Es ist nicht illlegal!

😀 Was ich schon seit Längerem loswerden wollte (und hier bin ich mir – einmal mehr – nicht sicher, ob man längerem oder Längerem schreibt (dem aufmerksamen Mitglied meiner hochwohlgelöblichen Leserschaft wird die Klein-/Grossschreibungsdivergenz der beiden Worte aufgefallen sein), aber so wichtig ist das auch nicht, schliesslich geht es hier nicht um Grammatik (oder Orthographie (oder andere sprachliche Raffinessen)) sondern um etwas ganz Anderes (und hier bin ich mir der Grossschreibung relativ sicher, zumal ich mich im vorangehenden Nebensatz eines Genitivs zu bedienen wusste, und dies dem Beitrag als Gesamtes eine hochstehendere Note verleiht, als dieser verdient hat), und zwar um Legalität), schreibe ich nun endlich nieder:

Mit Fotobildaufnahmegerät im Kompaktformat ausgestattet machte ich mich vor geraumer Zeit auf den Heimweg und kurvte soeben aus der Velostation am Milchgässli, als mir eine kreidene Inschrift an der Mauer des Burgerspitals auffiel, deren orthographische Unzulänglichkeit mich dergestalt anrührte, dass ich nicht umhin kam, sie (die Inschrift, nicht die Unzulänglichkeit) für die Nachwelt in elektronischer Form aufzubewahren, und diesenzwecks mit erwähntem Fotobildaufnahmegerät im Kompaktformat ein Abbild der Realität in den Speicher bannte. Das Resultat sollst du hier zu Gesicht bekommen, und sei versichert: Wenn du dir zwecks Erheiterung deines Gemütes das Bild auf deinen Heimrechner herunterladen möchtest, so ist das weder illegal noch illlegal, denn ich erlaube es dir ausdrücklich. Here goes:

Grafitti mit leichtem Schreibfehler
Grafitti mit leichtem Schreibfehler

Soviel nun mal dazu. Ich hätte noch haufenweise andere Lichtbilder, sehe mich im Moment aber genötigt, der Abwasserreinigungsanlage der Stadt Bern Arbeitsmaterial zur Verfügung zu stellen und verabschiede mich folgerichtig mit hoher Geschwindigkeit Richtung Klo. Gute Nacht!

Der Jahrhundertraub

„Jahrhundert-Raub in Zürcher Museum“ titelte heute eine Schweizer Gratiszeitung. „Oh nein“, schoss es mir durch den Kopf, „nicht schon wieder!“ Wieder haben skrupellose Diebe ein Jahrhundert entwendet! Als ob das in der Vergangenheit nicht schon genug vorgekommen wäre!

Das Argentinische Tageblatt vom 21. Januar 2006 berichtete ebenfalls von einem Jahrhundertraub, der in einer argentinischen Bank stattgefunden haben soll (Link zum Artikel als PDF), der Focus schrieb am 26. Dezember 2006 über einen 20 Jahre zurückliegenden „Jahrhundertraub“ in Saint-Nazaire, und erinnerst du dich noch an den sogenannten Jahrhundertraub anno 1997, bei der Fraumünsterpost in Zürich (kleine Geschichte dazu hier)?

Da kann man sich doch wirklich fragen, was mit all den gestohlenen Jahrhunderten geschehen ist. Google liefert uns ungefähr 935 Treffer für den Terminus „jahrhundertraub“. Nach kurzer Multiplikation kommen wir so unschwer auf circa 93’500 entwendete Jahre, um die sich die Menschheit zurückversetzt sehen müsste. Wir befänden uns somit etwa im Mittelpaläolithikum, fräsen Kräuter und erlegten Säbelzahntiger, tränken frisches Bergquellwasser und schlügen uns gegenseitig mit Faustkeilen die Schädel ein.

Unter diesem Gesichtspunkt grenzt es beinahe an ein Wunder, dass ich am Computer überhaupt einen Blogeintrag schreiben kann.

Ehe-ähnliche Diplomatinnengattinnen?

Kürzlich wurde ich von Reufi mit folgender Frage konfrontiert:

Mänu, schreibt man „Diplomatengattinnen und Diplomatinnengatten“ oder „Diplomatengattinnen, Diplomatinnengatten, Diplomatinnengattinnen und Diplomatengatten“ und in welcher Reihenfolge? Oder wie Casi vorschlägt „diplomatengattinnen, diplomatinnengatten, diplomatinnengattinnen, diplomatengatten, partner von diplomatinnen in einer ehe-ähnlichen beziehung, partnerinnen von diplomaten in einer ehe-ähnlichen beziehung, partnerinnen von diplomatinnen in einer ehe-ähnlichen beziehung, partner von diplomaten in einer ehe-ähnlichen beziehung“?

Ich muss zuerst meinen tiefen Dank und meine nicht minder tiefe Befriedigung über diese Frage ausdrücken. Nicht etwa, weil sie mich besonders interessieren oder speziell fordern würde. Vielmehr sehe ich in dieser Frage den Beweis dafür, dass ich trotz ständigen gegenteiligen Kommentaren und Äusserungen von Reufi und Casi offensichtlich als die Choryphäe auf dem Gebiet der deutschen Sprache angesehen werde, die ich nun mal bin.

Nun aber zur Beantwortung,  und damit zur Linderung von Unwissen in den Köpfen Reufis und Casis!

Nach eingehender Diskussion mit meinem Beraterstab und tagelangem Orakeln kann ich hier ein Resultat präsentieren, das auch den kritischen Teil meiner hochwohlgelöblichen Leserschaft zufriedenstellen wird. Der Lösungsfindungsprozess stellte sich als hochkomplex heraus, weshalb ich hier lediglich das Endresultat zu zeigen gedenke, ohne die Details der mit der Lösungsfindung einhergehenden Diskussion breitzuwalzen.

Die Lösung, die sich als die Optimale herauskristallisiert hat, ist sowohl verblüffend als auch Simpel: Diplomatengatten. Argumentativ begründet wird dies wie folgt:

  1. Für die Erhaltung des generischen Maskulinums
    Es ist zu einer regelrechten Unsitte verkommen, bei Allem und Jedem ein -innen, /innen oder Innen anzuhängen. Ein(e) ansonsten grandiose(r) Text/-in verkommt zu einem/r unleserlichen FlickwerkIn, wenn er/sie gespickt ist mit diesen unsäglichen Suffixen/innen. Einverstanden?
  2. Ehe-ähnliche Beziehungen bei Diplomaten werden nicht geduldet
    Ein rechtschaffener Diplomat ist entweder ledig und single, oder glücklich verheiratet. Man hat schliesslich ein Image zu wahren, und da passen wilde Beziehungen, Affären und dergleichen nicht hinein.

Mit diesen beiden Punkten lässt sich der ganze, komplizierte Satzbau, wie ihn Reufi vorschlägt, auf das simple Diplomatengatten destillieren.
Ich danke für Ihre Aufmerksamkeit.

Ich bin der deutschen Sprache mächtig! Mächtig mächtig!

Diesmal bildete „Heute Abend scheint es geschneit zu haben“ den Stein des Anstosses. „Aber kennsch de du dr Ungerschied zwüsche «Scheinbar» u «Anscheinend»? Das isch genau verchehrt, was de da gschribe hesch!“, versuchte mich heute der Dezi zu belehren. Mich wollte der belehren! Mich, der ich doch in meiner Jugend die deutsche Sprache mit Löffeln gegessen habe, ach, was sage ich Löffeln!, mit Suppenkellen in mich hineingeschaufelt habe ich deutsches Sprachverständnis, als ich noch jung war! Dieses Wissen hat lange Jahre gereift und tritt nun unverkennbar zutage! Ich habe doch noch nie einen Rechtschreibefehler begangen, und in Grammatik- sowie Stilfragen bin ich ebenso unfehlbar wie der Papst in Religionsfragen. Im Grunde genommen verkörpere ich die deutsche Sprache an sich, und wer meint, in einem meiner Beiträge einen Orthographiefehler entdeckt zu haben, hat wohl einfach meine neueste Reform verpasst.

Jedenfalls kenne ich den Unterschied zwischen „anscheinend“ und „scheinbar“ sehr wohl! Lasse ihn mich dir erklären, oder mich ihn dir: „Anscheinend“ heisst so viel wie „es macht den Anschein, dass“, wohingegen ein „scheinbar“ dahingehend zu interpretieren ist, dass anscheinend alles anders ist, als es den Anschein macht. Na, alles klar? Dezi, noch Fragen?

Ein vorgängiges Fiderluege! mit starkem Verb

Ich weiss ja nicht, ob’s mir morgen noch reicht, etwas zu schreiben, also hole ich das mal nicht nach sondern vor, und in eben diesem Moment bin ich mir nicht mehr so ganz sicher, ob da Kommata hingehören oder nicht, aber ich lass es mal so stehen, nidwahr.

Auso. Morgen ist Donnerstag, und am Freitag in aller Herrgottsfrühe muss ich mich schon auf die Socken machen, damit ich dann um 6 Uhr, ja, du hast richtig gelesen: um 6 Uhr! auf der Schütz bin, um mein Gepäck in den Car zu laden, der mich und ungefähr 60 andere junge und junggebliebene Leute, vom Rüedu chauffiert, nach Bornholm im schönen Dänien transportieren wird, wo wir dann während 2 Wochen ein bisschen musizieren werden. So einen Ausflug nennt man Orchesterlager, und das Orchester nennt sich orchestra giovane, und bereits dieser Name impliziert ja die Junggebliebenheit der Mitmusikanten.

Wenn ich nun daran denke, dass ich also morgen noch packen muss und Dänienkronen kaufen muss und das Haus in einem einigermassen passablen Zustand hinterlassen muss und wohl noch einkaufen muss und vorher noch arbeiten muss und ja nichts vergessen darf, dann wird mir schon ein wenig blümerant zu Mute. Deshalb wasserpfeifle ich nun zur vorgängigen Entspannung gemütlich vor mich hin und lasse mich durch Jamiroquai mit Blow You Mind berieseln, es gibt kaum ein besseres Mittel gegen Blümeranz.

Blümeranz, respektive blümerant, ist solch ein schönes Wort, dass ich es nicht einfach so alleine hier stehen lassen kann. Ich will ihm also noch einen ebenso schönen Compagnon kredenzen, und erzähle darum, was ich heute Abend gemacht habe. Und zwar: Ich buk eine Züpfe. Da, da war er, hast du ihn erkannt? Buk heisst der Compagnon. Eine der schönsten Vergangenheitsformen überhaupt, und ich nutze die sich bietende Gelegenheit und lasse einen weiteren Link fallen, der der Nachwelt unbedingt erhalten bleiben muss. Es handelt sich hierbei um die Website der Gesellschaft zur Stärkung der Verben, die es sich zum Ziel gesetzt hat, starke Verben zu fördern. Was starke Verben sind, das fragst du am besten deinen Deutschlehrer. Ich kann bloss sagen: Wäre äschern ein starkes Verb, so lautete der Indikativ Präteritum nicht äscherte, sondern arsch, und der Konjunktiv II ürsche. Sind sie nicht wunderbar, die starken Verben? Einen ganz herzlichen Dank an Marc für den Link.