Wähle Tux!

Ich habe mir lange überlegt, ob ich Philipps Wunsch, einen Tuxpartei-Banner auf meine Seite zu legen, nachkommen soll oder nicht. Früher einmal, da hatte ich hehre Ziele: politisch und konfessionell neutral sollte mein Blog bleiben, interessant und zugänglich für jedermann und -frau, gleichberechtigend für alle existierenden Geschlechter.

Diesen Vorsätzen habe ich abgeschworen. Zugänglich für jedermann ist die Seite schon seit langem nicht mehr, interessant ist es nur zwischendurch, gleichberechtigend… böh? Jedenfalls dachte ich mir nun, so ein Banner könne nicht schaden, zumal auch ich Tux wählen werde.

Winter ist’s nicht.

Die Zeit vergeht wie im Fluge. Seit gestern ist ein halbes Jahr vergangen, so kommts mir vor: Gestern liess der Frühling noch sein blaues Band durch die mörike’schen Lüfte flattern, heute präsentiert sich der Himmel wolkenverhangen und die Strassen neblig wie am tiefsten Novemberkaterkäfermorgen, sodass ich mit klammen Fingern und feuchten Kleidern im Büro ankomme, und vom Frühling bis in den Herbst dauert’s nun mal ein halbes Jahr, nidwahr.

A propos klamm: Was ich gar nicht mag, ist ein klammes WC. So eines, wo man gar nicht recht auspacken oder die Hosen runterlassen mag, weil man weiss, dass es einen unweigerlich an den Sa–umässig empfindlichen Bauch frieren wird. Wo die Klobrille am Hintern festfriert. Wo der Strahl eisgewürfelt ins Pissoir klickert. Wo der Wasserhahn vor Inbetriebnahme mit einem Flammenwerfer aufgetaut werden muss. Wo das Handtuch zu einem Brett gefroren ist.

Ganz so schlimm verhält es sich natürlich nicht mit unserem Büro-WC, denn davon spreche ich, aber eine gewisse Kühle ist dem Raum nicht abzusprechen. Ich weiss noch nicht recht, wie ich dem Abhilfe schaffen soll. Ich habe mir überlegt, mir einen gehäkelten Überzug für die WC-Brille zuzulegen, aber leider bin ich ein völlig ungeübter Häkler. A propos Häkler: Hat Hakle etwas mit diesem Wort zu tun? Und weshalb blicken mir auf der Hakle-Website Hunde entgegen? Was haben die mit Klopapier zu tun? Da hat sich ein Werbefachmann mal wieder eine grossartige Kampagne ausgedacht…

Nachtrag: Auf der Seite über Hakle-Werbung steht zu lesen:

Ab 2004 dreht sich in der Hakle®-Werbung alles um den Hakle®-Puppy, den herzigen Welpen.

Hab ich da richtig gelesen, «herzig», und das auf einer Deutschen Seite? Das ist bemerkenswert, hat doch der Herr Wiese auf seiner Blogwiese einst erzählt, herzig sei typisch schweizerisch! Lustig, das.

Die Hauptstadt wirkt nach

Die neue Hauptstadt lässt mich nicht los.

Ich habe mir ein wenig die Zugriffsstatistiken meines Blogs angeschaut, und festgestellt, dass sich der Verkehr wenige Tage nach Veröffentlichung meines ersten Hauptstadt-Beitrages annähernd verdoppelt hat. Wow! Kann eine Hauptstadt so viel Traffic generieren? Es scheint so. Bloss schade, dass der so ungenutzt auf meiner Seite versandet… wenn man nur etwas anstellen könnte mit all den Besuchern, die sich von einer virtuellen Hauptstadt-Wahl anziehen lassen, überlegte ich mir. Habe ich keine Möglichkeit, mir einen Jux zu erlauben?, dachte ich mir. Kann ich daraus irgendwie Profit schlagen?, so sann ich. Dann hatte ich den Geistesblitz, den ein Mensch nur alle Jubeljahre einmal zu haben das Privileg hat. Die Idee ist so simpel wie genial: Ich reserviere mir die Domain neuehauptstadt.ch (du bemerkst den fehlenden Bindestrich, nicht wahr?) und mache damit ein Vermögen! Dank der durch Milliarden Besucher generierten Werbeeinnahmen avanciere ich innert Stunden vom bitterarmen Studenten zum unglaublich reichen Super-Magnaten! Vor meinem geistigen Auge schwamm ich bereits in flüssigem Gold, trank literweise teuersten Champagner aus sündhaft teuren Kristallgläsern und wohnte in einer 4-stöckigen 5000-Zimmer-Villa aus purem Platin mit perlengefülltem Swimmingpool. Aber schon Sekunden später, ich hatte meinen Tagtraum noch gar nicht richtig zu Ende geträumt, wurde ich auf den Boden der Realität zurückgeholt: M. Ruchti aus Zürich ist mir am 5. Januar dieses Jahres (und das ist erst 3 Tage her!) zuvorgekommen. Schade zwar, aber ich bin ja ein grosszügiger Mensch und mag dem Herrn (oder der Frau?) Ruchti seine (ihre) Villa von Herzen gönnen. Oder aber… steckt bei diesem Menschen gar nicht das persönliche Wohl an erster Stelle? Anscheinend nicht: Es ist davon auszugehen, dass es sich bei M. Ruchti um eine(n) frustrierte(n) Luzerner(in) handelt, der (die) es nicht verkraften konnte, dass seine (ihre) Lieblingsstadt, Luzern, nicht beim Wettbewerb dabei ist. Weshalb sonst sollte man von neuehauptstadt.ch ohne Umschweife direkt nach luzern.ch weitergeleitet werden?

Hast du übrigens bemerkt, wie mühsam die geschlechterneutrale Wiedergabe einer Erzählung über die Lippen bzw. durch die Augen fliesst? Ich werde mich in Zukunft wohl wieder der diskriminierenden Ausschliesslichmännlichform zuwenden müssen.

Ennuiement über Ennuiement…

Kürzlich habe ich von einigen Ennuiements berichtet, deren ich mich im alltäglichen Leben erwehren muss. Heute nun folgen weitere Unannehmlichkeiten, auf die ich nur allzu gerne verzichten möchte.

Ich befand mich auf dem Heimweg, wie immer velocipedär (oh, ich warte schon so lange drauf, dass sich der Duden meiner erbarmt und sich dieses Wort einverleibt!), und ich kann es nichts anderes als Glück nennen, dass ich dem grünen Scherbenhaufen auf der Strasse noch auszuweichen vermochte. Was habe ich mich aufgeregt! Sollen doch diese jugendlichen Säufer, die aus lauter Intelligenzmangel sinnlos ihre Flaschen mitten auf der Strasse zertrümmern, alle zur Hölle fahren! Ich war mächtig in Fahrt, sowohl velocipedär (hier ist’s wieder, Herr Konrad Duden!) als auch emotional, als ich auch schon den nächsten Schlenker um den nächsten Scherbenberg tun musste, diesmal war’s ein Weisser. Und wiederum war’s bloss Zufall, dass ich ihn erkannt hatte! Ich überlegte mir, wieviele dieser velocipedären (Duden, Duden…) Gefahrenherde ich wohl schon unterbewusst umschifft habe, um nicht zu sagen unbewusst. Und wieviele müssen es erst bewusstlos gewesen sein! Eine schier unglaubliche Zahl begann sich vor meinen Augen zu Formen, so dass ich den Gedanken abbrach. Das also waren Ennuiements Numero sechs und sieben.

Ich fluchte also vor mich hin, währenddem ich mittlerweile gemächlich die Thunstrasse Richtung Thunplatz hinaufzockelte, und bemerkte gar nicht, dass sich unterdessen von hinten eine Dame velocipedär (braucht’s überhaupt noch einen Hinweis auf den Duden?) angeschlichen hatte, die mich sogleich überholte, währenddessen ich im Begriff war, einen Rohrspatz voller Flüche loszulassen. Ich war leicht überrascht und nicht minder beschämt, vor aller Öffentlichkeit Ohren meinem Ärger Luft verschafft zu haben.

Es ist mir nicht zum ersten Mal widerfahren, dass meine mitunter sehr lebhaften Selbstgespräche auf dem Velo von unbeteiligten Drittpersonen mitgehört worden wären. Ich mag das nicht! Wenn ich selbstspreche, dann soll das nicht jeder fremde Fötzel mitbekommen, bitteschön! Von-hinten-Anschleichen sollte Verboten gehören. Das also war Ennuiement Numero acht.

Ebendieses Ennuiement, besser gesagt, der eigentliche Auslöser dafür, nämlich meine hemmungslose Selbstvergessenheit, die sich bei mir einstellt, sobald ich meinen Hintern aufs Velo schwinge, ist auch ein Grund dafür, dass ich so hemmungslos selbstvergessen bin, sobald ich meinen Hintern aufs Velo geschwungen habe. … Ich wollte eigentlich sagen: Ebendiese Selbstvergessenheit, die (etc. pp.), ist ein Grund dafür, dass ich nicht Auto fahre. Ich wäre hinter dem Steuerrad nicht viel anders als hinter der velocipedären (…) Lenkstange. Ich hörte zum Fahren wohl ein wenig fetzige Musik, und schon würde ich Mitsingen und -tanzen, und rhythmisch mit dem Fuss im Takt mitwippen, und das sieht man ja gemeinhin nicht so gerne am Steuer. Also lass ich die kraftstoffgetriebenen Motorwagen kraftstoffgetriebene Motorwagen sein und radle weiterhin munter fluchend durch die vielen Scherbenhäufen dieser Welt.

Ich weiss: der Plural von Haufen lautet Haufen. Häufen tönt aber schöner.

Neue Hauptstadt?

Philipp hat mich draufgelüpft (und damit er versteht, was ich da über ihn schreibe, sag ich’s noch auf Deutsch: er hat mich drauf aufmerksam gemacht). Es hängen schweizweit Plakate, grosse, rote Plakate, die verkünden, eine neue Hauptstadt der Schweiz werde gewählt. Es gibt sogar eine Website, die den aktuellen Abstimmungsstand zu verkünden vorgibt. Was steckt dahinter?

Dank whois ist’s kein Problem, herauszufinden, wem die Domain neue-hauptstadt.ch gehört. Sie tut es einer gewissen Anita Stalder aus Zürich. Technischer Kontakt für die Seite ist der Herr Christof Hotz aus Thalwil. Nun denn, Google liefert uns für «Anita Stalder Zürich» bereits als erstes Ergebnis eine Seite der Uni Zürich, auf welcher zu lesen ist, Anita Stalder verfasse eine Arbeit zum dem Thema «Werbewirkung von Plakatwerbung». Interessant. Eine weitere kleine Suche im Google nach «Christof Hotz» sagt uns im zweiten Treffer, ein Christof Hotz arbeite bei der APG, die wo Plakate aufhängt. Langsam formt sich hier ein Bild…