Diskothek im 2. Babylonisches Sprachgewirr.

Ich höre DRS 2, die Diskothek, Thema: Classical music recomposed. Der eine Studiogast, seinem Akzent nach ein Franzose (also wird’s wohl der Luxemburger Francesco Tristano gewesen sein), sagt: „Es ist interessant, Richter hat hier die Partitur genommen und die ADN der Musik verändert.“ Sein Gesprächspartner, in diesem Fall also Tomek Kolczynski, will assistieren: „‚DNA‘. Auf Deutsch ‚DNA‘.“

Ich sage hierzu: Nein, leider auch nicht. Während ADN ganz sicher Französisch ist, heisst es im Deutschen DNS und nicht – wie im Englischen – DNA. Sorry. Pardon: Entschuldigung.

Ich gestehe Herrn Kolczynski allerdings zu, dass auch mir beim Akronym ADN als „deutsche“ Alternative wohl DNA und nicht DNS in den Sinn gekommen wäre. Insbesondere, da mir mit meiner beruflichen Verbildung unter DNS etwas ganz anderes geläufig ist.

Das Sprachtalent

Nein, für einmal meine ich nicht mich selber, obzwar es selbstverständlich nicht übertrieben wäre, von mir als Sprachtalent zu sprechen, fliesst mir nebst Berndeutsch doch so manches Idiom gekonnt über die Lippen, immerhin bin ich ja auch wahnsinnig intelligent, denn so steht es hier auf genau dieser Seite geschrieben.

Ich spreche über diese Uhr, die Dir sagt, wie spät es ist (nicht die mondäne, sondern die wortreiche). Konnte sie bis vor Kurzem die Zeit auf Berndeutsch, Hochdeutsch, Englisch, Französisch und Italienisch ansagen, so spricht sie nun auch Spanisch, Niederländisch und sogar Dänisch! Vrruckt, weme dänkt!

Und noch ein weiteres Bettmümpfeli kann ich ankündigen: Es ist nun auch möglich, die Uhr direkt in der gewünschten Sprache und Farbe anzuzeigen, ohne mit den Einstellungen herumhebeln zu müssen. Zum Beispiel hast du folgendermassen immer eine Spanische Uhr im schönsten Pink:

http://bärneruhr.ch#l=es&t=pink

Und so gibt’s eine rote, dänische Uhr:

http://bärneruhr.ch#l=dk&t=red

So kannst du ganz einfach all deinen Freunden die Uhr in ihrer Muttersprache und in deiner Lieblingsfarbe näher bringen. Hinter dem „l“ gibst Du die Sprache an (de_CH, de_CH_genau, de, en, fr, it, es, nl, dk) und hinter dem „t“ die Farbe (black, white, red, yellow, green, blue, pink). Und wenn Dir „l“ und „t“ unsympathisch sind, schreibst du stattdessen eben „language“ und „theme“. Super Sache! Viel Spass beim Links-versenden!

Bitte beschweren Sie Ihr Gemüse. Danke.

Schön, ja! Endlich darf ich wieder den scharfäugigen, spitzzüngigen Beobachter mimen, den pingeligen Sprachfetischisten, der einen Tippfehler partout nicht Tippfehler sein lassen kann. Unsere heutige Geschichte spielt sich in der MMMartkgassmigros ab, und sollte jemand auf die Idee kommen, MMM sei ein Tippfehler, so irrt sich der.

Ein Bild sagt mehr als tausend (tausend!) Worte, deshalb lasse ich Bilder sprechen:

Schild mit Hinweistext in der Migros
Da hat sich ein „t“ einen Schabernack erlaubt

Ich musste zweimal lesen und kam beide Male zum Schluss, im englischen Text stehe da: „Bitte benutzen Sie die Waage, um Gemüse und Früchte zu Gewicht. Danke.“ Zu Hause angekommen habe ich sicherheitshalber Leo angeworfen und liess mich eines Besseren belehren: to weight existiert tatsächlich als Verb. Nur heisst es nicht abwägen.

Wenn ich das nächste Mal in der Migros einkaufe, nehme ich halt so eine Waage und beschwere alles Gemüse, das mir in den Weg kommt. Und wenn es einem Angestellten nicht passt, verweise ich aufs Schild.

Oder aber bedeutet die Aufschrift, man solle doch dem Gemüse mehr Gewicht zukommen lassen, sprich: mehr davon essen? Möglich wär’s. Ich werde mich also an die Migros wenden, und vorschlagen, sie sollen doch den deutschen Text anpassen: „Wir bitten Sie, mehr Gemüse zu essen. Besten Dank.“