets fragen muss, wo er ist). Aber „Schalter“ als Vorname? Reichlich bizarr.

Jedenfalls, naja, böh. Ist doch immer wieder interessant, sich solcher Fragen anzunehmen. Ob nun dieser Beitrag amüsementtauglich ist, sei dahingestellt. Er markiert auf alle Fälle den Auftakt in den Blog-November, und das ist doch auch nicht nichts.

Gute Nacht.

Absolut Null Manieren

In einem E-Mail gestaltet sich der sprachliche Umgangston gemeinhin etwas salopper als beispielsweise im nicht-elektronischen Pendant, dem guten alten papiernen Brief. Das ist auch nicht weiter tragisch, ist es doch lediglich – um es in abgedroschenen Worten auszudrücken – eine Begleiterscheinung unserer schnelllebigen Zeit. Und auch ich als ausgesprochen schneller Mensch pflege mich in elektronischer Kommunikation kurz und knapp, und bisweilen auch auch in der Tendenz rüde, auszudrücken.

Was mich aber letztens per Courriel – wie’s der Franzose nennt, denn im Lande der komplizierten Aussprache begnügt man sich nicht bloss mit dem Subjonctif sondern sieht sich aus unerfindlichen Gründen auch noch dazu bemüssigt, für jedes fremdländische Wort eines in der eigenen Sprache zu erfinden – erreicht hat, das geht eindeutig zu weit und ist an Salöppe und Rüdheit mitunter nicht nur nicht zu überbieten, sondern gar deren Gipfel!

Nun ein kleiner Einschub: Ich habe mir soeben ein Pommtschipps vom zweitvornamenlosen Klaus in den Mund eingeschoben und knuspere nun vergnügt vor mich hin. Ihm sei hiermit meine Dankbarkeit bezeugt.

Aber genug der einleitenden Worte, lassen wir die Katze aus dem Sack und sie mit den Mäusen tanzen!

Von Wilmaa, diesem Internetfernsehen, habe ich ein E-Mail erhalten, das mich mit folgenden Worten begrüsst hat:

Liebe NULL

Wie bitte? Liebe NULL!? Was erlaubt ihr euch eigentlich??? Als Null lasse ich mich im echten Leben nur unter lautstarkem Protest bezeichnen, und Online verbitte ich mir das ausdrücklich! Ich möchte an eure Adresse gerne replizieren: Hallo ihr Obernullen! Lernt doch zuerst mal, euer Mailing anständig zu programmieren, bevor ihr mich hier in aller Öffentlichkeit als Null blossstellt und verleumdet, ihr Troglodytensöhne! Das könnte ja ich noch besser, und das will was heissen, ihr unterdotierten Armleuchter!

So möchte ich verbal toben und tosen, ihnen die Breitseite meiner mündlichen Keule um die Abstehohren hauen und sie logorroethisch an den Rand des Abgrunds manövrieren. Aber ich lasse es. Ich kündige einfach meinen Wilmaa-Account. Fertig luschtig. Diesen Deppen traue ich nichts mehr zu.

Eine regenbedingte Zwangspause

Da habe ich mich mit Ach und Krach vor dem ersten zümpftigen Sommergewitter dieser Saison ins Fähribeizli an den Schärmen retten können, und schon werde ich allenthalben gesiezt: Der Kellner, der mir das nunmehr dritte Müntschi darreicht siezt mich, ein anderer Hündeler siezt mich, und wohl würde mich sicher auch die Situation als solche siezen, könnte sie denn sprechen.

Woran mag das wohl liegen? Wohl sicher nicht an meinem Äussern, habe ich mir doch heute vom Frisör extra noch einen schnittigen Schnitt verpassen lassen. Jedoch … präzis mit meinem Haupthaar mag es in Zusammenhang liegen: noch nie gewahrte ich derart viel weisses Haar auf der Barbierenrobe wie heute! Ich ergraue! Sogar die Frisörin hat es  bemerkt. Und die ist ja schliesslich eine Fachperson auf dem Gebiet hauptenen Haares. Obzwar ich mich noch zu jung fühle, um bereits Clooney’schen Grauhaarcharme in Anspruch nehmen zu können, wehre ich mich natürlich nicht dagegen. Graue Haare machen Männer schliesslich sexy, wogegen sie bei Frauen einfach alt machen. Ein Hoch aufs Mannentum!

Einzig die Sache mit dem siezen stört mich. Ich muss mir wohl mit einem vierten Müntschi meine Jugend wiederantrinken. Eeh – was soll ich auch sonst tun, wenn’s aus Kübeln schüttet? Eben: mitschütten.

Prost und gute Nacht!